
Deutsches Gericht verurteilt Mann zu zehn Jahren Haft für tödlichen Angriff auf Zugbegleiter – Debatte über Sicherheit im Bahnverkehr verschärft sich
Ein Gericht in Zweibrücken hat einen 26-jährigen Mann zu zehn Jahren Haft verurteilt, weil er im Februar bei einer Fahrkartenkontrolle den Zugbegleiter Serkan Çalar tödlich verprügelt hatte. Der Fall hat eine bundesweite Debatte über Gewalt gegen Bahnpersonal neu entfacht.
Das Urteil
Das Landgericht Zweibrücken in Rheinland-Pfalz verurteilte den 26-jährigen Ioanni V. am Donnerstag wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu zehn Jahren Haft. Die Staatsanwaltschaft hatte eine zwölfjährige Haftstrafe gefordert, während die Verteidigung auf ein niedrigeres Strafmaß plädierte und auf eine minderschwere Tatbegehung verwies. Das Gericht ließ einen Mordvorwurf, den die Familie des Opfers gefordert hatte, nicht zu.
Die Tat war ein völlig sinnloser Ausbruch aus einem nichtigen Anlass.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Anwälte der Familie von Serkan Çalar kündigten an, Revision beim Bundesgerichtshof einzulegen. Zuvor hatten sie erklärt, jedes Urteil unter zwölf Jahren anzufechten. Familienangehörige und Freunde blieben der Urteilsverkündung aus Protest fern.
Der Angriff
Am 2. Februar 2026 reiste Ioanni V., ein in Luxemburg lebender griechischer Staatsbürger, ohne gültigen Fahrschein in einem Regionalzug nahe Landstuhl. Als Zugbegleiter Serkan Çalar ihn aufforderte, sich auszuweisen und den Zug zu verlassen, schlug der Angeklagte ihm mehrfach ins Gesicht, ans Kinn und in die Brust. Der 36-Jährige verlor das Bewusstsein und starb zwei Tage später im Krankenhaus an einer Hirnblutung.
- Ioanni V. greift Zugbegleiter Serkan Çalar in einem Regionalzug nahe Landstuhl an, nachdem dieser ihn nach einem Ticket gefragt hat.
- Serkan Çalar stirbt im Krankenhaus an einer durch die Schläge verursachten Hirnblutung.
- Das Landgericht Zweibrücken verurteilt Ioanni V. zu zehn Jahren Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge.
Der Angriff wurde von den Sicherheitskameras des Zuges aufgezeichnet. Das stumme Video zeigt schnelle, harte Schläge, woraufhin der uniformierte Zugbegleiter innerhalb von Sekunden zusammenbricht. Der Angeklagte wurde am nächsten Halt in Homburg (Saar) festgenommen. Er räumte die Tat vor Gericht ein, bestritt jedoch die Tötungsabsicht und bat die Angehörigen des Opfers um Vergebung. Der Familienanwalt Yalcin Tekinoglu wies die Entschuldigung als unaufrichtig zurück und argumentierte, der Angeklagte habe den Tod des Zugbegleiters zumindest billigend in Kauf genommen.
Sicherheitsdebatte
Die Tötung von Serkan Çalar, einem alleinerziehenden Vater zweier Kinder aus Ludwigshafen, hat eine bundesweite Diskussion über Gewalt gegen Bahnpersonal ausgelöst. Eine Umfrage der Gewerkschaft EVG unter 4.000 kundennahen Beschäftigten ergab, dass die Hälfte körperliche Angriffe erlebt hat, 85 Prozent Beleidigungen oder Bedrohungen erfahren haben und zwei Drittel sich bei der Arbeit zunehmend unsicher fühlen. Das Innenministerium meldete, dass im Jahr 2026 bislang 1.630 Bahnmitarbeiter angegriffen wurden.
- Körperliche Angriffe
- 50 %
- Beleidigungen oder Bedrohungen
- 85 %
- Fühlen sich zunehmend unsicher
- 66 %
Es gibt nichts, was nicht passiert. Es gibt Belästigungen, Stalking, verbale Beleidigungen, Spucken, Schlagen. Nur die Extreme und die Häufigkeit haben zugenommen.
Die Deutsche Bahn hat Bodycams eingeführt, die Mitarbeiter in bedrohlichen Situationen aktivieren können, wobei die Audioaufzeichnung derzeit aus Datenschutzgründen blockiert ist. Das Unternehmen plant, im dritten Quartal kamerabasierte Audioaufzeichnungen zu testen. Damde, Vorsitzender des DB-Regio-Konzernbetriebsrats und Mitglied des EVG-Bundesvorstands, sagte, Fahrkartenkontrollen seien der häufigste Zündfunke.
Nächste Schritte
Verteidigung und Staatsanwaltschaft können beide gegen das Zweibrücker Urteil Berufung einlegen. Die Familie des Opfers hat bereits signalisiert, dass sie vor den Bundesgerichtshof ziehen wird, um eine Verurteilung wegen Mordes oder Totschlags zu erreichen. Die Debatte über die Sicherheit des Personals dürfte in politischen Kreisen weitergehen, wobei Gewerkschaften auf strengere Schutzmaßnahmen und härtere Strafen für Angriffe auf Beschäftigte des öffentlichen Nahverkehrs drängen.


