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Regierung·vor 3 Std.

Hamburg gedenkt 25. Jahrestag des NSU-Mordes – Familie des Opfers boykottiert offizielle Zeremonie

Die Familie von Süleyman Taşköprü, der 2001 von der Neonazi-Gruppe NSU erschossen wurde, verweigert die Teilnahme an der städtischen Gedenkfeier und vertieft damit den Riss über Hamburgs Weigerung, einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Terror-Serie einzusetzen.

Der Mord und die NSU-Serie

Süleyman Taşköprü, ein 31-jähriger türkischer Gemüsehändler, wurde am 23. Juni 2001 in seinem Geschäft in Hamburg-Bahrenfeld durch einen Kopfschuss getötet. Er starb kurz darauf in den Armen seines Vaters. Die Tat war einer von zehn Morden, die das Trio des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) – Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe – zwischen 2000 und 2007 verübte, mit neun türkischen und griechischen Kleinunternehmern sowie einer Polizistin als Zielen.

Das Versagen der Behörden

Mehr als ein Jahrzehnt lang gelang es den Ermittlern nicht, die Morde miteinander zu verbinden; stattdessen durchsuchten sie die Kreise der Opfer selbst. Taşköprüs Vater sagte der Polizei, er habe zwei Deutsche in Tatortnähe gesehen, doch der Hinweis wurde ignoriert. Das rassistische Motiv des NSU kam erst Ende 2011 ans Licht, nachdem Mundlos und Böhnhardt nach einem Bankraub in Eisenach Suizid begangen hatten und ein Video, das mit den Morden prahlte, in den Trümmern der von Zschäpe in Brand gesteckten Zwickauer Wohnung gefunden wurde. Sie wurde 2018 wegen Mordes verurteilt und nach einem fünfjährigen Prozess zu lebenslanger Haft verurteilt.

Hamburgs Sonderstellung

Ein Gedenkstein wurde Ende 2012 am Tatort in der Schützenstraße aufgestellt, und ein 300 Meter langer Abschnitt der Kohlentwiete wurde 2014 in Taşköprüstraße umbenannt. Ein Vorstoß, die Schützenstraße selbst umzubenennen, scheiterte jedoch am Widerstand der Anwohner. Während jedes andere Bundesland, in dem der NSU zuschlug, einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss einrichtete, tat Hamburg dies nicht. Der Senat der Stadt legte 2014 einen fast 90-seitigen Bericht vor, doch die Forderungen nach einer tiefergehenden Untersuchung hielten an. Anfang 2025 begann ein interdisziplinäres Forschungsteam mit einer vom Landtag in Auftrag gegebenen wissenschaftlichen Aufarbeitung.

Familie lehnt offizielle Zeremonie ab

Taşköprüs Angehörige fordern weiterhin einen vollständigen parlamentarischen Untersuchungsausschuss und fühlen sich von den Politikern im Stich gelassen. Die Tiefe der Entfremdung wurde bei den Vorbereitungen zum 25. Jahrestag deutlich. Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit schrieb der Familie Anfang des Jahres und suchte Kontakt.

Es ist mir sehr wichtig, mit der Familie in Kontakt zu treten, deshalb habe ich Anfang des Jahres einen Brief geschrieben. Ich habe auch im Hinblick auf unser Forschungsprojekt Kontakt gesucht und gehofft, dass das ein guter Ausgangspunkt wäre.

Lange Zeit kam keine Antwort, und die Familie bleibt der offiziellen Gedenkfeier nun fern.

Wichtige Daten im Hamburger NSU-Mordfall
  1. Süleyman Taşköprü in seinem Hamburger Geschäft erschossen.
  2. NSU nach Suizid von Mundlos und Böhnhardt aufgedeckt; Video mit Mordprahler gefunden.
  3. Gedenkstein am Tatort in der Schützenstraße aufgestellt.
  4. Straße in Taşköprüstraße umbenannt; Hamburger Senat legt 90-seitigen Bericht vor.
  5. Beate Zschäpe zu lebenslanger Haft verurteilt.
  6. Interdisziplinäres Forschungsteam beginnt wissenschaftliche Aufarbeitung des Falls.
  7. 25. Jahrestag; Familie boykottiert offizielle Gedenkfeier.
Hamburg

3 Quellen

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