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Konflikte·vor 4 Std.

Apple verzögert Siri-KI in Europa und gibt EU-Regeln die Schuld – Regulierer kontern

Apples neu vorgestellte KI-gestützte Siri wird im Herbst nicht auf iPhones und iPads in der Europäischen Union starten – eine direkte Konfrontation zwischen dem Tech-Giganten und Brüssel über die digitalen Wettbewerbsregeln.

Apples Worldwide Developers Conference (WWDC) präsentierte am Montag ein grundlegendes Redesign von Siri, das den Assistenten zu einer systemweiten KI-Schnittstelle macht, die mit persönlichem Kontext über Apps hinweg agieren kann. Die neue 'Siri-KI' basiert auf einer Partnerschaft mit Googles Gemini-Modell und verspricht, Informationen zu finden, Aufgaben zu verwalten und In-App-Aktionen per natürlicher Sprache auszuführen.

Die EU-Blockade

Allerdings wird die Funktion im Herbst auf iPhone und iPad in der Europäischen Union nicht verfügbar sein. Apple machte direkt den Digital Markets Act (DMA) dafür verantwortlich und erklärte, dass die EU-Regulierungsbehörden seine vorgeschlagenen Lösungen für die Einführung des KI-Assistenten abgelehnt hätten. Der Senior Vice President of Marketing Greg Joswiak nannte die Situation „das bislang offensichtlichste Beispiel für die extreme Auslegung des Digital Markets Act durch die EU-Kommission.“ Das Unternehmen erklärt, es habe einen Mechanismus namens Trusted System Agent vorgeschlagen, der Drittanbietern die Nutzung derselben Gerätedaten wie Siri-KI ermöglichen würde, ohne direkten Zugriff zu erhalten – der Vorschlag sei jedoch abgelehnt worden.

Dies ist das bislang offensichtlichste Beispiel für die extreme Auslegung des Digital Markets Act durch die EU-Kommission.

Brüssel kontert

Die Europäische Kommission wies Apples Darstellung umgehend zurück. Sprecher Thomas Regnier erklärte: „Die Entscheidung, Siri-KI nicht in der EU einzuführen, ist Apples und allein Apples Entscheidung.“ Er fügte hinzu, dass nichts im DMA das Unternehmen daran hindere, neue Produkte einzuführen. Regnier enthüllte, dass Apple eine Ausnahme von den Interoperabilitätsverpflichtungen für mindestens 18 Monate beantragt hatte. „Das ist keine Option“, sagte er. Die Kommission erinnerte daran, dass Apple als 'Gatekeeper' unter dem DMA für iOS, App Store, Safari und iPadOS eingestuft ist und den Markt nicht abschotten darf.

Die Entscheidung, Siri-KI nicht in der EU einzuführen, ist Apples und allein Apples Entscheidung.

Ein Konflikt der Gesetze

Der Stillstand offenbart eine tiefere Spannung zwischen der im DMA geforderten Interoperabilität und dem Grundsatz der Datenminimierung der DSGVO. Kommentatoren stellen fest, dass die Forderung an Apple, Drittanbieter-Assistenten denselben tiefen Zugriff auf persönliche Nachrichten, Fotos und E-Mails zu gewähren, den Siri-KI benötigt, das gesamte digitale Leben eines Nutzers öffnen würde. Der Assistent ist darauf ausgelegt, den gesamten persönlichen Kontext auf einem Gerät zu durchsuchen – von SMS über Abendessenspläne bis hin zu Erinnerungen an Rezepte – und fungiert somit als Hauptschlüssel zu intimen Daten.

Auswirkungen auf Unternehmen

Über die Verbraucherfunktionen hinaus positioniert Apple Siri-KI als Unternehmens-App-Schicht. Entwickler können App-Inhalte über App Entities verfügbar machen, Aktionen über App Intents und App Schemas definieren und Bildschirmelemente über View Annotations zuordnen. Dies könnte es Mitarbeitern ermöglichen, Siri zu bitten, CRM-Einträge, IT-Tickets, Rechnungen oder Projektaufgaben zu finden, zusammenzufassen oder zu bearbeiten, ohne einzelne Apps öffnen zu müssen. Spotlights semantischer Index wird zum Enterprise-Suchhaken, der App-Inhalte für Abfragen in natürlicher Sprache indiziert.

Marktreaktion

Die Ankündigungen der WWDC beeindruckten Investoren nicht. Apple-Aktien fielen am Dienstag um mehr als 3 Prozent, was einer Wertvernichtung von über 100 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung entspricht. Analyst Walter Piecyk von LightShed Partners stellte fest, dass der Ausverkauf genau in dem Moment begann, als Apple begann, über Siri zu sprechen, und verwies auf Bedenken hinsichtlich Latenz und Sprachqualität. Die Partnerschaft mit Googles Gemini-Modell, so bedeutend sie auch sei, habe die Märkte hinsichtlich Apples Position im KI-Wettlauf nicht beruhigt.

Wenn man sich ansieht, wann die Aktie zu fallen begann, dann war das genau in dem Moment, als sie anfingen, über Siri zu sprechen. Es gab wirklich nichts, was die Anleger ermutigt hätte.

Cupertino · Brüssel

8 Quellen

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