
Arbeitsgericht Rom weist Ranuccis Antrag auf Rückkehr zu Rais Report zurück
Ein Gericht in Rom hat es abgelehnt, Sigfrido Ranucci als Moderator des Investigativmagazins Report auf Rai 3 wieder einzusetzen. Die Sendung kehrt am 8. November mit neuen Moderatoren zurück. Die Richterin sah in der Umstrukturierung der Rai-Redaktion keine politische Entscheidung.
Die Entscheidung
Das Arbeitsgericht Rom hat den Eilantrag von Sigfrido Ranucci zurückgewiesen, der seine Wiedereinsetzung als Moderator von Report, dem Investigativmagazin von Rai 3, erreichen wollte. Richterin Donatella Casari entschied rund 14 Tage nach der Anhörung; die Verfügung umfasst mehr als 30 Seiten. Rai hatte Ranucci am 28. August den Moderationsplatz und die Rolle des Chefredakteurs entzogen. Vor dem Gang zum Gericht hatte Ranucci drei Angebote des Senders abgelehnt: stellvertretender Redaktionsleiter bei Tg3 oder Rainews oder das Korrespondentenbüro in Kairo. Fanpage berichtete, es bleibe keine Zeit mehr, ihn vor der Rückkehr der Sendung am 8. November wieder einzusetzen.
- Bombenattentat vor Ranuccis Haus in Campo Ascolano, Pomezia
- Rai entfernt Ranucci von Report
- Rai kündigt zehntägige Suspendierung für Ranucci an
- Arbeitsgericht Rom weist Eilantrag auf Wiedereinsetzung zurück
- Neue Staffel von Report soll starten
Die Begründung der Richterin
Die Verfügung führt aus, Rais Entscheidung zur Neuorganisation der Redaktion mit einem Wechsel von Autor und Moderator erscheine bei summarischer Prüfung losgelöst von dem Disziplinarverfahren gegen Ranucci. Richterin Casari schrieb:
Die Entscheidung von Rai, eine Neuorganisation der Redaktion mit einem Wechsel von Autor und Moderator vorzunehmen, erscheint bei summarischer Prüfung und hinsichtlich der vorgebrachten Punkte losgelöst von dem parallelen Disziplinarverfahren und wurde als Mittel zur Lösung der intern entstandenen Spannungen unter den Mitgliedern der Redaktion getroffen, und als solches als Instrument zum Schutz des reibungslosen Arbeitens der Belegschaft im Einklang mit dem Gesetz.
Die Verfügung hält fest, dass die mediale Aufmerksamkeit für die Ermittlungen zum Attentat in der Redaktion Spannungen erzeugt hatte und mehrere Redakteure ihr Unbehagen gegenüber Ranucci und, unter Umgehung seiner Person, gegenüber seinem Vorgesetzten geäußert hatten. Rais angegebene Begründung war das Unbehagen in der Report-Redaktion, das durch das Medienecho rund um die Ermittlungen zum Attentat entstanden sei. Ranuccis Anwälte hatten argumentiert, die Abberufung sei nicht durch konkrete Tatsachen gestützt und Ausdruck politischer Diskriminierung – ein Vorwurf, den die Richterin nicht akzeptierte.
Das Attentat und die Suspendierung
Im Oktober 2025 explodierte eine Bombe vor Ranuccis Haus in Campo Ascolano in Pomezia. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Rom soll das Attentat von Valter Lavitola gewollt gewesen sein, der als enger Freund Ranuccis beschrieben wird; Rai News zufolge hat Lavitola gestanden, der Anstifter zu sein. Die Staatsanwaltschaft entscheidet noch, wann Ranucci als Person, die von den Tatsachen Kenntnis hat, vorgeladen wird. Am Montag, dem 5. Oktober, kündigte Rai eine zehntägige Suspendierung vom Dienst und von der Bezahlung für Ranucci an und verwies auf Firmen-E-Mails, die an Lavitola weitergeleitet worden seien, sowie auf die Herabwürdigung einiger Kollegen. Bei der Veranstaltung Censura di Stato, organisiert von AntimafiaDuemila im Teatro Italia in Rom, reagierte Ranucci:
Alle Kämpfe, die ich in meinem Leben geführt habe und die mir 247 Klagen, eine Bombe, eine Suspendierung und eine Kürzung meines Gehalts eingebracht haben, finden ihre Belohnung nur in der Zuneigung der Menschen. Sie alle haben es gesehen: Für mich bedeutet das, dass ich das Richtige getan habe, und das genügt mir.
Reaktionen
Ranucci sagte, er respektiere die Entscheidung, kritisierte sie aber verdeckt. Gegenüber ANSA erklärte er:
Dass ich die Entscheidung der Richterin respektiere, ist selbstverständlich: Ich habe immer für die Unabhängigkeit der Justiz gekämpft, und für einen solchen Wert zu kämpfen bedeutet nicht, das Hemd auszuziehen, wenn es passt, und es wieder anzuziehen, wenn nötig. Also nehmen wir es zur Kenntnis: Es ist eine Entscheidung, die die Auffassung übernommen hat, dass medialer Lärm dazu führen kann, einen Moderator durch ein Redaktionsteam zu ersetzen, das unter Druck stand, und dass es folglich keinen Beweis dafür gibt, dass Rai-Führungskräfte direkt von der Politik beeinflusst wurden. Ich akzeptiere diese Entscheidung gelassen.
Seine Anwälte Franco Focareta, Franco Scarpelli, Stefano Rossi und Roberto De Vita erklärten, sie nähmen die Entscheidung zur Kenntnis, teilten sie aber nicht, und der Fall werfe zentrale Fragen zu Organisationsmacht, beruflicher Autonomie und Informationsfreiheit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf. Sie würden die Entscheidung und weitere Schritte an den geeigneten Stellen prüfen. De Vita hatte zuvor gesagt, der Eilantrag habe das Gericht auffordern sollen, die Maßnahme für rechtswidrig zu erklären und Ranuccis sofortige Wiedereinsetzung anzuordnen. Corsini, Rais Leiter des aktuellen Programms, soll in den Stunden vor der Entscheidung auf ein negatives Ergebnis gehofft haben.
Wie es weitergeht
Ranucci wird vorerst nicht zu Report zurückkehren. AGI berichtet, dass die neue Staffel der Sendung am 8. November mit Claudia Di Pasquale und Daniele Piervincenzi als Moderatoren startet. Das Hauptsacheverfahren läuft weiter, und Ranuccis Anwälte können die Verfügung anfechten.


