KI-generiert·Mehr erfahren
© ANSA.it
Diplomatie·vor 3 Std.

Paschinyan erklärt Sieg bei Parlamentswahl in Armenien – prowestliche Partei liegt bei über 54 Prozent

Der armenische Premierminister Nikol Paschinyan erklärte am frühen Montag einen „historischen Sieg“ bei einer vorgezogenen Parlamentswahl. Vorläufige Ergebnisse geben seiner prowestlichen Partei „Zivilvertrag“ einen deutlichen Vorsprung vor einem prorussischen Rivalen.

Paschinyan beansprucht Sieg

Der armenische Premierminister Nikol Paschinyan erklärte in den frühen Morgenstunden des Montag seinen Sieg, nachdem vorläufige Ergebnisse von etwas mehr als einem Fünftel der Wahllokale seiner Partei „Zivilvertrag“ rund 54 Prozent der Stimmen bescherten. Auf einer Pressekonferenz bezeichnete Paschinyan das Ergebnis als „historischen Sieg“.

Dies ist ein historischer Sieg.

Die Zentrale Wahlkommission veröffentlichte frühe Zahlen, die „Zivilvertrag“ bei 54,5 Prozent bei Auszählung von 21 Prozent der Bezirke zeigen. Das prorussische Bündnis „Starkes Armenien“, gegründet vom russisch-armenischen Milliardär Samwel Karapetjan, lag mit 21,9 Prozent auf dem zweiten Platz. Das „Armenien-Bündnis“ belegte mit 8,7 Prozent den dritten Platz, die Partei „Prosperierendes Armenien“ lag mit rund 5 Prozent auf dem vierten Platz.

Eine geopolitische Wegscheide

Die Abstimmung am Sonntag war Armeniens erste Parlamentswahl seit einer vernichtenden militärischen Niederlage gegen Aserbaidschan im Jahr 2023. Sie galt weithin als Referendum über Paschinyans Bestreben, die Beziehungen zum Westen zu vertiefen und nach jahrzehntelangem, immer wieder aufflammendem Konflikt ein Friedensabkommen mit Aserbaidschan zu sichern. Das Hauptziel der Regierungspartei war es, ihre verfassungsgebende Mehrheit zu behalten, die sie benötigt, um Reformen einzuleiten, die für die Unterzeichnung eines Friedensvertrages mit Aserbaidschan erforderlich sind.

Das Hauptziel der Regierungspartei war es, ihre verfassungsgebende Mehrheit zu erneuern, denn diese entscheidet darüber, ob sie bald die für die Unterzeichnung des lang erwarteten Friedensvertrages mit Aserbaidschan notwendigen Reformen einleiten kann.

El Confidencial

Paschinyans „Zivilvertrag“ hat Armenien seit der Machtübernahme 2018 näher an den Westen herangeführt. Sein wichtigster Rivale, Samwel Karapetjan, warb mit einem wirtschaftsfreundlichen Programm und dem Versprechen, die engen Beziehungen Armeniens zu Russland aufrechtzuerhalten. Karapetjan befand sich während des Wahlkampfs unter Hausarrest, ihm wird Geldwäsche, Steuerhinterziehung und der öffentliche Aufruf zum Sturz der verfassungsmäßigen Ordnung vorgeworfen.

Unterschiedliche Prognosen

Prognosen nach Wählerexits zeichneten ein gemischtes Bild vom Ausmaß von Paschinyans Sieg. Eine von der Regierungspartei in Auftrag gegebene und von Civic News veröffentlichte Umfrage gab „Zivilvertrag“ 56,7 Prozent und „Starkes Armenien“ 17,5 Prozent. Unabhängige Prognosen, die von lokalen Telegram-Kanälen zitiert wurden, zeigten ein viel engeres Rennen, mit 32,7 Prozent für „Zivilvertrag“ und 29 Prozent für „Starkes Armenien“. Die Opposition äußerte die Hoffnung, dass die prorussischen Parteien gemeinsam Paschinyan noch stürzen könnten.

Vorläufige Ergebnisse vs. Nachwahlbefragungen (Stimmenanteil in %) · %
Zivilvertrag (vorläufig, 21% ausgezählt)
54.5 %
Starkes Armenien (vorläufig, 21% ausgezählt)
21.9 %
Zivilvertrag (Umfrage Regierungspartei)
56.7 %
Starkes Armenien (Umfrage Regierungspartei)
17.5 %
Zivilvertrag (unabhängige Umfrage)
32.7 %
Starkes Armenien (unabhängige Umfrage)
29 %

Wahlbeteiligung und Unregelmäßigkeiten

Die Wahlbeteiligung in dem Land mit rund 3 Millionen Einwohnern erreichte laut Zentraler Wahlkommission knapp 59 Prozent der Wahlberechtigten. Etwa 2,5 Millionen Wähler waren registriert. Der Wahltag war von mehreren Festnahmen überschattet. Die Anti-Korruptionsbehörde Armeniens meldete die Festnahme von Dutzenden Personen, die mit Oppositionsgruppen in Verbindung stehen, wegen Verstößen gegen das Wahlverfahren. Die Polizei durchsuchte auch die Büros von „Starkes Armenien“ in der Stadt Gjumri und nahm mehrere Festnahmen vor. In der Nähe eines Wahllokals wurde eine Messerstecherei gemeldet, die Behörden gaben jedoch an, sie sei auf eine Verkehrsstreitigkeit zurückzuführen.

Russlands Reaktion

Die Annäherung Eriwans an Europa hat scharfe Reaktionen aus Moskau hervorgerufen. Der russische Präsident Wladimir Putin drohte letzte Woche verklausuliert mit negativen wirtschaftlichen Folgen, falls Armenien seinen Westkurs fortsetze. In den Wochen vor der Wahl verhängte Russland neue Beschränkungen für armenische Produkte, darunter Alkohol, Gemüse, Obst und Fisch. Der Kreml warnte zudem, dass Armenien nicht gleichzeitig Teil der Europäischen Union und der russisch geführten Eurasischen Wirtschaftsunion sein könne. Die expliziteste Drohung betraf die Kürzung der Gas- und Öllieferungen, die Russland derzeit aufrechterhält.

Der Kreml hat auch die Einfuhr verschiedener armenischer Produkte wie Alkohol, Gemüse, Obst und Fisch verboten. Diese Maßnahme übt Druck auf die armenische Wirtschaft aus und ist zugleich symbolisch, weil sie den Handel mit Produkten verbietet, die eng mit Armenien verbunden sind, wie etwa Cognac.

ABC

Die offiziellen vorläufigen Ergebnisse werden später am Montag erwartet.

Jerewan · Gjumri

8 Quellen

Pollar Weekly abonnieren

Die Woche in Nachrichten, jeden Freitag. Kostenlos.

Kostenlos. Kein Tracking, keine Werbung. Jederzeit abbestellbar.

Mehr aus Politik & Wirtschaft
Pristina · Nord-Mitrovica