
Staatsanwaltschaft Hannover durchsucht Räumlichkeiten von Steffen Krach im Bestechungsfall vor der Berliner Wahl
Die Staatsanwaltschaft Hannover hat am Mittwoch drei Objekte durchsucht, die mit dem Berliner SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach in Verbindung stehen. Es besteht der Verdacht auf Bestechung im Zusammenhang mit dem Verkauf eines Krankenhausgrundstücks in Niedersachsen.
Durchsuchungen in Berlin und Hannover
Ermittler der Staatsanwaltschaft Hannover haben am Mittwoch drei Räumlichkeiten durchsucht, die mit dem Berliner SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach in Verbindung stehen. Die Durchsuchungen betrafen Krachs Privatwohnung in Berlin-Schöneberg, die Berliner SPD-Zentrale in Berlin-Wedding sowie Krachs Dienstzimmer in Hannover. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover bestätigte die Razzien und das Verfahren gegen den Politiker, machte aber aus taktischen Ermittlungsgründen keine weiteren Angaben zum Verfahrensstand. Krach hat sich von seinem gewählten Amt als Regionspräsident der Region Hannover beurlauben lassen, um den SPD-Wahlkampf in der Bundeshauptstadt zu führen.
Grundstücksverkauf und Bestechungsvorwürfe
Die Ermittlungen konzentrieren sich auf den Verdacht der Bestechung im Zusammenhang mit dem Verkauf eines 30.000 Quadratmeter großen Grundstücks, das zuvor einem kommunalen Krankenhaus in Lehrte östlich von Hannover gehörte. Die Klinik in Lehrte war Teil des regionalen kommunalen Klinikverbunds, der von der Region Hannover verwaltet wurde. Nach Angaben von Sicherheitskreisen, die vom Tagesspiegel zitiert werden, soll Krach eine Spende eines Gesundheitsdienstleisters angenommen haben, um dessen Angebot für das Lehrter Grundstück zu unterstützen. Das Grundstück wurde einer regionalen Unternehmensgruppe zugeschlagen, die sich gegen ein Konkurrenzunternehmen aus dem nahe gelegenen Burgdorf durchsetzte. Im Mai 2026 durchsuchten Staatsanwälte die Büros und die Wohnung des Geschäftsführers des erfolgreichen Bieters im Rahmen von Ermittlungen wegen wettbewerbswidriger Absprachen, nachdem der unterlegene Bieter aus Burgdorf formelle Rechtsmittel eingelegt hatte.
- Krach ist Staatssekretär für Wissenschaft in Berlin.
- Krach wird zum Regionspräsidenten der Region Hannover gewählt.
- Staatsanwaltschaft durchsucht Räumlichkeiten des erfolgreichen Bieters beim Verkauf des Lehrter Krankenhausgrundstücks.
- Ermittler durchsuchen drei Objekte mit Verbindung zu Krach in Berlin und Hannover.
- Niedersachsen wählt bei Kommunalwahlen einen neuen Regionspräsidenten.
- Berlin wählt ein neues Abgeordnetenhaus.
Reaktionen von Krach und der SPD
Krach sagte am Mittwochmorgen dem Rundfunk Berlin-Brandenburg, er habe gerade erst von den Ermittlungen erfahren und wies die Vorwürfe als haltlos zurück.
Ich habe nichts zu verbergen. Ich möchte absolute Transparenz und bin völlig gelassen.
Der Berliner Landesverband der Sozialdemokraten wies die Vorwürfe ebenfalls über einen offiziellen Sprecher zurück.
Als Berliner SPD und im Namen unseres Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten Steffen Krach weisen wir diese Unterstellungen aufs Schärfste zurück. Wir werden selbstverständlich uneingeschränkt mit den Behörden zusammenarbeiten, um diese haltlosen Unterstellungen auszuräumen.
Wahlkampfdruck vor der Berlin-Wahl
Die Durchsuchungen erfolgten elf Tage vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026, bei der Krach für das Amt des Regierenden Bürgermeisters kandidiert. Krach ist neben Bettina König Co-Vorsitzender der Berliner SPD, nachdem er im Sommer 2025 in die Berliner Politik zurückgekehrt war. Zwischen 2014 und 2021 war Krach Berliner Staatssekretär für Wissenschaft, bevor er 2021 zum Regionspräsidenten in Hannover gewählt wurde. Die Ermittlungen kommen zu einem schwierigen Zeitpunkt im Wahlkampf für die Berliner SPD, die die Stadt derzeit in einer Koalition unter Führung der CDU regiert. Eine aktuelle Infratest-dimap-Umfrage sieht die SPD bei 11 Prozent auf dem fünften Platz hinter CDU, Linke, Grüne und AfD. In Niedersachsen finden am 13. September 2026 Kommunalwahlen statt, bei denen Krachs Nachfolge in Hannover bestimmt wird.


