Regierung · Zürich und Bern
Ruag reicht Strafanzeigen ein und fordert 51 Millionen Euro von zehn Personen wegen Panzergeschäften
Der staatseigene Rüstungskonzern hat eine Untersuchung zu Panzerteile-Geschäften veröffentlicht, die schwerwiegende Pflichtverletzungen feststellte. Verteidigungsminister Martin Pfister hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die die Ergebnisse und die Aufsichtsrolle des Bundes bewerten soll.
KI-Text auf Grundlage von Berichten von 20 Minuten, Blick.ch, Neue Zürcher Zeitung und weiteren Medien. Veröffentlicht . So entsteht er
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Kurz gefasst
Ruag hat in der Schweiz Strafanzeigen eingereicht und fordert 51 Millionen Euro plus Zinsen von zehn Personen; alle Verfahren sind noch hängig.
Der Bericht beziffert die Verluste auf 46,9 Millionen Euro aus dem Weiterverkauf niederländischer Panzerteile unter Marktwert, dazu 4 Millionen Euro aus dem Verkauf von 22 Panzergetrieben.
Die Arbeitsgruppe Pfisters will die Ergebnisse in zwei bis drei Monaten dem Bundesrat vorlegen; die Ständeratskommission wird das Rüstungsunternehmensgesetz nicht vor Anfang 2027 beraten.
Der Verdacht konzentriert sich auf Leopard-2-Komponenten nicht zugelassener Hersteller, von denen einige Berichten zufolge eingebaut wurden; Ruag sieht kein Sicherheitsrisiko.
- Februar 2025Die Eidgenössische Finanzkontrolle macht zentrale Erkenntnisse öffentlich, während die Untersuchung noch läuft
- 30.10.Ruag veröffentlicht den NKF-Bericht; Strafanzeigen und Zivilforderungen sind eingereicht
- Anfang 2027Frühestmöglicher Zeitpunkt für die Beratung des revidierten Rüstungsunternehmensgesetzes durch die Ständeratskommission
Der NKF-Bericht
Am Freitag, 30. Oktober 2026, veröffentlichte der staatseigene Rüstungskonzern Ruag eine Untersuchung der Zürcher Anwaltskanzlei Niederer Kraft Frey (NKF). Die Kanzlei sichtete mehr als sechs Millionen Dokumente in der Schweiz und in Deutschland und stellte schwerwiegende Pflichtverletzungen sowie Hinweise auf mögliche strafbare Handlungen fest. Die Untersuchung war im August 2023 vom Ruag-Verwaltungsrat angeordnet worden, nachdem bei einem versuchten Weiterverkauf von 96 Leopard-1-Panzern, die das Unternehmen in Italien gekauft hatte, Unregelmäßigkeiten aufgetaucht waren. Die damalige Verteidigungsministerin Viola Amherd hatte bereits zu diesem Zeitpunkt eine externe Untersuchung gefordert. Den Erkenntnissen zufolge war der Panzerdeal kein Einzelfall; der Bericht umfasst den Zeitraum seit 2002.
Strafanzeigen und Forderungen
Ruag hat in der Schweiz mehrere Strafanzeigen wegen Verdachts auf ungetreue Geschäftsbesorgung, Urkundenfälschung und Verletzung von Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnissen eingereicht. Alle diese Verfahren sind noch hängig. Zudem macht das Unternehmen zivilrechtliche Forderungen von 51 Millionen Euro plus Zinsen gegen zehn Personen geltend. Der Bericht beziffert den Verlust aus dem Weiterverkauf niederländischer Panzerteile unter Marktwert auf 46,9 Millionen Euro, während der Verkauf von 22 Panzergetrieben an mit einem Mitarbeiter verbundene Firmen weitere 4 Millionen Euro Verlust verursachte.
- Weiterverkauf niederländischer Panzerteile unter Marktwert
- 46.9 Mio. Euro
- Verkauf von 22 Panzergetrieben an mit einem Mitarbeiter verbundene Firmen
- 4 Mio. Euro
Daten aus dem Artikeltext
Ruag hat im Zuge der Untersuchung auch Personal entlassen, machte aber keine Angaben zur Zahl der Betroffenen. Ein ehemaliger Ruag-Mitarbeiter wurde in Deutschland erstinstanzlich wegen Gewährung unzulässiger Vorteile verurteilt; das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig, weil die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt hat. Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) zählt 26 Betrugsfälle zum Nachteil von Ruag, und SRF berichtet, der mutmassliche Schaden belaufe sich auf mindestens 60 Millionen Schweizer Franken.
Die Reaktion des Bundes
Bundesrat und Verteidigungsminister Martin Pfister, Vorsteher des VBS, berief am Freitag eine Medienkonferenz ein. Er verurteilte die Pflichtverletzungen aufs Schärfste und erläuterte den Medien, warum die Angelegenheit für den Staat von Bedeutung ist.
„Die Vorfälle sind inakzeptabel und beschädigen das Vertrauen der Öffentlichkeit in das Unternehmen, das eine wichtige Rolle bei der Stärkung der Verteidigungsfähigkeit der Schweiz spielt.“
Die Arbeitsgruppe Pfisters wird den Bericht auswerten und die Verantwortlichkeiten der Führungsorgane von Ruag sowie die Rolle der Eigentümerin, des Bundes, der 100 Prozent des Unternehmens hält, prüfen. Die Gruppe wird zudem abklären, ob die eigenen Massnahmen von Ruag ausreichen, und die Zusammenarbeit mit der Schweizer Armee, dem Hauptkunden, genau unter die Lupe nehmen. Das VBS will die Ergebnisse in zwei bis drei Monaten dem Bundesrat vorlegen. Auf Antrag des VBS hat die Sicherheitspolitische Kommission des Ständerats zudem beschlossen, die Totalrevision des Rüstungsunternehmensgesetzes frühestens Anfang 2027 an die Hand zu nehmen.
Hintergrund und offene Fragen
Die EFK und die Geschäftsprüfungskommission des Ständerats hatten Ruag und das VBS beide kritisiert, und die EFK hatte bereits 2024 Unregelmäßigkeiten gemeldet. Im Februar 2025 machte die EFK zentrale Punkte des Falls öffentlich, während die Untersuchung von Niederer Kraft Frey noch lief. Der neue Bericht beschreibt eine «Business-First»-Kultur, in der Kontrollen ignoriert und Hinweise von Whistleblowern nicht ausreichend verfolgt wurden. Ein ehemaliger Mitarbeiter soll sensible technische Zeichnungen an Dritte weitergegeben haben, und der Verdacht konzentriert sich auf Leopard-2-Komponenten von nicht zugelassenen Herstellern, von denen einige Berichten zufolge eingebaut wurden.
Die Führung von Ruag erklärt, es bestehe kein Sicherheitsrisiko, und das Lager stehe still, während die Angelegenheit geprüft werde. Hinweise deuten zudem auf eine ehemalige südafrikanische Tochtergesellschaft von Nitrochemie, an der Ruag beteiligt war, die Geschäfte mit Ländern ermöglicht haben könnte, die von der Schweiz oder Deutschland aus nicht hätten genehmigt werden können. Verwaltungsratspräsident Jürg Rötheli, der seit fast zwei Jahren im Amt ist, beschrieb das Ziel des Unternehmens so.
„Die belastete Vergangenheit von Ruag umfassend und unabhängig aufzuarbeiten, war von Anfang an unser übergeordnetes Ziel.“
Ruag plant gestützt auf die aktuellen Erkenntnisse keine Haftungsansprüche gegen frühere Führungsorgane einschliesslich des Verwaltungsrats, schliesst solche aber nicht aus, sollten die Straf- und Zivilverfahren neue Erkenntnisse bringen.
Fragen zu diesem Text
Quellen und Kontext
- 20 MinutenRuag-Skandal um Panzer-Deals: Das sagt Bundesrat Martin Pfister zu den Vorfällen
- Blick.chNeuer Bericht zeigt: Bei der Ruag war alles noch schlimmer
- Neue Zürcher ZeitungRuag-Millionenskandal: Strafanzeigen und gravierende Pflichtverletzungen
- SRF NewsStrafanzeigen bei Ruag MRO - Millionenklage: Bundesrat Pfister informiert zum Ruag-Betrugsfall
- Martin Pfister
- Schweizer Bundesrat und Verteidigungsminister, Vorsteher des VBS und Leiter der Reaktion auf den Ruag-Bericht
- Viola Amherd
- Ehemalige Schweizer Verteidigungsministerin, die eine externe Untersuchung der Leopard-1-Geschäfte anordnete
- Orte
- Zürich, Schweiz, Bern, Deutschland
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