
Prix Renaudot hält trotz KI-Vorwürfen an Thélyson Orélien in der Neuner-Auswahl fest
Die Jury des Prix Renaudot hat am Mittwoch in ihrer zweiten Runde an Thélyson Oréliens Roman festgehalten und damit anders entschieden als die Akademien des Goncourt- und des Femina-Preises nach den Vorwürfen von Plagiat und KI-Nutzung.
Renaudot-Auswahl hält nach KI-Vorwürfen an Orélien fest
Am Mittwoch, dem 7. Oktober 2026, hat die Jury des Prix Renaudot ihre zweite Auswahl mit neun Romanen vorgestellt und dabei an dem kanadisch-haitianischen Autor Thélyson Orélien und seinem Werk "C'était ça ou mourir" festgehalten. Der bei Grasset erschienene Roman blieb auf der Liste, obwohl nach der Verleihung des Prix du roman Fnac am 21. September 2026 Vorwürfe des Plagiats und der Nutzung künstlicher Intelligenz aufgekommen waren. Die Jury, die im Pariser Restaurant Drouant tagte, wird in diesem Jahr von Frédéric Beigbeder geleitet und umfasst zehn Mitglieder, darunter Jean-Marie Gustave Le Clézio, Dominique Bona und Patrick Besson. Das Renaudot-Gremium reduzierte seine am 3. September 2026 bekannt gegebene erste Auswahl von 17 Romanen auf neun Anwärter vor der für den 3. November 2026 geplanten endgültigen Preisvergabe. Im vergangenen Jahr ging der Prix Renaudot 2025 an Adélaïde de Clermont-Tonnerre für ihren ebenfalls bei Grasset erschienenen Roman "Je voulais vivre", der sich mit Milady, einer Figur von Alexandre Dumas, befasste.
- Die Renaudot-Jury gibt die erste Auswahl mit 17 Romanen bekannt
- Nach dem Prix du roman Fnac kommen Plagiats- und KI-Vorwürfe auf
- Die Femina-Jury streicht Orélien und kürzt die französische Romanliste auf 10
- Die Renaudot-Jury behält Orélien in ihrer zweiten Auswahl mit neun Romanen
- Die Femina-Jury soll ihre dritte Auswahl vorstellen
- Der Prix Décembre wird an eine von drei Finalistinnen verliehen
- Der Gewinner des Prix Renaudot wird im Drouant bekannt gegeben
- Die Gewinner des Prix Femina werden verkündet
Vollständige Roman- und Essay-Auswahl für den Preis 2026
Die neun Romane, die im Renaudot-Wettbewerb 2026 weiterkommen, stehen für eine Bandbreite französischer Verlage. Neben Orélien wurden Boris Bergmann für "Minotaure" bei Albin Michel, Jean-Marie Blas de Roblès für "Cipango" bei Zulma und Hemley Boum für "Nos vies sauvages" bei Gallimard ausgewählt. Gallimard sicherte sich mit François-Henri Désérables "Le Palais" einen zweiten Platz, während Stock durch David Djaïz' "La méthode" und Philippe Rey durch Osvalde Lewats "Un corps indocile" vertreten sind. Die letzten beiden Romane auf der Liste sind Anne Percins "Eugénie sous les bombes" aus dem Verlag Buchet Chastel und Marie Petitcuénots "Heures sauvages" aus dem Verlag Héloïse d'Ormesson. Zusätzlich zur Romanauswahl gab die Jury eine Auswahl von sechs Essays bekannt. Dazu gehören Jean-Paul Enthovens "Dictionnaire amoureux du bonheur" bei Plon, Luz' "Un diamant dans les gravats" bei Stock, Louis Michauds "Mon ami Curnonsky" bei Le Rocher, Christophe Ono-dit-Biots "L'Odyssée de l'Odyssée" bei Grasset, Olivier Rolins "La Guerre éternelle" bei Gallimard und Joy Sormans "La vie brute" bei Flammarion.
- Renaudot erste Romanliste
- 17 Titel
- Femina erste französische Liste
- 17 Titel
- Femina erste ausländische Liste
- 16 Titel
- Femina neue Essayliste
- 12 Titel
- Femina zweite französische Liste
- 10 Titel
- Femina zweite ausländische Liste
- 10 Titel
- Renaudot zweite Romanliste
- 9 Titel
- Renaudot zweite Essayliste
- 6 Titel
Abweichung von den Ausschlüssen bei Goncourt und Femina
Die Entscheidung der Renaudot-Jury unterscheidet sich von den Beschlüssen anderer französischer Herbstjurys für Literatur. Die Akademie des Prix Goncourt nahm "C'était ça ou mourir" unmittelbar nach dem Aufkommen der Verdachtsmomente aus dem Rennen und wartete damit nicht auf ihre planmäßige zweite Auswahl. Die Goncourt-Juroren verwiesen auf besondere Bedenken wegen des Prix Goncourt des lycéens, für den Oréliens Buch als aussichtsreicher Anwärter gegolten hatte. Am Dienstag, dem 6. Oktober 2026, schloss auch die Jury des Prix Femina Orélien aus, als sie ihre französische Romanauswahl von 17 auf 10 Titel reduzierte. Die Streichungen bei Femina betrafen zudem die Autorinnen und Autoren Nina Bouraoui, Jean-Baptiste Del Amo, Julia Kerninon, Maxim Schwartz, Jean-Noël Orengo und Anne Godard, wobei Godard weiterhin für den Goncourt im Rennen bleibt. Nach den Ausschlüssen hat Grasset weder in der französischen noch in der ausländischen Romankategorie des Femina-Preises noch einen Titel im Rennen, während Orélien weiterhin für den Renaudot und den Prix Médicis im Gespräch ist.
Vorwürfe, Reaktionen des Verlags und Kalender
Die Kontroverse um Orélien begann nach seinem ersten Erfolg während der herbstlichen rentrée littéraire, als Vorwürfe die Urheberschaft von "C'était ça ou mourir" infrage stellten und auf eine mögliche Nutzung von Werkzeugen künstlicher Intelligenz verwiesen. In Kanada kamen separate Plagiatsvorwürfe auf, die sich auf frühere Artikel und Gedichte des Autors konzentrierten. Nach diesen Behauptungen setzte Oréliens kanadischer Verlag Éditions du Boréal sämtliche Werbemaßnahmen für das Buch aus, und der Autor kehrte nach Kanada zurück. Trotz der Kontroverse haben französische Buchhandlungen den Band weiterhin ausgestellt und verkauft, mit anhaltend starken Absatzzahlen. Der französische Literaturkalender des Herbstes geht weiter mit der Verleihung des Prix Décembre am 27. Oktober, bei der die Finalisten Anne Godard, Daria Marx und Lucie Rico antreten, gefolgt von der dritten Auswahl des Femina am 23. Oktober und dessen endgültigen Preisvergaben am 4. November, einen Tag nach der Bekanntgabe des Renaudot.


