
Deutschland plant Verdreifachung der Shisha-Tabaksteuer bis 2030 – Branche warnt vor Preisverdopplung und Schwarzmarktexplosion
Ein Gesetzesentwurf des Bundesfinanzministeriums würde die Steuer auf Wasserpfeifentabak von rund 56 Euro auf 188,46 Euro pro Kilogramm bis 2030 erhöhen und die Einzelhandelspreise von derzeit etwa 139 Euro auf 250 bis 300 Euro pro Kilogramm treiben, so der Bundesverband Wasserpfeifentabak.
Der Steuerplan
Das Bundesfinanzministerium hat einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der die Tabaksteuer auf Wasserpfeifentabak schrittweise bis 2030 erhöhen würde. Der aktuelle Steuersatz von rund 56 Euro pro Kilogramm soll auf 188,46 Euro pro Kilogramm steigen – fast eine Verdreieinhalbfachung. Der erste Schritt, für Januar 2027 vorgesehen, verdoppelt die Steuer bereits fast, wie der Entwurf zeigt.
Die Steuererhöhungen sind unverhältnismäßig.
Der durchschnittliche Einzelhandelspreis liegt derzeit bei etwa 139 Euro pro Kilogramm. Mit der vollständigen Steuererhöhung erwartet der Branchenverband Preise von 250 bis 300 Euro pro Kilogramm, also etwa eine Verdopplung für die Verbraucher. Eine 200-Gramm-Dose, die jetzt 25 bis 30 Euro kostet, würde auf rund 60 Euro steigen.
- Gesetzesentwurf sieht schrittweise Steuererhöhung von 56 € auf 188,46 € pro kg bis 2030 vor
- Erster Schritt: Tabaksteuer auf Wasserpfeifentabak fast verdoppelt
- Endgültiger Steuersatz von 188,46 € pro Kilogramm erreicht
- Aktuell (2026)
- 56 €
- Geplant bis 2030
- 188.46 €
Eine Geschichte von Schwarzmarktproblemen
Der Wasserpfeifensektor hat bereits erlebt, was strenge regulatorische Maßnahmen auslösen können. Zwischen 2022 und 2024 halbierte eine restriktive Verpackungsvorschrift das Volumen des versteuerten Shisha-Tabaks, während die Importe der für Wasserpfeifen verwendeten speziellen Kohle stabil blieben. Der Verband schätzt, dass in diesem Zeitraum 80 Prozent des in Deutschland konsumierten Shisha-Tabaks aus illegalen Quellen stammten. Der Gesetzgeber zog die Verpackungsregel schließlich zurück und entzog dem Schwarzmarkt teilweise die Grundlage.
Die fiskalischen Pläne für kräftige zusätzliche Steuereinnahmen würden wieder schiefgehen. Stattdessen ist mit einem Verlust aller legalen Steuereinnahmen zu rechnen; die organisierte Kriminalität wird profitieren.
Wirtschaftlichkeit der Branche gefährdet
Verbandsgeschäftsführer Folke Rega warnt, dass der Steuerplan die legale Produktion in Deutschland unrentabel machen könnte. Die Einhaltung von Rückverfolgbarkeits- und Lebensmittelqualitätsanforderungen, das Hinterlegen von Finanzsicherheiten und die Wartung von Dokumentationstechnologie kosten einen Hersteller bereits mindestens eine Viertelmillion Euro pro Jahr. Bei einem nach einem steuerbedingten Preisschock zu erwartenden Nachfrageeinbruch, so Rega, würden die Hersteller einfach ihre Geschäfte schließen.
Hintergrund: Verbraucher und Gesundheit
Schätzungsweise 1,5 Millionen Menschen in Deutschland rauchen Wasserpfeife, laut einer Umfrage der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Debra-Studie) aus dem Jahr 2023, das sind 1,8 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren. Etwa ein Viertel des in Deutschland verkauften Shisha-Tabaks wird in rund 5.000 Shisha-Bars konsumiert, der Rest privat. Rund 2.500 Verkaufsstellen wie Kioske und Tankstellen sowie etwa 200 Großhändler beliefern den Markt. Krebsforscher betonen die Gesundheitsrisiken des Wasserpfeifenrauchens und weisen darauf hin, dass der Glaube, Wasser wirke als Filter, ein weit verbreiteter Mythos ist.

