
Italienischer Senat verabschiedet Stabilicum-Wahlreformgesetz mit 113 Stimmen
Der italienische Senat stimmte mit 113 zu 71 für die Stabilicum-Wahlreform, die vor der endgültigen Prüfung in der Abgeordnetenkammer eine 42-Prozent-Hürde für einen Mehrheitssitzbonus einführt.
Zustimmung des Senats und Kernmechanismus
Der italienische Senat verabschiedete am 15. September 2026 den von der Mitte-rechts-Koalition eingebrachten Gesetzentwurf zur Wahlreform, bekannt als „Stabilicum“, mit 113 Ja-Stimmen, 71 Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen. Das Gesetz sieht ein Verhältniswahlsystem mit einem festen Mehrheitsbonus für die führende Koalition oder Partei vor, die in beiden Kammern des Parlaments mindestens 42 % der Stimmen erhält. Erreicht eine Koalition diese Schwelle in beiden Kammern, erhält sie eine Zuteilung von 70 zusätzlichen Abgeordneten und 35 Senatoren, begrenzt auf insgesamt 220 Sitze in der 400 Sitze umfassenden Abgeordnetenkammer und 113 Sitze im 200 Sitze umfassenden Senat. Sollte keine Koalition die 42-Prozent-Marke überschreiten oder die Wahlergebnisse in beiden Kammern auseinanderfallen, werden die Sitze nach reinem Verhältniswahlrecht verteilt.
- Dafür
- 113 Stimmen
- Dagegen
- 71 Stimmen
- Enthaltungen
- 2 Stimmen
Stimmzettelstruktur und Qualifikationsregeln
Die Reform schafft die Einerwahlkreise ab und ersetzt die vollständig geschlossenen Listen durch einen gemischten Auswahlmechanismus. Die Stimmzettel sehen eine blockierte Listenspitzenkandidatin oder einen blockierten Listenspitzenkandidaten vor, die oder der an der Spitze einer siebenköpfigen Liste steht, gefolgt von sechs Kandidaten, für die die Wähler bis zu drei Vorzugsstimmen mit alternierenden Präferenzen vergeben können. Anders als das vorherige Rosatellum-Gesetz enthält der Text keine 60-zu-40-Geschlechterquote für Listenspitzenkandidaten. Die Parteien müssen bei der Einreichung ihrer Wahlsymbole außerdem ihren Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten benennen und ihr Regierungsprogramm hinterlegen, während die Ernennungsbefugnisse des Staatspräsidenten gemäß Artikel 92 und das Fehlen eines imperativen Mandats gemäß Artikel 67 der italienischen Verfassung erhalten bleiben. Für nicht im Parlament vertretene Bewegungen steigt die für die Aufstellung von Kandidaten in jedem Wahlkreis erforderliche Mindestunterschriftenzahl von 1.500 auf 6.000, wodurch die landesweite Gesamtzahl nach der Ablehnung der digitalen Unterschriftensammlung über SPID auf nahezu 400.000 Unterschriften ansteigt.
- Rosatellum (bisher)
- 1500 Unterschriften
- Stabilicum (verabschiedet)
- 6000 Unterschriften
Oppositioneller Protest und Sitzverteilung
Oppositionsparteien protestierten während der gesamten Senatsdebatte und zeigten gelbe und rote Schilder mit der Aufschrift „Nein zum Betrugsgesetz“, bevor die Fraktionsgeschäftsführer sie entfernten. Kritiker und Wahlanalysten wiesen darauf hin, dass die Kombination aus blockierten Wahlkreisspitzenkandidaten und der nationalen Bonusliste mit 70 Sitzen den Parteisekretariaten die direkte Kontrolle über mehr als 66 % der Parlamentssitze verschafft. Der Senatsvorsitzende der Demokratischen Partei, Francesco Boccia, verurteilte die Struktur während der Plenardebatten.
Es ist ein Gesetz, das aus Angst vor dem Verlieren geboren wurde, mit der Besessenheit, eine Minderheit von Stimmen in eine enorme parlamentarische Mehrheit zu verwandeln.
Der frühere Ministerpräsident Matteo Renzi stellte die erklärten Ziele der Regierung während der abschließenden Abstimmungserklärungen in Frage.
Sie ändern das Wahlgesetz nicht für Stabilität, sondern weil Sie bei der nächsten Runde ernsthaft zu verlieren drohen.
Zeitplan der Kammer und Vertrauensfrage-Debatte
Der Gesetzentwurf geht nun zur dritten und letzten Lesung zurück an die Abgeordnetenkammer, die Plenardebatten sollen am 28. September 2026 beginnen. Da frühere Änderungsanträge zu Vorzugsstimmen in Montecitorio in geheimer Abstimmung abgelehnt wurden, prüft die Regierung, ob sie das Gesetz mit einem förmlichen Misstrauensvotum verknüpft. Senatspräsident Ignazio La Russa wies Behauptungen zurück, dass die Reform der Regierungskoalition nütze.
Dieses Gesetz gibt letztlich jedem die Chance, sich zu bewerben. Niemand wird bevorzugt. Es gewinnt, wer eine Stimme mehr bekommt.
Der Minister für parlamentarische Beziehungen, Luca Ciriani, bestätigte, dass das Kabinett von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sein Gesetzgebungsverfahren überprüfen wird, bevor der Text an die Abgeordnetenkammer geht.
Bezüglich der Vertrauensfrage im Parlament wird die Regierung rechtzeitig entscheiden, ob es angebracht ist, sie zu stellen oder nicht.


