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Pfizer-Chef warnt vor Gefährdung deutscher Investitionen und sagt Treffen mit Kanzler Merz wegen Arzneimittelpreisplänen ab

Pfizer-CEO Albert Bourla hat Bundeskanzler Friedrich Merz mitgeteilt, dass das Unternehmen geplante Investitionen in Deutschland überprüfe. Damit reiht sich Pfizer in die Reihe von Eli Lilly und Boehringer Ingelheim ein, die sich gegen die Sparpläne der Bundesregierung im Gesundheitswesen zur Wehr setzen.

Ein Brief an den Kanzler

Pfizer-CEO Albert Bourla sandte am 9. Juni einen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz, in dem er warnte, dass die geplante Gesetzgebung zur Begrenzung der Arzneimittelkosten die für langfristige Investitionsentscheidungen notwendige Planbarkeit untergrabe. Der Brief, der Reuters und der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, besagt, dass Pfizer „den Zeitplan, den Umfang und die künftige Priorisierung bestimmter geplanter Investitionen in Deutschland“ überprüfe, ohne konkrete Projekte zu nennen. Bourla sagte zudem seine Teilnahme am „Invest in Germany Summit“ der Bundesregierung für Herbst 2026 ab.

Nach sorgfältiger Überlegung muss ich Ihnen leider mitteilen, dass ich bei dieser Gelegenheit nicht teilnehmen kann.

Drei Pharmahersteller leisten Widerstand

Die Warnung von Pfizer folgt auf zwei ähnliche Ankündigungen innerhalb der letzten Woche. Eli Lilly erklärte, die Investition von 2,3 Milliarden US-Dollar in einen neuen Standort in Alzey (Rheinland-Pfalz) zu halbieren, während der deutsche Arzneimittelhersteller Boehringer Ingelheim seine Investitionspläne in Höhe von 900 Millionen Euro komplett strich. Beide Unternehmen nannten die Sparmaßnahmen der Bundesregierung im Gesundheitswesen als Grund. Pfizer beschäftigt in Deutschland mehr als 3.000 Mitarbeiter und betreibt ein großes Werk in Freiburg.

Das umstrittene Gesetzesvorhaben

Das „Beitragssatzstabilisierungsgesetz“ von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) zielt darauf ab, die gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 2027 um 16,3 Milliarden Euro zu entlasten und steigende Beitragssätze zu verhindern. Das Paket beinhaltet schärfere Sparvorgaben für die Pharmaindustrie, wobei die von den Herstellern an die Kassen zu zahlenden Rabatte deutlich erhöht werden sollen. Bourla schrieb, die Vorschläge veränderten die Preis- und Marktbedingungen derart, dass das Umfeld für nachhaltige, langfristige Investitionen „zunehmend schwieriger“ werde.

Es wird zunehmend schwieriger, die aktuelle politische Ausrichtung mit dem Anspruch in Einklang zu bringen, Deutschland als einen weltweit wettbewerbsfähigen Standort für biopharmazeutische Innovationen zu positionieren.

Ein breiterer transatlantischer Konflikt

Der deutsche Konflikt ist Teil eines größeren, sich seit Monaten anbahnenden Streits zwischen Arzneimittelherstellern und europäischen Regierungen. Mitangetrieben wird er durch den Vorstoß von US-Präsident Donald Trump zur „Meistbegünstigtenpreisbildung“, der darauf abzielt, einige US-Arzneimittelpreise an niedrigere Preise in anderen Ländern, darunter Europa, zu koppeln. Große Pharmakonzerne wie AstraZeneca und Roche haben kürzlich gewarnt, dass sie künftig keine innovativen Medikamente mehr in Europa auf den Markt bringen könnten, wenn die Regierungen nicht bereit seien, höhere Preise zu zahlen als in der Vergangenheit.

Unbeantwortete Anfragen

Bourla und mehr als 30 weitere Pharma-CEOs sandten Merz ein auf den 22. April datiertes Schreiben mit der Bitte um ein „dringendes persönliches oder virtuelles Treffen“ mit dem Kanzler. Mehrere Branchenquellen sagten Reuters, es sei keine Antwort eingegangen. Die Bundesregierung reagierte zunächst nicht auf eine Bitte um Stellungnahme. Die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, wies die Kritik der Industrie zurück und wies darauf hin, dass die gesetzliche Krankenversicherung ein Defizit im zweistelligen Milliardenbereich aufweise, während Eli Lilly und Boehringer Ingelheim Milliardengewinne erzielten.

Eskalierender Widerstand der Pharmaindustrie gegen deutsche Arzneimittelpreispläne
  1. Bourla und mehr als 30 Pharma-CEOs bitten um dringendes Treffen mit Kanzler Merz; keine Antwort erhalten
  2. Eli Lilly kündigt Halbierung der 2,3-Milliarden-US-Dollar-Investition in Alzey an, verweist auf Sparpläne
  3. Boehringer Ingelheim streicht Investitionspläne von 900 Millionen Euro in Deutschland
  4. Pfizer-CEO Bourla sendet Brief an Merz mit Investitionsprüfung und sagt Gipfelteilnahme ab
  5. 'Invest in Germany Summit' für Herbst 2026 angesetzt; Bourla wird nicht teilnehmen

Wie es weitergeht

Pfizer erklärte, man überprüfe seine externen Verpflichtungen und die Priorisierung geplanter Investitionen. Das Unternehmen nannte keinen Zeitplan für die Überprüfung. Der „Invest in Germany Summit“ im Herbst 2026 wird ohne Bourla stattfinden, und die Bundesregierung hat bisher keine Bereitschaft signalisiert, die geplante Gesetzgebung zu ändern.

Berlin · Freiburg · Alzey

4 Quellen

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