
Gericht in Mailand verhängt erstes Urteil wegen Hass im Netz gegen Senatorin Liliana Segre
Ein Gericht in Mailand verurteilte einen Angeklagten zu vier Monaten Haft auf Bewährung und 1.500 Euro Schadensersatz wegen Verleumdung der Holocaust-Überlebenden und Senatorin auf Lebenszeit Liliana Segre in sozialen Medien. Andere Angeklagte entschuldigten sich und zahlten Schadenersatz an die Stiftung Gedenkstätte Schoah.
Erstes Urteil
Ein Gericht in Mailand hat am 9. Juli 2026 das erste Urteil im Fall von Hass im Netz gegen die Senatorin auf Lebenszeit Liliana Segre gefällt. Der Angeklagte, der sich für ein abgekürztes Verfahren entschieden hatte, erhielt eine viermonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung und wurde zur Zahlung von 1.500 Euro Schadensersatz verurteilt. Der Vorwurf lautete auf Verleumdung, verschärft durch Rassenhass, wegen einer Flut von Beleidigungen, die gegen die Holocaust-Überlebende in sozialen Medien gerichtet waren.
Die Ermittlungen
Der Fall geht auf Anzeigen zurück, die Segre erstattet hatte, die seit ihrer Ernennung zur Senatorin auf Lebenszeit im Jahr 2018 Ziel antisemitischer Nachrichten ist. Die Staatsanwaltschaft Mailand unter der Leitung von Nicola Rossato ermittelte gegen Drohungen und Beleidigungen, die zwischen 2022 und 2023 über soziale Medien und E-Mail versandt wurden. Nachdem die Staatsanwaltschaft zunächst beantragt hatte, die Verfahren gegen 12 Personen einzustellen, akzeptierte der Ermittlungsrichter Alberto Carboni einen Einspruch von Segres Anwalt Vincenzo Saponara und erhob Anklage gegen acht Personen.
Andere Angeklagte
In früheren Anhörungen vor Richterin Francesca Ghezzi entschuldigten sich mehrere Angeklagte in Briefen und zahlten Entschädigungen zwischen 500 und 2.000 Euro an die Stiftung Gedenkstätte Schoah. Segre zog daraufhin ihre Anzeigen zurück, und die Verfahren wurden eingestellt. Ein weiterer Angeklagter erhielt eine Bewährungsstrafe: 12 Monate gemeinnützige Arbeit bei Caritas, eine Zahlung von 300 Euro an die Stiftung und ein Programm zur psychologischen Beratung. Bei erfolgreichem Abschluss wird das Verfahren eingestellt.
Nächste Schritte
Ein separater Teil der Ermittlungen mit weiteren Angeklagten ist für eine Vorverhandlung am 1. Oktober 2026 vor Richter Fabrizio Filice angesetzt.
- Beleidigungen und Drohungen an Liliana Segre über soziale Medien und E-Mail.
- Richter Carboni erhebt Anklage gegen acht Personen nach Annahme eines Einspruchs von Segres Anwalt.
- Mehrere Angeklagte entschuldigen sich und zahlen Entschädigungen; Verfahren eingestellt.
- Erstes Urteil: vier Monate auf Bewährung und 1.500 Euro Schadensersatz. Ein weiterer Angeklagter erhält Bewährung.
- Vorverhandlung für eine separate Gruppe von Angeklagten.


