Kurz gefasst
Die Agioi Fanendes hat am 22. Oktober in Primorsk Diesel geladen und wird laut Reuters am 7. November in den Vereinigten Staaten erwartet.
Kpler beziffert die Ladung auf knapp 300.000 Barrel, der Kreml nennt 40.000 Tonnen, und Bloomberg berichtet von fast 43.000 Tonnen schwefelarmen Dieselkraftstoffs.
Trump kündigte am 9. Oktober sofort mehr als 300.000 Tonnen an, für November 500.000 Tonnen und danach eine Million Tonnen; der Zeitplan für spätere Lieferungen ist weiterhin offen.
Die Vereinbarung wurde vor den Midterm-Wahlen am 3. November angekündigt, während Amerikaner über die Lebenshaltungskosten klagen und Trump argumentiert, die Lieferungen könnten die Kraftstoffpreise senken.
EU, Ukraine, Bundesregierung und Teile des US-Kongresses kritisierten den Deal, mit dem bestehende Sanktionen gegen Moskau vorübergehend ausgesetzt wurden.
- 23.10.Kpler-Daten zeigen den Tanker mit Ziel New York
- 3.11.Midterm-Wahlen in den USA
- 7.11.Laut Reuters wird der Tanker in den Vereinigten Staaten erwartet
Die erste Ladung
Die Agioi Fanendes, ein unter maltesischer Flagge fahrender Tanker, hat am 22. Oktober im russischen Ostseehafen Primorsk Diesel geladen und ist nun auf dem Weg nach New York. Daten des Schiffsverfolgungsdienstes Kpler beziffern die Ladung auf knapp 300.000 Barrel, der Kreml nannte 40.000 Tonnen. Bloomberg berichtete von einer Ladung von fast 43.000 Tonnen schwefelarmen Dieselkraftstoffs – die veröffentlichten Mengen stimmen also nicht überein. Reuters erwartet unter Berufung auf Navigationsdaten von LSEG, dass das Schiff die Vereinigten Staaten am 7. November erreicht. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte, weitere Lieferungen würden folgen.
Wie der Deal zustande kam
Trump hatte die Vereinbarung am 9. Oktober angekündigt und erklärt, Russland werde sofort mehr als 300.000 Tonnen Diesel in die USA und andere Märkte liefern. Für November stellte er 500.000 Tonnen in Aussicht, danach eine Million Tonnen – ob und wann diese späteren Lieferungen eintreffen, ist allerdings offen. Moskau lockerte teilweise seine eigenen Ausfuhrbeschränkungen und erlaubte den Verkauf von 500.000 Tonnen, nachdem es zuvor Beschränkungen verhängt hatte. Washington setzte im Rahmen der Vereinbarung bestehende Sanktionen gegen Moskau vorübergehend aus, und das Finanzministerium leitete Maßnahmen ein, um die Importe zu ermöglichen. Das Weiße Haus hat zudem damit gedroht, die US-Dieselexporte nach Europa zu begrenzen, sollten die europäischen Länder ihre Notreserven nicht zur Verfügung stellen. Putin verkündete den Start der Lieferung bei einem Treffen mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff in St. Petersburg, und Alexander Nowak, der für Energie zuständige stellvertretende Ministerpräsident, sagte, die volle Produktionsmenge werde erst gegen Ende des Jahres wieder erreicht.
- Sofortige Lieferungen
- 300000 Tonnen
- November
- 500000 Tonnen
- Spätere Phase
- 1000000 Tonnen
Daten aus dem Artikeltext
Warum Washington das unterstützte
Trump schloss den Deal vor den Midterm-Wahlen am 3. November, während die Amerikaner laut BFMTV ihrer Unzufriedenheit über die Lebenshaltungskosten Luft machen. Er argumentiert, russische Lieferungen könnten die Kraftstoffpreise senken, doch Kritiker bezweifeln, dass der Diesel die Kosten für amerikanische Verbraucher spürbar senken wird. Laut S&P Global sind die USA der weltgrößte Diesel-Exporteur, und ihre Raffinerien produzieren mehr Diesel, als der Binnenmarkt verbraucht. Die US-Ostküste einschließlich der Region New York verfügt laut EIA nicht über ausreichende Raffineriekapazitäten, um den eigenen Bedarf zu decken, und ist auf Raffinerien am Golf von Mexiko und ausländische Importe angewiesen. Die US-Exporte von Diesel und anderen Destillaten erreichten in der Woche zum 16. Oktober nach Angaben der EIA 1,51 Millionen Barrel pro Tag.
Kritik und der Streit um die Ukraine
Die Vereinbarung stieß laut dpa auf scharfe Kritik bei der Europäischen Union, der Ukraine, der Bundesregierung und Teilen des US-Kongresses. Moskau wertet den Deal angesichts der Versuche Kyjiws, Russland eine wichtige Einnahmequelle für seine Kriegsmaschinerie abzuschneiden, als Triumph. Kritiker sagen, die Verkäufe könnten Moskau zusätzliche Einnahmen verschaffen, die den Krieg in der Ukraine mitfinanzieren. Ukrainische Drohnen greifen regelmäßig russische Ölraffinerien an, was die Produktionskapazität begrenzt und Moskau zu Ausfuhrverboten für Benzin und Diesel veranlasst hat. Trump hat Kyjiw für die gestiegenen Kraftstoffpreise vor den Midterms im November verantwortlich gemacht und Wolodymyr Selenskyj vorgeworfen, kein Interesse an einer Beendigung des Krieges zu haben, und dessen Ablösung gefordert.