KI-generiert·Mehr erfahren
© Deutsche Welle
Kunst & Bücher·vor 3 Std.

Frankreich verurteilt sechs Georgier wegen Diebstahls seltener Puschkin-Ausgaben aus Pariser und Lyoner Bibliotheken zu bis zu sieben Jahren Haft

Ein Pariser Gericht verurteilte in der Nacht sechs georgische Staatsangehörige zu Haftstrafen von bis zu sieben Jahren und schloss damit ein Kapitel eines ausgeklügelten Plans, seltene russische Literaturausgaben des 19. Jahrhunderts aus französischen Bibliotheken zu stehlen.

Gerichtsurteil

Sechs georgische Staatsangehörige – fünf Männer und eine Frau – wurden in der Nacht vom 12. auf den 13. Juni 2026 in Paris wegen des Diebstahls seltener Werke russischer Autoren, darunter Alexander Puschkin, aus renommierten französischen Bibliotheken verurteilt. Die Strafen reichen von 18 Monaten auf Bewährung bis zu sieben Jahren Haft. Mikheil Zamtaradze (in den französischen Verfahren als Mikheïl Z. bezeichnet), 50 Jahre alt, erhielt die schwerste Strafe: sieben Jahre Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung und ein lebenslanges Einreiseverbot nach Frankreich. Er verbüßte bereits eine dreijährige und viermonatige Haftstrafe in Litauen wegen des Diebstahls von Publikationen des 19. Jahrhunderts im Wert von 606.000 Euro. Beka Tsirekidze (Beqa T.), 49, erhielt vier weitere Jahre zusätzlich zu einer 3,5-jährigen Haftstrafe, die er in Estland verbüßt. Zwei weitere Angeklagte wurden in Abwesenheit verurteilt und zu jeweils sechs Jahren Haft verurteilt; sie wurden in Georgien festgenommen, das seine Bürger nicht ausliefert, und verbüßen dort bereits fünfjährige Haftstrafen.

Die Operation im Detail

Die Diebstähle ereigneten sich 2023 in drei französischen Bibliotheken: der Diderot-Bibliothek der École Normale Supérieure in Lyon, der Bibliothèque nationale de France (BnF) in Paris und der Bibliothèque universitaire des langues et civilisations (Bulac) in Paris. Allein in der BnF wurden sechs Ausgaben von Puschkin, zwei von Michail Lermontow und eine von Jewgeni Baratynski gestohlen, der Schaden wird auf 770.000 Euro geschätzt. Die Diebe verwendeten eine ausgeklügelte Methode: Sie besuchten Bibliotheken, um seltene Bücher zu fotografieren und zu vermessen, und kehrten später mit hochwertigen Faksimiles zurück, um die Originale auszutauschen. Mikheïl Z. erschien etwa vierzig Mal in der BnF und gab vor, über Demokratie in der russischen Literatur zu forschen.

Puschkins Originalwerke sind in Russland nationale Relikte. Ein Buch von Puschkin in Russland zu besitzen bedeutet, ein Stück nationaler Identität zu besitzen.

Pariser Staatsanwalt

Ein europäisches Netzwerk

Der französische Fall ist Teil eines größeren Musters. Ähnliche Diebstähle seltener russischer Ausgaben wurden zwischen 2022 und 2024 in Polen, Deutschland, der Schweiz und der Tschechischen Republik verzeichnet. Ein gemeinsames Ermittlungsteam unter der Leitung von Europol und Eurojust führte im April 2024 zu mehreren Festnahmen. Der Gesamtwert der gestohlenen Bücher in ganz Europa beläuft sich auf mehrere Millionen Euro und umfasst Werke von Puschkin, Nikolai Gogol und Lermontow. Der Staatsanwalt bezeichnete die Operation als „wahren Schatzraub – massiv, organisiert, geplant, mit Sorgfalt und Zynismus ausgeführt.“

Schlüsselereignisse im europäischen Fall seltener Buchdiebstähle
  1. Diebstähle seltener russischer Ausgaben beginnen in ganz Europa, Ziel sind Bibliotheken in Polen, Deutschland, der Schweiz und der Tschechischen Republik
  2. Drei französische Bibliotheken betroffen: Diderot in Lyon, BnF und Bulac in Paris; Ausgaben von Puschkin, Lermontow und Gogol werden durch Faksimiles ersetzt
  3. Gemeinsames Ermittlungsteam von Europol und Eurojust nimmt mehrere Verdächtige fest
  4. Mikheïl Z. wird in Litauen zu 3 Jahren und 4 Monaten verurteilt wegen Diebstahls von Publikationen des 19. Jahrhunderts im Wert von 606.000 Euro
  5. Pariser Gericht verurteilt sechs Georgier; Mikheïl Z. erhält 7 Jahre und lebenslanges Einreiseverbot nach Frankreich; Beqa T. erhält 4 zusätzliche Jahre

Kulturelle Artefakte, nicht nur Bücher

Puschkin gilt weithin als Begründer der modernen russischen Literatur. Die Ausführungen des Staatsanwalts unterstrichen, dass es sich nicht um gewöhnliche seltene Bücher handelte, sondern um Objekte mit tiefem symbolischem Gewicht. Der Vergleich mit nationalen Relikten spiegelt den einzigartigen Status wider, den Puschkin in der russischen kulturellen Identität einnimmt, und hebt die Diebstähle über ein einfaches Eigentumsdelikt hinaus.

Offene Fragen

Der Prozess hat die Richter mit einer ungelösten Frage zurückgelassen: Handelte es sich lediglich um einen organisierten Ring zum Handel mit seltenen Büchern, der aus Geldgier handelte, oder deutet er auf ausländische Einflussnahme hin? Die internationale Struktur des Falles, bei dem Angeklagte in mehreren europäischen Ländern Verfahren gegenüberstehen, hält diese Frage am Leben. Ermittler und Staatsanwälte haben das Potenzial angemerkt, aber es wurde keine formelle Feststellung einer staatlichen Beteiligung bekannt gegeben.

Paris · Lyon · Tiflis · Den Haag

6 Quellen

Pollar Weekly abonnieren

Die Woche in Nachrichten, jeden Freitag. Kostenlos.

Kostenlos. Kein Tracking, keine Werbung. Jederzeit abbestellbar.

Mehr aus Kultur & Sport