Steinmeier ernennt Alexander Schweitzer zum Arbeitsminister nach Rücktritt von Bärbel Bas
Frank-Walter Steinmeier hat Alexander Schweitzer am Dienstag, dem 13. Oktober, die Ernennungsurkunde überreicht – einen Tag, nachdem Bärbel Bas als Ministerin und SPD-Vorsitzende zurückgetreten war. Kanzler Friedrich Merz will Renten- und Arbeitsmarktgesetze zügig ins Kabinett bringen, und die Nachfolge an der SPD-Spitze bleibt offen.
Steinmeier vollzieht die Ernennung
Am Dienstag, dem 13. Oktober 2026, überreichte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dem 53-jährigen SPD-Politiker Alexander Schweitzer in Berlin die Ernennungsurkunde zum Bundesminister für Arbeit. Zuvor hatte Steinmeier am selben Tag Bärbel Bas bei einem Gespräch im Gebäude die Entlassungsurkunde ausgehändigt; Bas trat nicht öffentlich in Erscheinung. Sie war am Montag, dem 12. Oktober, mit sofortiger Wirkung von ihren Ämtern als Ministerin und SPD-Vorsitzende zurückgetreten und hatte dabei Vorwürfe gegen die Union erhoben. Schweitzer, bisher Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, sagte, er habe einige Erfahrung in Koalitionen. Steinmeier betonte, jedes Regierungsamt bleibe besetzt, während die Öffentlichkeit weiterhin Verantwortung, Disziplin und Kompromissbereitschaft erwarte, und schloss mit einer kurzen Warnung:
Es steht viel auf dem Spiel.
- Koalitionsausschuss beschließt ein 34-Punkte-Programm für Wachstum und Beschäftigung
- Bärbel Bas tritt mit sofortiger Wirkung als Arbeitsministerin und SPD-Vorsitzende zurück
- Steinmeier ernennt Alexander Schweitzer in Berlin zum Arbeitsminister
- Schweitzer wird zu seiner ersten Kabinettssitzung erwartet
- Schweitzer soll seine Arbeit im Ministerium aufnehmen
Bas' Abgang und der Ton in Berlin
Steinmeier sagte, der Rücktritt sei teils auf einen Trauerfall in der Familie von Bas zurückzuführen, und nannte ein hohes Regierungsamt eine „Herkulesaufgabe“, die ein Schicksalsschlag einschränken könne. Er fügte hinzu, dem Debattenklima, auch in den sozialen Medien, fehle jeder Respekt. Kurt Beck, früherer SPD-Vorsitzender, sagte der Deutschen Presse-Agentur, Bas sei „sehr unfair“ behandelt worden, und der Druck auf sie nach dem Tod eines nahen Menschen sei hart gewesen. Beck sagte, der Umgang der Politiker miteinander in Berlin sei rauer geworden. Er traut Schweitzer zu, Kompromisse zu finden, wie er es in Rheinland-Pfalz getan habe, doch müssten auch die Koalitionspartner den Erfolg wollen. Beck glaubt, dass die Koalition noch handlungsfähig ist, sofern Reformen nicht durch schlechte Umsetzung verloren gehen.
Merz drängt auf schnelle Reformgesetze
Merz erhob seine Forderungen am Dienstag beim Deutschen Arbeitgebertag in Berlin, wo rund 400 Vertreter von Arbeitgeberverbänden zusammengekommen waren. Er forderte Schweitzer auf, vom ersten Tag an zu arbeiten. Schweitzer wird am Mittwoch, dem 14. Oktober, zu seiner ersten Kabinettssitzung erwartet und soll ab 11:00 Uhr im Ministerium arbeiten. Die Renten- und Arbeitsmarktgesetze wurden am 1. Juli vom Koalitionsausschuss im Rahmen eines 34-Punkte-Programms für Wachstum und Beschäftigung vereinbart, und Merz will sie so schnell wie möglich im Kabinett. Er will die Rentenakte zudem noch in diesem Jahr abschließen und vor der Kabinettsbefassung mit den Bundestagsfraktionen und den Bundesländern abstimmen. Merz sagte, der Zeitplan sei bereits zu lang:
Juli, August, September, Oktober. Das ist mir schon zu lang.
Offene Nachfolge an der SPD-Spitze
Wer Bas als SPD-Vorsitzende nachfolgt, bleibt unklar. Verteidigungsminister Boris Pistorius, dessen Beliebtheit oft angeführt wurde, sagte beim Arbeitgebertag, er werde definitiv nicht als Parteivorsitzender kandidieren, und sprach sich „sehr“ dafür aus, dass Lars Klingbeil erneut antritt. Klingbeil ist nun alleiniger Vorsitzender und hat angekündigt, dass die Parteiführung auf einem Parteitag um den Jahreswechsel neu gewählt wird; die Frankfurter Allgemeine erwartet den Parteitag im Januar. Beck will, dass ein Mann und eine Frau die Partei als Duo führen, und sagte, die kritische Abstimmung über Klingbeil bei der letzten Wahl solle nicht überbewertet werden. Die Frankfurter Allgemeine berichtet, Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, erscheine als einzige realistische Option, obwohl sie nicht gesagt habe, dass sie das Amt wolle, und mit Koalitionsgesprächen in ihrem Land beschäftigt sei. Hubertus Heil, der frühere Arbeitsminister, habe Ambitionen, aber ein schlechtes Verhältnis zu Klingbeil, heißt es in demselben Bericht.