
Sieben Paulaner-Zapfer verlassen das Oktoberfest, Bedienungen starten Toleranzkampagne
Sieben Zapfer sind im Münchner Paulaner-Zelt zurückgetreten, nachdem zwei beim Trinken während der Schicht erwischt worden waren. Zugleich veröffentlichte eine größere Gruppe von Festbedienungen ein Video, das für Vielfalt und politische Toleranz wirbt.
Ausstand im Paulaner-Zelt
Ein Arbeitskonflikt im Münchner Paulaner-Festzelt führte am Montagabend, dem 28. September 2026, zum plötzlichen Rücktritt von sieben Zapfern. Der Konflikt begann, als Zeltwirt Lorenz Stiftl zwei Mitarbeiter dabei entdeckte, wie sie heimlich in einem Vorraum direkt vor einer Kühlzelle Bier tranken. Die Betriebsregeln des Festes verbieten den Alkoholkonsum während der Schicht strikt; diese Vorschrift wird allen Mitarbeitern bei der ersten Einweisung mitgeteilt. Nachdem Stiftl das Duo auf den Regelverstoß angesprochen hatte, eskalierte ein Streit und die beiden Mitarbeiter verließen ihre Posten. Fünf weitere Zapfer legten aus Solidarität mit ihren Kollegen sofort ihre Arbeit nieder. Über den Streit liegen unterschiedliche Darstellungen von Mitarbeitern und der Wirtsfamilie vor; Stiftls Sprecherin Annette Baronikians bestätigte die Auseinandersetzung wegen unerlaubten Alkoholkonsums.
Notbesetzung und Solidarität der Zelte
Der gleichzeitige Weggang von sieben Zapfern führte kurzzeitig zu einem Engpass an den Zapfstationen, doch der Getränkeausschank lief weiter, ohne dass die Gäste eine Störung bemerkten. Reguläre Zeltbedienungen sprangen ein und zapften selbst Bier, unterstützt von zwei Paulaner-Braumeistern, die sich zu diesem Zeitpunkt im Zelt befanden. Um den Personalmangel zu überbrücken, schickte Thomas Roiderer, der Wirt des benachbarten Hacker-Festzelts, drei seiner eigenen Zapfer für eine Stunde zur Aushilfe. Die Vereinigung der Münchner Wiesn-Wirte betonte, Alkoholkonsum bei der Arbeit sei kein Kavaliersdelikt und könne nirgends auf dem Festgelände akzeptiert werden. Zugleich lobte der Verband die schnelle gegenseitige Hilfe unter den Teams benachbarter Zelte.
Die Wiesn-Familie hält zusammen und hilft sich gegenseitig.
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Kampagne der Bedienungen für Toleranz
Neben den betrieblichen Störungen stießen die Festmitarbeiter eine öffentliche Debatte mit einer Social-Media-Kampagne mit dem Titel „Bedienungen gegen rechts“ an. Die Initiative veröffentlichte zum Auftakt des Oktoberfests ein etwa vierminütiges Video auf Plattformen wie Instagram. In der Aufnahme argumentieren zahlreiche Bedienungen, das größte Volksfest der Welt müsse neben seinen kulturellen Traditionen sichtbar für Vielfalt, gegenseitigen Respekt und Toleranz eintreten. Die Organisatoren der Kampagne erklärten gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, Schweigen sei nach den jüngsten politischen Entwicklungen in den Ländern nicht mehr angemessen, darunter die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, bei der die Alternative für Deutschland gewann.
Wir finden, die Wiesn ist politisch und es muss Stellung bezogen werden. Die Wiesn steht natürlich für Tradition, aber wir fordern, dass sie einfach auch für mehr Toleranz steht.
Politische Grenzen und historisches Gedenken
Die Initiative thematisierte zudem die veränderte gesellschaftliche Rhetorik in Deutschland; eine teilnehmende Bedienung merkt im Clip an, rechte Konzepte stießen im Alltagsdiskurs auf immer weniger Widerspruch. Darüber hinaus erinnerte das Video an die Opfer des rechtsextremen Bombenanschlags vom 26. September 1980 am Haupteingang des Oktoberfests, bei dem zwölf Besucher getötet, rund 200 Menschen verletzt wurden und auch der Täter ums Leben kam. Als Reaktion auf die Kampagne bestätigten die Sprecher des Festwirteverbands, Peter Inselkammer und Christian Schottenhamel, dass die Wirte jede Form von Rassismus und Sexismus ablehnen und Verstöße den Behörden melden wollen. Die Sprecher lehnten jedoch weitergehende politische Erklärungen ab und wiesen darauf hin, dass die offizielle Betriebsordnung des Oktoberfests politische Veranstaltungen in den Zelten ausdrücklich verbietet.
Solche Verstöße akzeptieren wir in unseren Wiesn-Zelten nicht und melden sie auch den Behörden.


