
Polen sammelt im ersten Jahr des Pfandsystems 5 Milliarden Behälter und plant Ausweitung auf Glas
Polen hat im ersten Jahr seines landesweiten Pfandrücknahmesystems 5 Milliarden Getränkebehälter gesammelt und dabei eine Effizienzquote von 60 Prozent erreicht, während das Klimaministerium die Ausweitung auf Einweg-Glasflaschen vorbereitete.
Sammelmengen und Infrastruktur im ersten Jahr
Polens landesweites Pfandrücknahmesystem sammelte in seinen ersten zwölf Betriebsmonaten 5 Milliarden Behälter und erreichte damit eine Effizienzquote von rund 60 Prozent im Verhältnis zu den in Verkehr gebrachten Behältern. Das System startete offiziell am 1. Oktober 2025 und nahm nach einer dreimonatigen Übergangsphase am 1. Januar 2026 den Vollbetrieb auf. Die Infrastruktur in ganz Polen wuchs auf über 65.500 Rücknahmestellen, von denen sich fast die Hälfte in kleinen Einzelhandelsgeschäften befand und fast 750 außerhalb traditioneller Einzelhandelsnetze betrieben wurden. Automatische Rücknahmeautomaten, die an 23.500 Standorten aufgestellt wurden, machten 90 Prozent aller zurückgegebenen Behälter aus.
Wir können sagen, dass die Anfangsphase des Aufbaus des Pfandsystems hinter uns liegt. Vor allem funktioniert das Pfandsystem, und seine Einführung war sinnvoll.
Geplante Ausweitung auf Glas und kleine Spirituosenflaschen
Das Ministerium für Klima und Umwelt bereitet einen Gesetzentwurf vor, um den Pfandrahmen auf Einweg-Glasverpackungen auszuweiten, wobei insbesondere kleine Spirituosenflaschen ins Visier genommen werden, die landläufig als „małpki“ bekannt sind. Die stellvertretende Klimaministerin Anita Sowińska bestätigte, dass das Ministerium in Kürze die genauen Mengenschwellen für die einbezogenen Glasflaschen bekannt geben werde. Der Gesetzentwurf sieht eine Übergangsfrist (vacatio legis) von etwa zwei Jahren vor, bevor die Glasrückgaberegeln in Kraft treten. Das Ministerium plant zudem, die Gültigkeitsdauer der von automatischen Rücknahmeautomaten ausgegebenen Rückgabebons zu verlängern, während die Regel beibehalten wird, dass nicht eingelöste Pfandbeträge ausschließlich zur Finanzierung des Systembetriebs verwendet werden.
- Polen führt ein landesweites Pfandsystem mit dreimonatiger Übergangsphase ein
- Das System erreicht die volle Betriebskapazität in den Einzelhandelsnetzen
- Erste Verbraucherumfrage verzeichnet eine Akzeptanzquote von 62 Prozent
- Ministerium kündigt 5 Milliarden gesammelte Behälter und einen Entwurf zur Glasausweitung an
Verbraucherakzeptanz und ökologische Ergebnisse
Eine vom Krajowy System Kaucyjny Zwrotka veröffentlichte Umfrage ergab, dass 75 Prozent der Befragten Verpackungen aktiv zurückgeben und dies auch weiterhin tun wollen, gegenüber 62 Prozent im April 2026. Der Anteil der Befragten, die beabsichtigten, das System künftig zu nutzen, sank von 19 Prozent auf 6 Prozent, da die Verbraucher die Routine übernahmen. In der Umfrage gaben 77 Prozent der Nutzer an, die Rückgabe von Verpackungen mit dem Lebensmitteleinkauf im selben Geschäft zu verbinden. Umweltgruppen beobachteten direkte Auswirkungen auf lokale Ökosysteme: Freiwillige der Aufräumkampagne Czysta Odra meldeten 90 Prozent weniger PET-Flaschen und 80 Prozent weniger Aluminiumdosen im Vergleich zu 2025.
Die wichtigste Veränderung ist nicht nur, dass die Zahl der Systemnutzer gestiegen ist. Wir sehen, dass die Rückgabe von Verpackungen in das tägliche Verbraucherverhalten integriert wurde.
- Aktive Nutzer
- 75 %
- Verbinden Rückgabe mit Einkauf
- 77 %
- Werfen weniger in den Restmüll
- 65 %
- Lassen weniger außer Haus liegen
- 59 %
- Bewerten System als notwendig
- 59 %
- Positive Bewertung
- 45 %
- Negative Bewertung
- 28 %
Kommunale Finanzen und Druck auf den Recyclingmarkt
Die Umleitung von Wertstoffen aus der kommunalen Straßensammlung hat die Erlösströme der lokalen Abfallwirtschaft verändert. In Warschau meldeten kommunale Betreiber einen Rückgang von mehr als 50 Prozent bei zurückgewonnenen Plastikflaschen und prognostizierten einen Erlösverlust von rund 20 Millionen Złoty aus dem Verkauf von Sekundärrohstoffen. Die Stadtverwaltung von Krakau verzeichnete einen Rückgang von 46 Prozent bei gesammelten Kunststoffen und sammelte rund 564 Tonnen. Ewa Rakowska, Direktorin des Büros des Vorstands der Polnischen Kammer für Abfallwirtschaft (KIGO), erklärte, die Preise für Sekundärplastik seien von rund 2.000 Złoty auf 900 Złoty pro Tonne gefallen, was teilweise auf preisgünstigeres importiertes Recyclinggranulat aus Asien und Südamerika zurückzuführen sei. Der Sprecher des Ministeriums für Klima und Umwelt, Marek Pogorzelski, entgegnete, die Erhöhung der kommunalen Abfallgebühren auf das Pfandsystem zurückzuführen, diene als Vorwand; steigende Kraftstoffpreise und andere Betriebskosten bestimmten die kommunalen Gebühren, während das Pfandsystem den Kommunen helfe, die vorgeschriebenen Verwertungsquoten zu erreichen.
