
Mutmaßlicher Sprengsatz nahe ukrainischer Antonov-Frachtmaschine erzwingt mehrmalige Schließung des Flughafens Leipzig/Halle
Ein mutmaßlicher Sprengsatz nahe einer ukrainischen Antonov-Airlines-Frachtmaschine hat in der Nacht vom 4. auf den 5. August eine mehrmalige Schließung des Flughafens Leipzig/Halle erzwungen. Deutsche Behörden untersuchen eine mögliche russische hybride Kriegsführung; die Bundeswehr meldet mehrere Hundert Drohnenüberflüge über Militärgelände.
Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle
Am Abend des 4. August 2026 hörte ein Arbeiter in Kursdorf, einem Dorf in der Nähe des Flughafens Leipzig/Halle, einen explosionsartigen Knall. Stunden später, in der Nacht vom 4. auf den 5. August, wurde ein Flugobjekt über dem Flughafen gesichtet und ein separates Objekt in der Nähe der Südbahn, nahe ukrainischer Frachtmaschinen der Antonov Airlines, gefunden. Polizeisprecher Olaf Hoppe bestätigte die Sichtung und den Fund, wollte aber nicht sagen, ob es sich um eine Drohne handelte. Die Bild berichtete aus Sicherheitskreisen, dass Sprengstoff und ein Zünder an dem Objekt angebracht gewesen sein sollen, die Ermittler es als möglichen Sprengsatz behandeln. Ein Mitarbeiter holte das Objekt herunter, so N-tv. Der Flughafen wurde über Nacht geschlossen.
DHL-Kollision und Spuren in Kursdorf
Während der Schließung des Flughafens brach eine DHL-Frachtmaschine ihre Landung ab und stieg durch. In etwa 400 Metern Höhe kollidierte sie mit einem unbekannten Objekt, wich nach Hannover aus und landete sicher, wobei geringfügige Schäden an der Nase festgestellt wurden. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums bestätigte die Kollision. Ob die Kollision mit dem neben der Südbahn gefundenen Objekt zusammenhängt, ist nicht geklärt. In Kursdorf fanden Ermittler mutmaßliche Spuren einer Explosion, eine Antenne und möglicherweise eine Relaisstation, so ZEIT ONLINE, was den Verdacht nährt, dass die Aktion technisch vorbereitet war.
Ermittlungen und Zuordnung
Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der versuchten Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr. Mehrere US-Medien berichteten, die Vereinigten Staaten seien zu dem Schluss gekommen, die Drohne stamme aus Russland. Der Grünen-Politiker Konstantin von Notz sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, es sei „völlig offensichtlich“, dass Russland hinter dem Angriff stecke. Die Bundesregierung hat trotz der US-Geheimdiensterkenntnisse eine klare Zuordnung vermieden.
Es ist vor allem eine falsche Strategie, weil sie dem Gegenüber ständig signalisiert: 'Macht weiter. Es passiert nichts. Wir werden das hier akzeptieren, ertragen, wir nehmen es hin.'
Der Politikwissenschaftler Thomas Jäger warnte im Focus, dass diese Zurückhaltung zu mehr Gewalt führen werde, nicht zu weniger.
- Arbeiter in Kursdorf hört explosionsartigen Knall
- Flugobjekt gesichtet; Objekt nahe Südbahn gefunden; Flughafen geschlossen
- DHL-Frachtflugzeug kollidiert in etwa 400 m Höhe mit unbekanntem Objekt, weicht nach Hannover aus
- Bild berichtet von Sprengstoffbehauptungen aus Sicherheitskreisen; Bundesanwaltschaft leitet Ermittlungen ein
- Bundeswehr meldet mehrere Hundert Drohnenüberflüge seit Februar 2022
- Sondersitzung des sächsischen Landtags-Innenausschusses; Drohnensichtung unterbricht Betrieb am Flughafen Hannover
Breiteres Muster hybrider Bedrohungen
Die Bundeswehr hat in den letzten Jahren mehrere Hundert mutmaßliche Drohnenüberflüge über ihre Einrichtungen registriert, wobei die Meldungen seit der russischen Invasion der Ukraine im Februar 2022 deutlich zugenommen haben, so ein Sprecher des Operativen Führungskommandos gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Zu den Meldungen gehören Einzeldrohnen und Drohnenschwärme. In der vergangenen Woche wurden zwei Drohnen über einer Militärbasis in Mechernich gesichtet, und der Bayerische Rundfunk berichtete, dass der Chef eines bayerischen Rüstungsunternehmens nach Aufdeckung eines geplanten Attentats an einen sicheren Ort verlegt wurde. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz identifiziert Russland, China, Nordkorea und Iran als Akteure, die Cyberangriffe und Spionage gegen kritische Infrastruktur in Deutschland durchführen. Ein russisches Desinformationsnetzwerk namens „Matrjotschka“ überschwemmt soziale Medien mit KI-generierten Fake-Videos, die auf Kandidaten bei bevorstehenden Landtagswahlen in Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern abzielen.
Politische Reaktion
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt nannte den Leipziger Vorfall ein „neues Bedrohungsszenario“ und verdoppelt die Anti-Drohnen-Einheit der Bundespolizei von 150 auf 300 Mitarbeiter im Gemeinsamen Anti-Drohnen-Zentrum (GDAZ). Der Innenausschuss des sächsischen Landtags berief auf Initiative der AfD-Fraktion eine Sondersitzung für den 12. August ein. Der AfD-Innenpolitiker Sebastian Wippel sagte: „Die Drohnenabwehr in Leipzig hat nicht funktioniert.“ Am 12. August unterbrach eine Drohnensichtung am Flughafen Hannover den Betrieb für etwa 1,5 Stunden, die Start- und Landebahnen wurden gesperrt. Der ARD-Terrorismusexperte Holger Schmidt sagte, die Kontinuität der Ereignisse deute auf einen größeren Plan hin und dass Deutschlands Fähigkeiten zur Erkennung und Abwehr von Drohnen an kritischer Infrastruktur nicht dort seien, wo sie sein sollten.
- Bisher
- 150 Personal
- Nach Dobrindts Verdopplung
- 300 Personal
Nataliya Pryhornytska, stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbands der Ukrainischen Organisationen in Deutschland, forderte Konsequenzen.
Es passt ins Muster: Russland setzt seit Jahren auf hybride Mittel, um europäische Staaten zu destabilisieren und Infrastruktur zu testen. Ob Russland direkt hinter Leipzig steckt, müssen Ermittlungen klären. Das Ereignis muss jedoch als Muster betrachtet werden.


