
Söder fordert Bürgergeld-Kürzungen auf verfassungsrechtliches Minimum und bundesweites Zahlungskartengesetz für Asylsuchende
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fordert eine Absenkung des deutschen Bürgergeldes auf das 'absolute verfassungsrechtliche Minimum' und verlangt ein bundesweites Gesetz zur Durchsetzung von Zahlungskarten für Asylsuchende – mitten in Spannungen innerhalb der Koalition.
Söders Forderungen
Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Markus Söder hat eine drastische Kürzung des deutschen Bürgergeldes auf das verfassungsrechtlich zulässige Minimum gefordert. In einem Interview mit der Bild am Sonntag, veröffentlicht am 21. Juni 2026, bestand er darauf, dass die Regelsätze auf "das absolute verfassungsrechtliche Minimum" gebracht werden müssten.
Wenn man zusammenrechnet, was jemand mit Kindern, Zuschlägen, Wohn- und Regelbedarf erhalten kann, ist das immer noch ein sehr, sehr hoher Betrag, der in der Bevölkerung auf wenig Verständnis stößt.
Der CSU-Chef forderte zudem, dass ukrainische Flüchtlinge nicht länger über das Bürgergeld finanziert werden sollten. "Es kann nicht sein, dass nach einer Reform immer noch dieselben 50 Milliarden stehen", sagte Söder mit Blick auf die jährlichen Kosten des Programms. Er beharrte auf einer gesetzlichen Änderung, um Ukrainer nicht mehr über das Bürgergeld mitzufinanzieren.
Reformhintergrund
Das derzeitige Bürgergeld ersetzte 2023 das umstrittene Hartz-IV-System und zahlt derzeit 563 Euro pro Monat an einen alleinstehenden Empfänger. Rund 5,3 bis 5,5 Millionen Leistungsbezieher sind eingeschrieben. Ab dem 1. Juli 2026 tritt eine neue Grundsicherung mit strengeren Regeln in Kraft, einschließlich der Möglichkeit von Voll-Sanktionen bei mangelnder Mitwirkung. Trotz der Reform argumentiert Söder, dass die Gesamtausgaben dennoch von der Marke von rund 50 Milliarden Euro sinken müssten.
Innenminister Dobrindt, ebenfalls von der CSU, hatte bereits früher in der Woche gesagt, dass mehr Einsparungen möglich seien als derzeit geplant.Das Bürgergeld von knapp 50 Milliarden Euro pro Jahr kann einen entscheidenden Beitrag zur Haushaltskonsolidierung leisten.
- Bürgergeld ersetzt das Hartz-IV-System und erhöht die Regelsätze.
- Innenminister Dobrindt fordert tiefere Kürzungen mit Verweis auf die Haushaltskonsolidierung.
- Söder fordert Absenkung auf verfassungsrechtliches Minimum und ein bundesweites Zahlungskartengesetz.
- Neue Grundsicherung tritt in Kraft mit strengeren Sanktionen und einer Arbeitsmarkt-Erstausrichtung.
Koalitionsspannungen
Söders Forderungen stießen sofort auf Widerstand vom Koalitionspartner SPD und sogar aus den Reihen der Union. Dennis Radtke, Vorsitzender des CDU-Arbeitnehmerflügels, bezeichnete die Intervention als verwirrend und erklärte, der Übergang zur neuen Grundsicherung erfülle bereits ein zentrales Wahlversprechen.
Die CSU im Bundestag signalisierte grundsätzliche Unterstützung, scharfer Widerspruch kam jedoch von der SPD und der Opposition. Söder zog zudem rote Linien gegen eine Mehrwertsteuererhöhung oder die Abschaffung des Ehegattensplittings und der Mütterrente.Warum wir die Diskussion von vorne beginnen, ist mir nicht klar.
Migration und die Zahlungskarte
Über die Sozialhilfe hinaus forderte Söder ein bundesweites Gesetz zur Durchsetzung der Zahlungskarte für Asylsuchende. "Im Bereich der Migration müssen die Rückführungen und freiwilligen Ausreisen erhöht werden, um die Kosten massiv zu senken. Das kann insbesondere durch die Zahlungskarte erreicht werden", sagte er. Er warf mehreren Bundesländern vor, sich der Einführung der Karte zu verweigern, und schlug vor, dass NGOs, die versuchen, sie zu umgehen, mit strafrechtlichen Sanktionen rechnen müssten.
Zivilgesellschaftliche Gruppen wie der Flüchtlingsrat hatten die Zahlungskarte zuvor als Kontrollinstrument kritisiert, das schutzbedürftige Menschen diskriminiert.

