
Gunther von Hagens, Erfinder der Plastination und Schöpfer von BODY WORLDS, stirbt mit 81 Jahren – sein Körper wird plastiniert
Der deutsche Anatom, der durch seine BODY WORLDS-Ausstellungen konservierte menschliche Körper einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machte, starb am 24. Juli. Seine Familie gibt an, dass sein eigener Körper der von ihm erfundenen Plastination unterzogen wird.
Tod und letzter Wunsch
Gunther von Hagens starb am 24. Juli 2026 im Alter von 81 Jahren. Er litt seit mehreren Jahren an der Parkinson-Krankheit und wurde einen Tag vor seinem Tod mit einer Hirnblutung in ein Heidelberger Krankenhaus eingeliefert. Die Familie und das Institut für Plastination gaben seinen Tod am 27. Juli bekannt. Von Hagens hatte öffentlich den Wunsch geäußert, nach seinem Tod plastiniert zu werden, und seine Familie bestätigte, dass sie diesem Wunsch nachkommen wird. Es bleibt unklar, ob ein Ganzkörperplastinat oder einzelne Exemplare angefertigt werden und ob sie öffentlich ausgestellt werden.
Gunther wollte den Menschen die Möglichkeit geben, unter die Haut zu schauen – nicht aus Sensationslust, sondern aus der tiefen Überzeugung, dass die Kenntnis des eigenen Körpers zu einem bewussteren, gesünderen und verantwortungsvolleren Leben beitragen kann.
Die Plastinationstechnik und BODY WORLDS
Von Hagens erfand die Plastination 1977 an der Universität Heidelberg. Das Verfahren ersetzt Wasser und Fett in biologischem Gewebe durch Polymere und schafft so haltbare, geruchlose Präparate, die ihre ursprüngliche Struktur behalten. In den 1990er Jahren gründete er das Institut für Plastination und startete die BODY WORLDS-Ausstellungen, die ganze menschliche Körper und einzelne Organe zeigen, die durch Plastination konserviert wurden. Die Körper sind in Alltagsszenen wie Badminton, Poker und Geschlechtsverkehr posiert. Laut Institut haben die Ausstellungen seit ihrer Premiere weltweit mehr als 58 Millionen Besucher angezogen. Die Ausstellungen touren weiterhin global; ein permanentes Museum ist in Berlin in Betrieb. Von Hagens' Ehefrau, Angelina Whalley, fungiert seit Beginn als Kuratorin und Kreativdirektorin von BODY WORLDS.
Mein Vater hat nie akzeptiert, dass Grenzen unverrückbar waren. Er hat die Anatomie aus der abgeschlossenen Welt der Spezialisten herausgeholt und in die Gesellschaft getragen. Sein Mut, seine Beharrlichkeit und sein unerschütterlicher Glaube daran, dass Bildung der Menschheit dient, werden uns weiterhin leiten.
Kontroverse und öffentliche Debatte
Die Ausstellungen stießen auf scharfe Kritik. Gegner argumentierten, dass die Zurschaustellung menschlicher Überreste in lebensechten Posen die Menschenwürde verletze. Der Berliner Bezirk Mitte versuchte, die Eröffnung eines permanenten BODY WORLDS-Museums am Alexanderplatz zu verhindern, mit der Begründung, die Plastinate seien weiterhin Leichen und müssten bestattet werden. Von Hagens und seine Unterstützer hielten dagegen, dass alle Präparate von Spendern stammten, die ausdrücklich der Verwendung ihrer Körper zu Bildungszwecken zugestimmt hätten. Trotz der Auseinandersetzungen setzten sich die Ausstellungen durch und wurden zu einem globalen Phänomen. Von Hagens wurde in der Presse oft als „Dr. Tod“ bezeichnet.
Er hat Millionen von Menschen gelehrt, ihren eigenen Körper mit anderen Augen zu sehen.
Biografischer Hintergrund
Gunther von Hagens wurde 1945 als Gunther Gerhard Liebchen in Alt-Skalden bei Posen, im heutigen Polen, geboren. Später nahm er den Nachnamen seiner ersten Frau an. 1965 begann er ein Medizinstudium in Jena, DDR. Nach Protesten gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings und einem Fluchtversuch in den Westen wurde er in Cottbus und Jena inhaftiert. 1970 kaufte die Bundesrepublik Deutschland seine Freiheit für 40.000 D-Mark. Er promovierte an der Universität Heidelberg und widmete sich ab den 1970er Jahren der Plastination. 2008 wurde bei ihm die Parkinson-Krankheit diagnostiziert, und er zog sich allmählich aus der Öffentlichkeit zurück, während die Ausstellungen unter Whalleys Leitung fortgeführt wurden.
- Geboren als Gunther Liebchen in der Nähe von Poznań, dem heutigen Polen.
- Beginnt das Medizinstudium in Jena, Ostdeutschland.
- Aus ostdeutschem Gefängnis freigekauft für 40.000 DM.
- Erfindet die Plastination an der Universität Heidelberg.
- Eröffnet die erste BODY WORLDS-Ausstellung.
- Diagnose Parkinson-Krankheit.
- Stirbt im Alter von 81 Jahren; sein Körper wird plastiniert.


