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Konflikte·vor 1 Std.

Portugiesisches Gericht entlässt vier Korruptionsverdächtige der 'Operação Imergente', darunter PS-Berater und ehemaligen spanischen sozialistischen Funktionär

Ein Lissabonner Gericht hat am Freitag vier Verdächtige der Korruptionsermittlungen 'Operação Imergente' freigelassen und ihnen Bewegungs- und Kontaktbeschränkungen auferlegt, während die Untersuchungen zu mutmaßlicher Auftragsmanipulation in sozialistisch geführten Gemeinden fortgesetzt werden.

Die Entscheidung des Gerichts

Vier Personen, die im Rahmen der Korruptionsermittlungen der 'Operação Imergente' festgenommen worden waren, wurden am Freitag, den 29. Mai 2026, vom Tribunal Central de Instrução Criminal in Lissabon freigelassen. Die Verdächtigen wurden angewiesen, sich an einen Termo de Identidade e Residência (TIR) zu halten, die mildeste Zwangsmaßnahme nach portugiesischem Recht. Eine fünfte Person, die auf frischer Tat wegen illegalen Waffenbesitzes festgenommen worden war, war bereits am Donnerstagabend freigelassen worden.

Den Angeklagten ist es auch untersagt, auf irgendeine Weise Kontakt zu den anderen bereits in dem Fall benannten Angeklagten sowie zu anderen Personen aufzunehmen, die in dieser Eigenschaft benannt werden könnten.

Conselho Superior da Magistratura

Das Gericht untersagte den Verdächtigen zudem das Betreten der Räumlichkeiten aller in dem Fall genannten Gemeindebehörden, insbesondere der Câmara Municipal da Amadora, der Câmara Municipal de Oeiras und der Lissabonner Stadtteilverwaltungen von Alcântara, Misericórdia und Santa Maria Maior. Eine Ausnahme wurde für Duarte Moral und Rute Reimão gemacht, die Ehepartner sind und daher weiterhin Kontakt miteinander haben dürfen.

Die Verdächtigen

Zu den Festgenommenen gehören Duarte Moral, ein ehemaliger Berater von Ex-Premierminister António Costa und derzeitiger Kommunikationsberater von PS-Generalsekretär José Luís Carneiro; seine Frau Rute Reimão; Rui Pedro Nascimento, ein Geschäftspartner von Moral und ehemaliger PS-Vorsitzender in Oeiras; sowie Emilio Vázquez Blanco, ein spanischer Staatsbürger und ehemaliger Sprecher der PSOE in Galicien, der auch als Organisationssekretär der PSOE in A Coruña und als Regionalabgeordneter in Galicien tätig war.

Vázquez Blanco, der 2016 nach Portugal zog, besitzt eine auf politisches Marketing spezialisierte Firma namens Cecubometrics. Laut der portugiesischen Zeitung Observador stellte Cecubometrics zwischen März und Juni 2019, während des Wahlkampfs zum Europäischen Parlament, als Duarte Moral für die PS arbeitete, vier monatliche Rechnungen über jeweils 24.600 € aus. Ein Bericht der Entidade das Contas e Financiamento Político stellte fest, dass diesen Verträgen Angaben zu „Honoraren, Anzahl der Teammitglieder, Anzahl der Stunden und dem jeweiligen Stundensatz" fehlten.

Die Verteidigung von Vázquez Blanco erklärte, dass keiner dieser vier Verträge Gegenstand der Ermittlungen sei. Stattdessen untersuche die Justiz drei andere Verträge, bei denen Cecubometrics von der Verwaltung selbst „eingeladen" worden sei, ein Angebot abzugeben, „aber in keinem von ihnen den Zuschlag erhalten habe". Nachdem ihn die Polizei kontaktiert hatte, reiste Vázquez Blanco nach Portugal, um eine Aussage zu machen, wurde festgenommen und anschließend ohne jede Auflagen freigelassen – er kehrte nach Galicien zurück.

Die Ermittlungen

Schlüsselereignisse der Operação Imergente
  1. Cecubometrics beginnt mit der Ausstellung von vier monatlichen Rechnungen über je 24.600 € für die PS-Wahlkampfarbeit zum Europäischen Parlament
  2. Letzte monatliche Rechnung von Cecubometrics an die PS für die Zeit des Europawahlkampfs
  3. Rute Reimão soll beginnen, Direktvergabe-Verträge mit der Junta de Freguesia de Santa Maria Maior abzuschließen
  4. Duarte Moral und Rui Pedro Nascimento gründen das Kommunikationsunternehmen Diálogo Emergente
  5. Ende des Zeitraums, in dem Rute Reimão angeblich Aufträge im Wert von rund 70.000 € vom Stadtteilrat Santa Maria Maior erhalten hat
  6. Polícia Judiciária vollstreckt 60 Durchsuchungsbefehle an Wohnadressen und 32 an anderen Orten; fünf Personen festgenommen, 37 Beschuldigte
  7. Filipa Laborinho, wegen illegalen Waffenbesitzes festgenommen, wird freigelassen
  8. Vier verbleibende Verdächtige erscheinen vor dem Richter, werden unter TIR-Auflagen mit Kontakt- und Betretungsverboten freigelassen

Die Staatsanwaltschaft erklärte, dass sich die Ermittlungen auf „Sachverhalte im Zusammenhang mit der Vergabe von Aufträgen durch Gemeinden konzentrieren, deren Gesamtwert fast zwei Millionen Euro beträgt, sowie auf die Ausstellung von Rechnungen für den unberechtigten Erhalt von Geldern einer politischen Partei durch zwei Verdächtige." Die Polícia Judiciária vollstreckte 60 Durchsuchungsbeschlüsse in Wohnungen und 32 an anderen Orten im Großraum Lissabon, darunter die nationale PS-Zentrale am Largo do Rato in Lissabon.

Die PS bestätigte die Durchsuchungen in einer Stellungnahme und betonte, dass sich die Maßnahmen auf einen ihrer Mitarbeiter und nicht auf die Partei selbst bezogen. Die Ermittlungen umfassen insgesamt 37 Beschuldigte, denen Straftaten wie Rechtsbeugung, wirtschaftliche Beteiligung an Geschäften, Urkundenfälschung und schwere Steuerhinterziehung vorgeworfen werden.

Das mutmaßliche System

Im Zentrum der Untersuchungen steht ein Kommunikationsunternehmen namens Diálogo Emergente, das Duarte Moral 2021 gemeinsam mit seinem Partner Rui Pedro Nascimento gründete. Der Name der Operation „Imergente" nimmt darauf Bezug. Die Behörden vermuten, dass sozialistisch geführte Gemeinden und Stadtteilverwaltungen Verfahren der direkten Vergabe oder vorherigen Konsultation „unter klarem Verstoß gegen geltende Rechtsnormen und mit offensichtlichem Schaden für die öffentlichen Kassen" angewandt haben, um Aufträge an Unternehmen zu vergeben, die mit Parteimitgliedern in Verbindung stehen.

Das Epizentrum der Ermittlungen in Lissabon war die Junta de Freguesia de Santa Maria Maior, die früher von dem Sozialisten Miguel Coelho geleitet wurde, der sein Abgeordnetenmandat inzwischen ruhen ließ. Rute Reimão soll mit dieser Stadtteilverwaltung zwischen 2020 und 2022 Verträge im Wege der Direktvergabe im Gesamtwert von rund 70.000 € abgeschlossen haben.

Lissabon · Amadora · Oeiras · Santiago de Compostela

8 Quellen

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