Regierung · Moskau

Novaya Gazeta schließt, nachdem russische Behörden sie zum Aufgeben zwingen

Die in Moskau ansässige unabhängige Zeitung, bekannt für ihre Korruptionsrecherchen, will am 9. November ihre Server abschalten und ihr Büro verlassen. Die Redaktion macht russische Behörden und Sicherheitsdienste für die erzwungene Schließung verantwortlich.

KI-Text auf Grundlage von Berichten von Le Monde.fr, Tgcom24, La Razón und weiteren Medien. Veröffentlicht . So entsteht er

Für MitgliederDie ersten 30 Sekunden zum Probehören. Synthetische Stimme (KI).

Kurz gefasst

Moskau · Russland
Wie es dazu kam
  1. 28.10.Chefredakteur Sergei Sokolow teilt den Leserinnen und Lesern in einem Brief mit, dass die Redaktion geräumt wird
  2. 30.10.Die Redaktion gibt bekannt, dass die Zeitung ihre Tätigkeit einstellt
  3. 9.11.Geplantes Datum für das Abschalten von Licht und Servern und das Verlassen des Gebäudes

Redaktion kündigt Schließung an

Novaya Gazeta, eine unabhängige russische Zeitung, teilte am Freitag, dem 30. Oktober 2026, mit, dass sie ihre Tätigkeit einstellt. Die Redaktion erklärte, russische Behörden und Sicherheitsdienste hätten die Journalistinnen und Journalisten gezwungen, die Arbeit einzustellen. Am 9. November will die Redaktion in ihrem Moskauer Gebäude das Licht ausschalten, die Server herunterfahren und ausziehen. In den Worten der Zeitung selbst existiert die Zeitung nicht mehr.

„Wir sind getötet worden. Novaya Gazeta beendet ihr Leben. Am 9. November werden wir das Licht in unserem Gebäude ausschalten, in dem wir 30 Jahre lang gelebt haben.“

Sergei Sokolow

Räumung und eingefrorene Spenden

Die Redaktion wird aus ihrem Büro in der Potapowski-Gasse im Zentrum Moskaus gedrängt, wo sie rund 29 Jahre lang gearbeitet hat. Chefredakteur Sergei Sokolow informierte die Leserinnen und Leser in einem auf den 28. Oktober datierten Brief über die Räumung und schrieb, es seien keine neuen Räumlichkeiten gefunden worden und die Mitarbeitenden hätten nur wenig Zeit zum Packen gehabt. Das Spendersystem, über das Leserinnen und Leser beitragen konnten, wurde zeitgleich abgeschaltet. Laut Sokolow weigern sich Unternehmen und Banken, Zahlungen an die Zeitung abzuwickeln, und berufen sich dabei auf ihre internen Unternehmensregeln. Das Anna-Politkowskaja-Museum, das am 7. Oktober 2021 in ihrem früheren Büro zum 15. Jahrestag ihrer Ermordung eröffnet wurde, schließt gemeinsam mit der Redaktion.

Jahre des Drucks

Die Zeitung wurde 1993 von Journalistinnen und Journalisten der Komsomolskaja Prawda gegründet, unter ihnen Dmitry Muratov und Sokolow. Muratov, ein früherer Chefredakteur, erhielt 2021 gemeinsam mit anderen den Friedensnobelpreis. Die Redaktion erklärt, er sei angegriffen worden und fast blind zurückgeblieben, und es seien keine strafrechtlichen Ermittlungen eingeleitet worden, obwohl die Ermittler wussten, wer verantwortlich war. Mehrere Journalistinnen und Journalisten der Zeitung wurden im Laufe der Jahre getötet, darunter Anna Politkowskaja, die im Eingang ihres Wohnhauses erschossen wurde. Vor ihrem Tod hatte sie den tschetschenischen Machthaber Ramzan Kadyrow scharf kritisiert und über Kriegsverbrechen in Tschetschenien geschrieben.

Einschränkungen seit 2022

Die Zeitung setzte ihre Arbeit Ende März 2022 nach Warnungen von Roskomnadzor aus und nahm die Veröffentlichung später wieder auf. Im Herbst 2022 annullierte ein Gericht die Lizenzen für ihre Printausgabe und ihre Website, woraufhin die Redaktion neben ihrem Onlineangebot neue Printformate startete. Einige Journalistinnen und Journalisten verließen nach Beginn des Krieges in der Ukraine Russland und gründeten Novaya Gazeta Europe, die russische Behörden später zur unerwünschten Organisation erklärten. Im September 2026 nahm das Justizministerium Novaya Gazeta in das Register der ausländischen Agenten auf.

Wie es weitergeht

Die Schließung ist für den 9. November 2026 angesetzt, wenn Licht, Server und Büro abgeschaltet werden. In dem Brief an die Leserschaft schrieb Sokolow, die Mitarbeitenden würden ohne Lebensgrundlage auf der Straße stehen.

„Mehr als dreißig Jahre gemeinsamen Lebens mit dem Land und seinen Bürgerinnen und Bürgern enden auf der Straße, ohne Lebensunterhalt, unter ständiger Drohung der Repression.“

Sergei Sokolow

Die folgende Zeitleiste führt die bislang gemeldeten Daten auf, von der Eröffnung des Museums 2021 bis zur geplanten Abschaltung.

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