
Polen sammelt 3,2 Milliarden Pfandbehälter, während Ministerium Gültigkeit von Pfandbons verlängern will
Polen sammelte bis Juli 2026 3,2 Milliarden Pfandbehälter, während das Klimaministerium Gesetze zur Verlängerung der Gültigkeit von Pfandbons und zur Einbeziehung von Einwegglas vorbereitete.
Schnelles Wachstum bei Rückgaben und Automatisierung
Das polnische Pfandrücknahmesystem hat zwischen seinem Start und Ende Juli 2026 3,2 Milliarden Getränkebehälter gesammelt, wie aus am 20. August vom Klima- und Umweltministerium veröffentlichten Zahlen hervorgeht. Allein im Juli stiegen die Rückgaben um 900 Millionen Einheiten – der höchste monatliche Wert seit Einführung des Programms. Landesweit haben Verbraucher seit Betriebsbeginn am 1. Oktober 2025 durchschnittlich 86 Behälter pro Einwohner zurückgegeben. Derzeit sind landesweit über 60.000 Sammelstellen aktiv, davon 17.500 Standorte mit Pfandautomaten. Obwohl automatisierte Maschinen nur 29 % aller Sammelstellen ausmachen, verarbeiten sie 88 % aller zurückgegebenen Behälter. Auch die Zahl der Rückgabestellen außerhalb von Geschäften stieg von 230 im Juni auf knapp 600 im August, darunter 61 Automaten im öffentlichen Raum in Warschau.
- Pfandsystem startet für Plastikflaschen bis 3 Liter und Metalldosen bis 1 Liter
- Mehrweg-Glasflaschen bis 1,5 Liter kommen mit einem Pfand von 1 Zloty ins System
- Kumulierte Behälterrückgaben erreichen 2,3 Milliarden an 14.000 automatisierten Standorten
- Monatliche Rückgaben erreichen 900 Millionen Einheiten, Gesamtsammlung steigt auf 3,2 Milliarden
- Klimaministerium kündigt Pläne zur Verlängerung der Pfandbon-Gültigkeit und Aufnahme von Einwegglas an
- Ministerium plant Abschluss der analytischen Arbeiten zur gesetzlichen Vereinheitlichung von Pfandbons
Gesetzesnovelle für Pfandbons
Als Reaktion auf Verbraucherfeedback zu ablaufenden Rückgabebelegen arbeitet das Ministerium an einer Novelle des Verpackungsgesetzes, um die Gültigkeit von Pfandbons zu verlängern und zu vereinheitlichen. Derzeit legen einzelne Händler und Systembetreiber ihre eigenen Einlösefristen fest, die oft nach mindestens 30 Tagen verfallen. Klimaministerin Paulina Hennig-Kloska erklärte, dass die neuen gesetzlichen Regelungen die Gültigkeit von Pfandbons deutlich über 30 Tage hinaus verlängern werden. Beamte betonten, dass Verbraucher bereits jetzt das gesetzliche Recht haben, ihre Pfandbons an der Kasse gegen Bargeld einzutauschen.
Wenn ein Kunde einen Pfandbon erhalten hat und Bargeld wünscht, hat er jedes Recht dazu, und das Geschäft kann die Auszahlung nicht verweigern.
Die analytischen Arbeiten zur genauen Verlängerung und zum standardisierten Rahmen sollen im September 2026 abgeschlossen sein.
Einbeziehung von Einweg-Glasflaschen
Das kommende Gesetzespaket wird das Pfandsystem auch auf Einweg-Glasflaschen ausweiten, um der weit verbreiteten Vermüllung durch kleine Spirituosenflaschen, in Polen als „małpki“ bekannt, entgegenzuwirken. Das System gilt derzeit für Plastikflaschen bis zu drei Litern und Metalldosen bis zu einem Liter mit einem Pfand von 50 Groszy sowie für Mehrweg-Glasflaschen bis zu 1,5 Litern mit einem Pfand von einem Zloty. Ministeriumsvertreter deuteten an, dass Einwegglas mit einer Übergangsfrist eingeführt wird, um logistische Anpassungen zu ermöglichen. Auch Sommerveranstaltungen haben zu erheblichen Sammelaktivitäten geführt: Große Open-Air-Festivals brachten über 1 Million zurückgegebene Behälter.
Dass das Pfandsystem funktioniert, heißt nicht, dass es fehlerfrei läuft. Bei einer so großen logistischen Reform ist eine kontinuierliche Verbesserung selbstverständlich, und wir nehmen jedes eingehende Signal sehr ernst.
Überprüfungstools und Sammelziele
Um Verbrauchern und Einzelhandelsmitarbeitern die Identifizierung pfandberechtigter Artikel zu erleichtern, hat der Systembetreiber auf kaucja.pl ein Online-EAN-Barcode-Suchtool gestartet. Nutzer können einen 8- oder 13-stelligen Barcode eingeben, um zu prüfen, ob ein bestimmter Getränkebehälter in der nationalen Datenbank registriert ist. Polen strebt im ersten vollen Betriebsjahr eine Sammelquote von 77 % an, was den EU-Vorgaben entspricht, die bis 2028 eine Quote von 77 % und ab 2029 von 90 % vorsehen. Vize-Ministerin Anita Sowińska wies darauf hin, dass Irland zwei Jahre nach der Einführung eine Sammelquote von 79 % erreicht habe, während etablierte Systeme in Deutschland, Schweden und Finnland Quoten zwischen 90 % und 99 % erzielen. Anfang August 2026 reichten Oppositionsabgeordnete der Partei Konfederacja einen eigenen Gesetzentwurf ein, der die Abschaffung des nationalen Pfandsystems vorsieht.
- Polen (Ziel für das erste Jahr)
- 77 %
- Irland (aktuelle Quote)
- 79 %
- EU (Ziel 2029)
- 90 %
- Finnland (aktuelle Quote)
- 99 %


