
Schweizerische Nationalbank hält Leitzins bei 0 % und hebt Wachstumsprognose für 2026 an
Die Schweizerische Nationalbank hat ihren Leitzins am Donnerstag bei 0 % belassen, mit Verweis auf kontrollierte Inflation, und hob ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 1,5 % bis 2,0 % an.
Zinsentscheid und geldpolitischer Kurs
Die Schweizerische Nationalbank beließ ihren Leitzins am Donnerstag bei 0 % und hielt damit das seit Juni 2025 geltende Niveau. Der Entscheid entsprach den Markterwartungen, wo die Preissetzung eine Wahrscheinlichkeit von 94 % für eine unveränderte Lage angezeigt hatte, und deckte sich mit den Prognosen aller von Reuters befragten Ökonomen. Im Rahmen des geldpolitischen Konzepts werden Sichteinlagen der Geschäftsbanken bei der Zentralbank weiterhin bis zu einer festgelegten Schwelle zum Leitzins verzinst, während darüber hinausgehende Guthaben bei 0,25 Prozentpunkten bleiben.
SNB-Präsident Martin Schlegel erläuterte die Einschätzung während einer Morgenpressekonferenz im Kaiserhaus in Bern. Der Direktorium bekräftigte seine Bereitschaft, die Währungsvolatilität je nach konjunktureller Lage zu steuern.
Der mittelfristige Inflationsdruck hat nur leicht zugenommen. Die Geldpolitik ist angemessen, um die Inflation im Bereich der Preisstabilität zu halten und die wirtschaftliche Entwicklung zu unterstützen.
Wachstums- und Inflationsprognosen
Zusammen mit dem Zinsentscheid hob die Zentralbank ihre Einschätzung für das inländische Wirtschaftswachstum im Jahr 2026 an. Die SNB erwartet nun ein Wachstum des Schweizer Bruttoinlandsprodukts in einer Spanne von 1,5 % bis 2,0 % in diesem Jahr, eine Aufwärtskorrektur gegenüber der Mitte Juni veröffentlichten Prognose von rund 1 %. Die prognostizierte Wirtschaftsentwicklung für 2027 blieb mit rund 1,5 % stabil.
Die Bank aktualisierte auch ihre bedingte Inflationsprojektion über den Dreijahreszeitraum, unter der Annahme, dass der Leitzins bei 0 % bleibt. Die Jahresinflation wird für 2026 auf 0,7 % prognostiziert, nach oben revidiert von der früheren Schätzung von 0,6 %. Die Prognosen für 2027 und 2028 wurden auf 0,8 % festgelegt, gegenüber früheren Prognosen von 0,6 % bzw. 0,7 %.
- 2026
- 0.7 %
- 2027
- 0.8 %
- 2028
- 0.8 %
Geopolitische Spannungen und Inlandspreise
Der moderate Anstieg der Verbraucherpreise folgt auf die eskalierenden geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, insbesondere den Konflikt im Iran, der die internationalen Rohölpreise in die Höhe getrieben hat. Die Schweizer Gesamtinflation erreichte im August 0,8 % und verdoppelte sich damit gegenüber 0,4 % im Vormonat. Die SNB stellte fest, dass die Güterinflation im August erstmals seit Mai 2024 wieder in den positiven Bereich gerückt ist, was auf höhere Kosten für Mineralölprodukte und Treibstoff zurückzuführen ist.
Trotz des Anstiegs bleibt die Inflation innerhalb der von der Zentralbank definierten Preisstabilitätszielspanne von 0 % bis 2 %. Die Zentralbank erklärte, dass der energiebedingte Preisdruck voraussichtlich bis zum vierten Quartal 2026 anhalten wird, bevor er im Laufe des Jahres 2027 nachlässt.
Zinsdifferenzen und Währungsbewegungen
Der Entscheid, den Leitzins bei null zu belassen, unterscheidet die Schweiz von mehreren internationalen Partnern, die ihre Geldpolitik gestrafft haben. Die US-Notenbank Federal Reserve hob ihren Leitzins letzte Woche auf eine Zielspanne von 3,75 % bis 4,00 % an, während die Europäische Zentralbank ihren Einlagensatz auf 2,5 % anhob. Diese politische Divergenz führte zu einer Zinsdifferenz von 2,5 Prozentpunkten zwischen der SNB und der EZB, dem größten Unterschied seit der Einführung des Euro.
Eine Analyse der Raiffeisen Economic Research deutet darauf hin, dass die Finanzmärkte davon ausgehen, dass sich die Kluft zwischen den Schweizer und den Euro-Raum-Zinssätzen in den nächsten zwölf Monaten auf 3 Prozentpunkte ausweiten könnte. In den letzten drei Monaten verlor der Schweizer Franken gegenüber dem Euro und dem US-Dollar fast 2 % an Wert. Nach der Ankündigung am Donnerstag notierte der Franken weitgehend unverändert bei 0,9395 Franken pro Euro und 0,8247 Franken pro US-Dollar. Philipp Burckhardt, Investmentexperte bei Lombard Odier, erklärte, dass die Schweiz den globalen Zentralbanken mit Zinserhöhungen spätestens im nächsten Jahr folgen dürfte.

