
Deutschland stationiert Radar und plant Drohnenabwehrzentrum nach Sprengstoff-Drohnenfund am Flughafen Leipzig
Eine mit Sprengstoff bestückte Drohne, die nahe ukrainischer Frachtmaschinen am Flughafen Leipzig/Halle entdeckt wurde, hat neue Radaranlagen, eine Bundesermittlung und die Planung eines nationalen Forschungszentrums für Drohnensicherheit ausgelöst, das am 18. August eröffnet werden soll.
Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig entdeckt
Am späten Abend des Dienstags, 4. August 2026, wurde eine mit Sprengstoff und Zünder bestückte Drohne nahe ukrainischer Frachtflugzeuge am Flughafen Leipzig/Halle entdeckt. Ein Mitarbeiter des Flughafens brachte die Drohne zu Boden. Kurz nach der Sperrung des Bereichs kollidierte ein startendes Flugzeug mit einem unbekannten kleineren Flugobjekt, möglicherweise einer zweiten Drohne. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen aufgrund der besonderen Bedeutung des Falles übernommen.
Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) bezeichnete den Vorfall als „hybrides Angriffsszenario“ und schloss ausländische Mächte als Täter nicht aus. Er sagte der Bild am Sonntag, Deutschland sei täglich Ziel hybrider Kriegsführung, und nannte Spionage, Sabotage, Cyberangriffe und verdeckte Operationen, die auf eine Destabilisierung des Landes abzielten.
Wir befinden uns nicht im Krieg, aber wir sind täglich Ziel hybrider Kriegsführung.
- Drohne mit Sprengstoff und Zünder nahe ukrainischer Frachtmaschinen am Flughafen Leipzig/Halle entdeckt; Mitarbeiter bringt sie zu Boden
- Ein während der Sperrung startendes Flugzeug kollidiert mit einem unbekannten kleineren Flugobjekt, möglicherweise einer zweiten Drohne
- Zwei Drohnen über Bundeswehrstandort Mechernich, Nordrhein-Westfalen, gesichtet
- Neue Forschungseinrichtung für Drohnensicherheit am DLR-Testflughafen in Cochstedt, Sachsen-Anhalt, soll eröffnen
US-Geheimdienste deuten auf Russland
US-Medien haben die Leipziger Drohne mit Russland in Verbindung gebracht. Das Wall Street Journal schrieb unter Berufung auf US-Beamte, die mit Geheimdienstberichten vertraut seien, die mit Sprengstoff beladene Drohne gehöre wahrscheinlich der russischen Regierung. CNN zitierte einen US-Verteidigungsbeamten in Europa, der sagte, die Vereinigten Staaten seien zu dem Schluss gekommen, dass die Drohne von einem russischen Geheimdienst stamme. Russland hat die Verantwortung für den Vorfall in Leipzig zurückgewiesen, ebenso wie es zuvor die Verantwortung für Drohnensichtungen an deutschen Flughäfen im vergangenen Jahr zurückgewiesen hatte. Dobrindt hat sich bislang nicht dazu geäußert, ob die Drohne aus Russland stammte.
Neues Radar in Leipzig installiert
Die Polizei hat auf der Besucherplattform des alten Towers am Flughafen Leipzig einen speziellen Beobachtungsposten mit einem Radarsystem eingerichtet. Laut Tag24 handelt es sich um ein EchoShield-Radar, das dazu dient, eingehende Drohnen auf größere Entfernungen zu erkennen und ihre Flugbahnen zu verfolgen. Die Bundespolizei hat technische Details aus operativen Gründen vertraulich behandelt. Die vorhandenen Drohnenabwehrsensoren am Flughafen hatten das verdächtige Fluggerät angeblich nicht registriert, bevor es gefunden wurde, und die neue Installation soll diese Lücke schließen. Die erhöhte Position auf dem alten Tower verschafft dem Radar eine freie Sichtlinie über das weitläufige Flughafengelände.
Neues Forschungszentrum und breitere Drohnenabwehr
Dobrindt und Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) planen die Einrichtung einer neuen Forschungseinrichtung für Drohnensicherheit am 18. August auf dem DLR-Testflughafen in Cochstedt, Sachsen-Anhalt. Das Zentrum, das gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betrieben wird, soll innovative Drohnen-Sicherheitstechnologien in realen Laboren entwickeln und testen.
Das Wettrüsten in der Drohnentechnologie erfordert spezielle Forschungseinheiten, um Schritt zu halten.
Die Bundeswehr bestätigte einen weiteren Drohnenvorfall: Das Sicherheitszentrum am Bundeswehrstandort Mechernich in Nordrhein-Westfalen meldete in der Nacht zum Freitag, 7. August, die Sichtung zweier Drohnen. Dobrindt und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) haben der Drohnenabwehr seit langem hohe Priorität eingeräumt. Bund und Länder haben in Berlin ein Gemeinsames Drohnenabwehrzentrum (GDAZ) eingerichtet, und Bayern betreibt ein Drohnen-Kompetenz- und Abwehrzentrum (DKAZ) nahe dem Flughafen München.
BSW warnt vor voreiligen Schlüssen
Die BSW-Fraktion im Sächsischen Landtag hat davor gewarnt, vorschnell Schuld zuzuweisen. Der Innenpolitiker Bernd Rudolph sagte, ein staatlicher Hintergrund erscheine angesichts des Ukraine-Krieges plausibel, betonte jedoch, dass Spekulationen Ermittlungsergebnisse nicht ersetzen könnten. Das BSW erklärte, Russland sollte nicht ohne Beweise als Täter benannt werden, und die Möglichkeit einer gezielten Provokation, einer sogenannten False-Flag-Operation, müsse ebenfalls geprüft werden.
Wir müssen wissen, wer hinter diesem Vorfall steckt, welches Ziel verfolgt wurde und vor allem, wie eine solche Drohne überhaupt in diesen hochsensiblen Bereich gelangen konnte.
Rudolph wies auch auf die Doppelnutzung des Flughafens für zivile und militärische Transporte hin, die zusätzliche Risiken berge, die offen diskutiert werden müssten. Die kürzlich erweiterten polizeilichen Befugnisse zur Drohnenabwehr müssten nun mit Technik, Ausbildung und klaren Einsatzkonzepten hinterlegt werden.


