
Mutmaßlicher Anschlagsplan in Sarcelles: Sechs Männer angeklagt, kein erwiesener Bezug zu einem terroristischen Projekt
Sechs Männer wurden am 25. Juli einem Richter in Paris vorgeführt, nachdem am 11. Juli in Sarcelles Waffen in einem Auto gefunden worden waren. Die nationale Anti-Terror-Staatsanwaltschaft hat ihre Anklage wegen organisierter Kriminalität beantragt, während die Ermittlungen zum angeblichen Anschlagsplan fortgesetzt werden.
Waffenfund und Evakuierung
Ein Auto mit einem Sturmgewehr, einer Pistole und Munitionsmagazinen wurde am Abend des 11. Juli 2026 in Sarcelles, einer Stadt mit 60.000 Einwohnern nördlich von Paris, entdeckt. Das Fahrzeug wurde in der Nähe eines Kinos und etwa 500 Meter von einer Synagoge entfernt gefunden. Rund 300 Personen in der Umgebung wurden gegen 21:30 Uhr evakuiert, während ein Entschärfungseinsatz durchgeführt wurde. Es wurden keine Sprengstoffe gefunden.
Der Fund erfolgte nach einem Hinweis, den die Direction générale de la sécurité intérieure (DGSI), der französische Inlandsgeheimdienst, über einen „möglichen islamistischen Anschlag auf eine Synagoge in Sarcelles“ erhalten hatte.
Sechs Männer dem Gericht vorgeführt
Am Samstag, den 25. Juli, wurden sechs Männer dem Gericht in Paris im Rahmen einer gerichtlichen Untersuchung wegen krimineller terroristischer Vereinigung vorgeführt. Die Parquet national antiterroriste (Pnat) erklärte, sie stünden im Verdacht, an der Verbringung des in Sarcelles gefundenen Fahrzeugs beteiligt gewesen zu sein oder bei der Beschaffung oder Lieferung der Waffen geholfen zu haben.
Die Staatsanwaltschaft stellte fest, dass die Ermittlungen „zu diesem Zeitpunkt“ nicht ergeben hätten, dass die sechs Männer von einem terroristischen Projekt wussten. Die Pnat hat ihre Anklage wegen Bandendiebstahls, Bandenhehlerei sowie krimineller und verbrecherischer Vereinigung sowie Untersuchungshaft beantragt.
- Hinweis der DGSI über einen möglichen islamistischen Anschlag auf eine Synagoge in Sarcelles; Auto mit Waffen in der Nähe eines Kinos, 500 Meter von einer Synagoge entfernt, gefunden; 300 Personen für Entschärfungseinsatz evakuiert
- Präsident der jüdischen Gemeinde Moïse Kahloun warnt davor, das Ereignis vorschnell mit einem antisemitischen Ziel in Verbindung zu bringen
- Sechs Männer dem Gericht in Paris vorgeführt; Pnat beantragt Anklage wegen organisierter Kriminalität und Untersuchungshaft; Ermittlungen zur terroristischen Dimension gegen unbekannte Personen fortgesetzt
Aufrufe zur Vorsicht bezüglich des Ziels
In den Tagen nach dem Fund drängten mehrere Quellen aus dem Ermittlungsumfeld zur Vorsicht hinsichtlich der Art des angeblichen Anschlagsplans. Eine Quelle teilte AFP mit, die Ermittler hätten lediglich „ein nettes kleines Team identifiziert, das in Waffenhandel und Fahrzeugdiebstahl verwickelt ist“ und dass „nichts sehr sicher“ sei, was das anvisierte Ziel betreffe.
Es wäre bedauerlich, dieses Ereignis vorschnell einem antisemitischen Ziel zuzuschreiben, wenn die Ermittlungen letztlich eine völlig andere Realität ergeben sollten.
Moïse Kahloun, Präsident der jüdischen Gemeinde von Sarcelles, betonte am 12. Juli, es gebe „zu diesem Zeitpunkt kein Element, das es erlaube, einen direkten Zusammenhang mit der jüdischen Gemeinde herzustellen.“ Er wies darauf hin, dass ein Kino evakuiert worden sei, nicht jedoch die Synagoge.
Laufende Ermittlungen
Mit der Eröffnung der gerichtlichen Untersuchung gab die Pnat an, dass die Ermittlungen gegen „unbekannte Personen wegen Straftaten terroristischer Natur“ fortgesetzt werden. Die Untersuchung zielt insbesondere darauf ab, „die Auftraggeber der Lieferung des Toyota-Fahrzeugs zu identifizieren“ und „das gemeldete Gewaltprojekt zu klären“. Die breitere Anti-Terror-Dimension des Falles bleibt offen.
