
Spanien setzt Italien Ultimatum bis zum 9. August: Grenzkontrollen beenden oder angemessene Gegenmaßnahmen
Madrid fordert Rom auf, die am 1. August verhängte Schengen-Aussetzung bis Sonntag aufzuheben, andernfalls drohen angemessene Gegenmaßnahmen. Damit verschärft sich ein Streit, der durch die Ankunft von Zehntausenden Migranten in Ceuta ausgelöst wurde.
Spaniens Ultimatum
Die spanische Regierung setzte Italien am Freitag eine Frist bis zum 9. August, um die selektiven Grenzkontrollen zu beenden, die es am 1. August für Flug- und Seereisende aus Spanien wieder eingeführt hatte. In einer offiziellen Erklärung nach einer Videokonferenz unter Vorsitz von Premierminister Pedro Sánchez warnte Madrid, es werde „angemessene“ Gegenmaßnahmen ergreifen, falls Rom nicht nachkomme. Spanien bezeichnete Italiens Entscheidung als „ungerecht, gegen die Interessen der EU gerichtet und diskriminierend gegenüber der spanischen Bevölkerung“, die „ohne vorherige Ankündigung, einseitig und aus fadenscheinigen Gründen getroffen wurde, die weder dem Schengener Grenzkodex noch der Wahrheit entsprechen“. Die spanische Regierung forderte Rom auf, dies zu „korrigieren“ und Spanier wie die übrigen europäischen Bürger zu behandeln. Außenminister José Manuel Albares hatte in den vorangegangenen Tagen schärfere Kritik an Italien geübt.
Italiens Rechtfertigung
Italien setzte seine Schengen-Vereinbarungen mit Spanien nach der Ankunft von Zehntausenden Migranten in der spanischen nordafrikanischen Exklave Ceuta in der vergangenen Woche aus. Die Kontrollen, die zunächst für einen Monat angesetzt sind, richten sich gegen Drittstaatsangehörige, die aus Spanien anreisen, um zu überprüfen, ob sie über die erforderlichen Dokumente für Reisen im Schengen-Raum verfügen. Da es keine direkte Landgrenze zwischen Italien und Spanien gibt, betreffen die Maßnahmen nur Flug- und Seeverbindungen, darunter Flüge von Madrid, Barcelona, Ibiza und Valencia sowie Fähren aus Katalonien. Italien koordinierte sich zudem mit Frankreich für verstärkte gemeinsame Kontrollen entlang der italienisch-französischen Grenze bei Ventimiglia, dem Frejus-Tunnel und dem Mont Blanc. Der italienische Innenminister Matteo Piantedosi verteidigte den Schritt während einer Notfall-Videokonferenz der EU-Minister in dieser Woche.
Es ist eine vorsorgliche und organisatorische Entscheidung, die darauf abzielt, die nationale Sicherheit und die Integrität des gesamten europäischen Kontrollsystems in einer Zeit erheblicher Belastung zu gewährleisten, wie es in vielen anderen Fällen geschehen ist.
Er fügte hinzu, die Maßnahme sei „in keiner Weise eine gegen Spanien oder einen anderen Partner gerichtete Maßnahme“ und drückte Italiens „aufrichtige Solidarität“ mit Spanien in der Ceuta-Krise aus.
- Massenankunft von Migranten in Ceuta (in Quellen als 'letzter Donnerstag' bezeichnet)
- Italien setzt Schengen mit Spanien aus, führt für einen Monat Luft- und Seegrenzkontrollen wieder ein
- Spanien setzt Italien Frist bis zum 9. August zur Aufhebung der Grenzkontrollen, droht mit angemessenen Gegenmaßnahmen
- Frist läuft ab; Spanien droht mit angemessenen Gegenmaßnahmen, falls Kontrollen bestehen bleiben
Die Ceuta-Krise
Zwischen 70.000 und 72.000 Migranten gelangten laut unterschiedlichen spanischen und italienischen Medienberichten innerhalb weniger Tage in der vergangenen Woche nach Ceuta. Spanische Beamte betonten, dass Ceuta einen Sonderstatus habe und der Eintritt in die Exklave nicht automatisch Zugang zum Schengen-Raum gewähre. Die meisten Migranten seien inzwischen nach Marokko zurückgekehrt. Der Massenzustrom wurde Berichten zufolge durch Fake News in sozialen Medien ausgelöst, die behaupteten, die spanischen Grenzen seien vollständig geöffnet; ähnliche Falschmeldungen tauchen nun um den 15. August wieder auf. Laut Fanpage starben 141 Menschen beim Versuch, die Grenze zu überqueren. Die spanische Polizei gab zudem die Zerschlagung eines der größten Schleusernetzwerke im Mittelmeer bekannt, bei der 78 Personen festgenommen und 18 Schnellboote beschlagnahmt wurden.
- Registrierte unbegleitete Minderjährige
- 528
- Identifizierte Minderjährige
- 1017
- Festnahmen im Schleusernetzwerk
- 78
- Beschlagnahmte Schiffe
- 18
Spaniens Gegenargumente
Madrid argumentierte, die italienischen Kontrollen hätten die Mobilität von „Tausenden Passagieren“ beeinträchtigt und „Rechtsunsicherheit mitten in der Sommersaison“ geschaffen, und bezeichnete die Maßnahme als ohne jüngeres Beispiel. Spanien wies zudem auf Frontex-Daten hin, wonach Italien in den letzten Jahren die höchste Zahl irregulärer Grenzübertritte unter den EU-Mitgliedstaaten verzeichnet habe, mit doppelt so hohen Zahlen wie Spanien. Seit 2022, so der Vorwurf Spaniens, habe Italien die Dublin-Verordnung nicht eingehalten und dadurch zusätzlichen Migrationsdruck auf andere Mitgliedstaaten ausgeübt. Trotzdem habe Spanien nie Grenzkontrollen gegen Italien eingeführt und Solidarität gezeigt, indem es 2023 auf Lampedusa angekommene Migranten aufnahm und wiederholt seine Häfen für auf der zentralen Mittelmeerroute gerettete Migranten öffnete. Madrid schlussfolgerte, dass Regierungen das Verständnis zwischen Ländern fördern sollten, anstatt Spaltungen und sterile Konflikte zu schaffen, die von innenpolitischen Wahlmotiven angeheizt werden.
Minderjährige und aktuelle Lage
Dutzende unbegleitete Minderjährige, die in der vergangenen Woche illegal nach Ceuta eingereist waren, begannen, sich auf örtlichen Polizeistationen zur Identifizierung zu melden. Offiziell waren 528 unbegleitete Minderjährige registriert, aber viele hatten Aufnahmezentren aus Angst vor einer Rückführung gemieden. Nachdem sich die Nachricht verbreitete, dass eine Identifizierung erforderlich sei, um unter den Schutz der Autonomen Stadt gestellt zu werden, stieg die Zahl der identifizierten Minderjährigen bis zum 7. August auf 1.017 und sollte weiter steigen. In der Zwischenzeit barg die spanische Guardia Civil die Leiche eines jungen subsaharischen Migranten, der ins Meer stürzte, als er versuchte, mit einem von den Bergen von Benzú gestarteten Gleitschirm nach Ceuta zu gelangen.

