- 2.09.Bajić vermutet, dass sein Handy ins Visier geriet, während er eine Pressekonferenz von Students in Blockade verfolgte
- 19.10.Citizen Lab und SHARE Foundation veröffentlichen Ergebnisse zur Pegasus-Infektion auf dem Handy des Rektors
- 25.10.Parlamentswahlen in Serbien
Staatsanwalt und Rektor im Visier
Citizen Lab, eine Forschungsgruppe der Universität Toronto, und die serbische Digitalrechtsorganisation SHARE Foundation veröffentlichten am Montag, 19. Oktober, Ergebnisse, die zeigen, dass die Spyware Pegasus des israelischen Herstellers NSO Group im Jahr 2026 das iPhone von Vladan Đokić infizierte, dem Rektor der Universität Belgrad. Unabhängig davon erhielt Staatsanwalt Rade Bajić am 13. August eine Bedrohungsmeldung von Apple. Er sagt, die Warnung sei später wiederholt worden.
„Diese Warnung wurde am 27. August wiederholt.“
Die Forscher konnten nicht feststellen, ob Bajićs Gerät tatsächlich kompromittiert wurde oder welche Software zum Einsatz gekommen sein könnte; eine Infektion in seinem Fall ist daher nicht bestätigt. Bajić glaubt, dass seine Rolle in dem Verfahren gegen hochrangige Regierungsvertreter der Grund dafür ist, dass er ins Visier geriet.
Der Fall Trump Tower
Die Überwachungsergebnisse fallen in eine Zeit wachsender Kontroversen um Pläne, das ehemalige Hauptquartier der jugoslawischen Armee in Belgrad in einen luxuriösen Trump Tower umzuwandeln. Das Projekt wird mit Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, in Verbindung gebracht und steht im Zentrum von Vorwürfen politischer Einflussnahme und von Unregelmäßigkeiten bei der Aufhebung des Denkmalschutzstatus des Geländes. Bajić war an der Strafverfolgung hochrangiger Regierungsvertreter in diesem Fall beteiligt. Laut BBC ist der Fall um den Generalstab einer der größeren, die vor Gericht gelangt sind, und die Kulturministerin gehört zu den Angeklagten.
Eine breitere Kampagne gegen Gegner
Die Ergebnisse weiten einen Skandal aus, der im September bekannt wurde, als mindestens 14 Personen in Serbien, darunter studentische Aktivistinnen und Aktivisten sowie Oppositionspolitiker, Warnungen erhielten, sie könnten mit hochentwickelter Spyware ins Visier genommen worden sein. Politico berichtet, Citizen Lab habe in mindestens einem dieser Fälle eine Pegasus-Infektion bestätigt. Die BBC berichtet, die Forschungsgruppen erklärten, dieselbe Spyware sei seit Anfang 2026 auf den Handys von 14 Studierenden, Aktivistinnen und Aktivisten sowie Oppositionspolitikern gefunden worden. Andrijana Ristić, politische Beraterin bei der SHARE Foundation, beschrieb die Entwicklung gegenüber Politico.
„In Serbien hat sich die Überwachung mit Spyware stetig ausgeweitet – von der Zivilgesellschaft und Journalisten auf studentische Aktivisten, Politiker und nun auf Vertreter von Universitäten und Justiz.“
Đokić unterstützte die Studierenden von Beginn ihrer Universitätsblockaden und Demonstrationen an, und hochrangige Beamte sowie regierungsnahe Medien haben ihn häufig kritisiert. Politico berichtet, bei einer Polizeirazzia in seinen Universitätsbüros am 31. März seien Berichten zufolge Computer und Server beschlagnahmt worden.
Reaktionen und politisches Timing
Das serbische Innenministerium reagierte nicht auf Anfragen nach einer Stellungnahme, obwohl Beamte zuvor Spionagevorwürfe zurückgewiesen hatten. Die BBC berichtet, der Sicherheitsinformationsdienst habe die Behauptungen als „trivialen Sensationalismus“ bezeichnet. NSO antwortete nicht auf E-Mails. Das Unternehmen erklärt, es verkaufe nur an Regierungen, und hat angekündigt, Geschäftsbeziehungen zu beenden, die zu schweren Missbräuchen führen. Die Vereinigten Staaten setzten NSO 2021 auf eine schwarze Liste, nachdem es jahrelang Berichte über mutmaßliche Menschenrechtsverletzungen gegeben hatte. Apple bestätigte, am 13. August eine Reihe von Warnungen an Nutzer verschickt zu haben, gab aber keine direkten Antworten zu den Fällen Bajić oder Đokić. Đokić war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Die Berichte erschienen sechs Tage vor den Parlamentswahlen in Serbien am Sonntag, 25. Oktober. Beide Männer sind mit der regierenden Fortschrittspartei aneinandergeraten, die sich seit zwei Jahren mit studentisch geführten Antikorruptionsprotesten konfrontiert sieht.