
Schweizer Inflation erreicht im September mit 1,0 % den höchsten Stand seit zwei Jahren, Ölpreise springen um 31,2 %
Die Jahresteuerung in der Schweiz ist im September 2026 auf 1,0 % gestiegen, getrieben von höheren Erdölkosten, während die Schweizerische Nationalbank ihren Leitzins unverändert bei 0,0 % beließ.
Inflation erreicht Zwei-Jahres-Hoch
Die Schweizer Jahresteuerung beschleunigte sich im September 2026 auf 1,0 %, nach 0,8 % im August. Das geht aus Daten hervor, die das Bundesamt für Statistik am Donnerstag veröffentlichte. Damit erreichte das Wachstum der Konsumentenpreise erstmals seit August 2024 wieder 1,0 %. Zu Jahresbeginn hatte die Jahresteuerung bei 0,1 % gelegen, danach bewegte sie sich zwischen 0,3 % und 0,6 %, bevor sie sich im Spätsommer beschleunigte. Der September-Wert traf exakt die Mitte der Erwartungen in einer AWP-Umfrage unter Ökonomen, in der die Prognosen auf Jahresbasis zwischen 0,7 % und 1,2 % und im Vergleich zum August zwischen -0,3 % und +0,2 % lagen. Auch mit dem Anstieg bleibt das Preiswachstum im Rahmen der nationalen Preisstabilität.
Energiekosten treiben die Divergenz zwischen den Sektoren
Angeführt wurde die Beschleunigung der Konsumentenpreise von Erdölprodukten, die im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Jahres 2025 um 31,2 % zulegten. Höhere Preise für Heizöl, Benzin und Diesel trieben die Gesamtimportpreise um 2,1 % im Jahresvergleich nach oben, während im Inland produzierte Waren um 0,7 % zulegten. Die Kerninflation, die frische und saisonale Waren, Energie und Motorentreibstoffe ausschließt, stieg moderater auf 0,5 % im September, nach 0,4 % im August. Im Monatsvergleich blieben die Konsumentenpreise unverändert, womit der Landesindex der Konsumentenpreise bei 101,5 Punkten lag. Monatliche Anstiege bei Heiz- und Fahrzeugtreibstoffen wurden durch Preissenkungen bei Dienstleistungen ausgeglichen, darunter internationale Pauschalreisen, Gastgewerbe, Autovermietung und Carsharing (minus 14,2 %) sowie Parahotellerie (minus 11,2 %).
- Erdölprodukte
- 31.2 %
- Importierte Waren
- 2.1 %
- Inländische Waren
- 0.7 %
- Kerninflation
- 0.5 %
- Parahotellerie
- -11.2 %
- Autovermietung und Carsharing
- -14.2 %
Nationalbank belässt die Zinsen bei null
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) betrachtet die aktuelle Teuerungsrate als vereinbar mit ihrem Mandat der Preisstabilität, das sie als Jahresteuerung zwischen 0 % und 2 % definiert. Unter dem Präsidenten des Direktoriums, Martin Schlegel, hielt die Notenbank ihren Leitzins in der vierteljährlichen geldpolitischen Lagebeurteilung in der Vorwoche bei 0,0 %. Der Entscheid war die fünfte aufeinanderfolgende Quartalsüberprüfung, in der die Kreditkosten unverändert blieben, nach sechs aufeinanderfolgenden Zinssenkungen zwischen 2024 und dem 19. Juni 2025. An einer Medienkonferenz in Bern bemerkte Schlegel, die Inflation in der Schweiz bleibe im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, in denen die Raten über 3 % lägen, relativ niedrig. Er fügte hinzu, die Notenbank erwarte, dass die Inflation im vierten Quartal leicht zunehme und im Verlauf des Jahres 2027 zurückgehe.
- Die Schweizer Jahresteuerung überschreitet letztmals 1,0 %, bevor eine längere Phase der Lockerung beginnt
- Die Schweizerische Nationalbank vollzieht ihre sechste Zinssenkung und senkt den Leitzins auf 0,0 %
- Die Jahresteuerung der Konsumentenpreise steigt nach Monaten zwischen 0,3 % und 0,6 % auf 0,8 %
- Die Jahresteuerung erreicht 1,0 %, getrieben von einem Anstieg der Preise für Erdölprodukte um 31,2 %
Prognosen und Kostendruck auf die Haushalte
Ökonomen rechnen damit, dass der Preisanstieg in den kommenden zwei Jahren gedämpft bleibt. Die SNB hat ihre Inflationsprognose für 2026 kürzlich von 0,6 % auf 0,7 % angehoben und ihre Prognose für 2027 von 0,6 % auf 0,8 % erhöht. Die Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich prognostizierte dagegen eine Teuerungsrate von 0,6 % für 2026 und 2027. Das Zürcher Institut bewertete in seiner Prognoseveröffentlichung die Auswirkungen steigender Ölkosten.
Steigende Energiepreise üben vorübergehend zusätzlichen Druck auf die Preise aus, doch die Zweitrundeneffekte sind bisher begrenzt geblieben.
Trotz der moderaten makroökonomischen Zahlen stehen die Schweizer Haushalte im Herbst vor steigenden Ausgaben, getrieben von höheren Krankenkassenprämien, anhaltenden Treibstoffkosten und stabilen Wohnkosten.

