
Deutsche Polizei entschärft 21 Sprengsätze an Stromleitungen bei länderübergreifender Sabotageermittlung
Ermittler in Sachsen sicherten am Montag neun weitere selbstgebaute Sprengsätze nahe dem Umspannwerk Graustein, womit die Gesamtzahl im Bundesland auf 21 steigt, während eine bundesweite Fahndung nach einem 48-jährigen Verdächtigen läuft.
Entdeckung von Sprengsätzen in Sachsen
Polizei und Sprengstoffexperten in Sachsen haben neun weitere selbstgebaute Sprengsätze geborgen und entschärft, die an Hochspannungsleitungen südlich des Umspannwerks Graustein bei Schleife im Landkreis Görlitz platziert worden waren. Das Landeskriminalamt Sachsen und die Staatsanwaltschaft Dresden bestätigten am Montag, dass der Neufund die Gesamtzahl der im Bundesland gesicherten Sprengsätze auf 21 erhöht. Spezialisten des Landeskriminalamts entschärften alle neun Sprengsätze vor Ort. Ermittler hatten bereits am Samstag 12 Sprengsätze im Lausitzer Braunkohlerevier entlang der Grenze zu Brandenburg gefunden. Sicherheitskräfte waren ursprünglich am Freitag nach ersten Zeugenhinweisen zu den Umspannwerken Bärwald und Graustein ausgerückt und setzten die Suchaktionen bis Sonntag fort. Die Dresdner Staatsanwaltschaft erklärte, dass das Stromnetz keinen physischen Schaden erlitten habe und die Anwohner nicht in unmittelbarer Gefahr gewesen seien.
Diese sollten durch einen Kurzschluss Schäden an elektrischen Hochspannungsleitungen verursachen.
Koordinierte Netzsabotage in drei Bundesländern
Die Entdeckungen in Ostsachsen folgen auf eine Serie von Sabotageversuchen gegen die deutsche Strominfrastruktur, die am Dienstag der Vorwoche begann. Angreifer hatten Umspannwerke bei Jänschwalde in Brandenburg und Bergheim in Nordrhein-Westfalen ins Visier genommen, bevor Ermittler weitere verdächtige Vorrichtungen in Dormagen und Weisweiler entdeckten. Nach Erkenntnissen von Polizei und Netzbetreibern verwendeten die Täter spezielle Abschussvorrichtungen, um mit pyrotechnischen Geschossen leitfähiges Material in Freileitungen zu schießen und Kurzschlüsse auszulösen. Diese Detonationen erzwangen Schutzabschaltungen mehrerer Kraftwerksblöcke in Bergheim und Jänschwalde, wobei die regionale Stromversorgung insgesamt während der Vorfälle stabil blieb. Die Staatsanwaltschaften ermitteln in den betroffenen Regionen wegen verfassungsfeindlicher Sabotage, während die Behörden in Brandenburg ein Verfahren wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung eröffnet haben.
Bundesweite Fahndung nach 48-jährigem Verdächtigen
Die deutschen Strafverfolgungsbehörden führen eine intensive öffentliche Fahndung nach einem 48-jährigen Mann aus Nordrhein-Westfalen, der verdächtigt wird, die Sabotagekampagne in den drei Bundesländern orchestriert zu haben. Der Verdächtige bekannte sich in schriftlichen Geständnisbriefen zu mehreren der Angriffe und gab an, die Sabotage sei als Protest gegen die fossile Energieerzeugung und den Braunkohleabbau gedacht. Polizeibeamte durchsuchten am Freitag die Wohnung des Verdächtigen in der nordrhein-westfälischen Stadt Gevelsberg und stellten mutmaßliches Sprengmaterial sicher. Noch am selben Tag durchsuchte ein taktisches Sonderkommando einen zum Wohnmobil umgebauten Lkw in einem Wald bei Niederzier, etwa 100 Kilometer von Gevelsberg entfernt, konnte den Verdächtigen jedoch nicht aufspüren.
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Suchaktionen im Hambacher Forst
Bundes- und Landespolizei orteten das Wohnmobil des Verdächtigen am Freitag auf einem Parkplatz nahe dem Hambacher Forst im Westen Nordrhein-Westfalens. Am Sonntag führten Sicherheitskräfte eine großangelegte Suchaktion mit Drohnen über dem Waldgelände bei Köln durch, die jedoch ohne Erfolg blieb. Die Brandenburger Polizei gab anschließend eine Warnung heraus, dass der 48-jährige Verdächtige möglicherweise mit dem Fahrrad unterwegs sei. Die Zentrale Antiterrorismusstelle Sachsens bei der Staatsanwaltschaft Dresden, das Sächsische Landeskriminalamt und die Polizeidirektion Görlitz haben zwei Fotos des 48-Jährigen veröffentlicht und bitten weiterhin um sachdienliche Hinweise aus der Bevölkerung.


