
Die Schweiz wird bis 2027 Offline-Kartenzahlungen für Güter des Grundbedarfs ermöglichen
Die Schweizer Behörden, die Zentralbank und die Einzelhändler haben sich darauf geeinigt, bis Ende 2027 Offline-Debit- und Kreditkartenzahlungen einzuführen, um Transaktionen für Lebensmittel, Medikamente und Treibstoff bei Internetausfällen abzusichern.
Vereinbarung für Zahlungsresilienz
Das Schweizer Bundesamt, die Schweizerische Nationalbank, Geschäftsbanken und Vertreter des Einzelhandels haben einen landesweiten Rahmen vereinbart, um elektronische Kartenzahlungen bei Internetstörungen und Stromausfällen aufrechtzuerhalten. Bundesrat Guy Parmelin, SNB-Präsident Martin Schlegel und der Delegierte für wirtschaftliche Landesversorgung Roland Pfister stellten die Absichtserklärung am Montag in Bern vor. Debitkarten haben 2024 Bargeld und Zahlungs-Apps als häufigste Zahlungsmethode für tägliche Einkäufe in der Schweiz abgelöst, was eine wirtschaftliche Anfälligkeit bei Ausfällen von Kommunikationsnetzen schafft. Im Rahmen der freiwilligen Vereinbarung werden Unternehmen, die Güter des Grundbedarfs anbieten, ihre Zahlungsterminals auch bei Ausfall der digitalen Infrastruktur betriebsfähig halten. Die geschützten Sektoren umfassen Lebensmittelgeschäfte, Apotheken, Tankstellen und Ladestationen für Elektrofahrzeuge.
Technische Parameter und Einschränkungen
Wenn die Netzverbindung ausfällt, wechseln Zahlungsterminals automatisch in einen Offline-Modus, der Transaktionen lokal aufzeichnet. Sobald die Internetverbindung wiederhergestellt ist, übermittelt das Kartenlesegerät die gespeicherten Daten an die Finanznetzwerke zur Verarbeitung und Kontobelastung. Der Mechanismus funktioniert ausschließlich mit physischen inländischen Kredit- und Debitkarten und erfordert bei jeder Transaktion die Eingabe einer persönlichen Identifikationsnummer. Digitale Geldbörsen und mobile Optionen wie Twint, Apple Pay und Smartwatch-Systeme bleiben ohne aktive Datenverbindung funktionsunfähig. Zudem sind von ausländischen Bankinstituten ausgegebene Karten vom Offline-Protokoll ausgeschlossen.
Kartenlesegeräte benötigen eine durchgehende Stromversorgung, um Offline-Zahlungen auszuführen, und sind bei Ausfällen auf das Stromnetz, Akkupacks oder Notstromaggregate angewiesen. Bestehende Verbraucherkarten bleiben ohne Austausch gültig, doch Händler müssen ihre Point-of-Sale-Hardware umkonfigurieren. Offline-Transaktionen haben eingebaute finanzielle Obergrenzen, die sowohl einzelne Transaktionsbeträge als auch kumulative Transaktionsanzahlen beschränken. Die Terminals erreichen ihre Betriebsgrenzen nach etwa einer Woche ununterbrochener Offline-Aktivität. Teilnehmende Unternehmen tragen während dieser Intervalle das Kreditrisiko, da die Terminals keine Echtzeit-Kontostandsabfragen über die Banken durchführen können.
Zeitplan und europäischer Kontext
Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung berichtete, dass ein großer Teil des Lebensmitteleinzelhandels und fast alle inländischen Kartenherausgeber der Absichtserklärung beigetreten sind, und weitere Unternehmen können später unterzeichnen. Die Behörden planen eine schrittweise Umsetzung in den Handelsnetzwerken mit dem Ziel einer flächendeckenden Abdeckung bis Ende 2027.
- Debitkarten überholen Bargeld und mobile Apps als häufigste tägliche Zahlungsmethode in der Schweiz.
- Bundesbehörden, die SNB und Spitzenvertreter des Handels unterzeichnen Absichtserklärung in Bern.
- Landesweite Einführung von Offline-Kartenzahlungen in Geschäften des Grundbedarfs angestrebt.
Bundesbeamte betonten, dass der Offline-Rahmen eine zusätzliche Absicherung und kein Ersatz für Bargeld sei, und wiesen darauf hin, dass Geldautomaten bei technischen Ausfällen schnell ihre Bargeldbestände erschöpfen können. In einer Erklärung zu der Vereinbarung äußerte sich die Regierung zur Position der Schweiz in der regionalen Kontinuitätsplanung.
Die Schweiz ist das erste mitteleuropäische Land, das eine breit getragene Lösung zur Stärkung der Resilienz elektronischer Zahlungen einführt.
Schweden betreibt bereits ein aktives Offline-Kartenzahlungssystem für den Einzelhandel. Ähnliche Kontinuitätsrahmen werden in Nordeuropa entwickelt; Finnland, Norwegen und Estland bereiten derzeit vergleichbare nationale Modelle vor.


