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Diplomatie·vor 3 Std.

Deutschland und Polen unterzeichnen neuen Verteidigungspakt zum 35. Jahrestag des Nachbarschaftsvertrags und vertiefen militärische Zusammenarbeit und Infrastrukturverbindungen

Berlin und Warschau haben ein umfassendes militärisches Kooperationsabkommen besiegelt und auf einem gemeinsamen Forum zum 35. Jahrestag ihres Nachbarschaftsvertrags von 1991 verbesserte Verkehrsverbindungen zugesagt.

Ein neues Verteidigungsabkommen

Zum 35. Jahrestag des Deutsch-Polnischen Nachbarschaftsvertrags unterzeichneten die Verteidigungsminister Boris Pistorius und Władysław Kosiniak-Kamysz in Warschau ein erneuertes militärisches Kooperationsabkommen. Der Pakt baut auf einem Rahmenabkommen von 2011 auf und umfasst gemeinsame Übungen, Zusammenarbeit in der Rüstungsindustrie sowie eine engere Koordinierung im Ostseeraum, im Weltraum, im Cyberbereich und bei kritischer Infrastruktur. Pistorius sagte, das Abkommen eröffne „ein weiteres Kapitel in der Geschichte unserer engen Freundschaft“ und die Nachbarn übernähmen gemeinsame Verantwortung für die europäische Sicherheit.

Deutschland und Polen übernehmen gemeinsam Verantwortung für die Sicherheit in Europa.

Wichtige Meilensteine der deutsch-polnischen militärischen Zusammenarbeit
  1. Unterzeichnung des Nachbarschafts- und Freundschaftsvertrags
  2. Rahmenabkommen zur Verteidigung geschlossen
  3. Neues Verteidigungsabkommen in Warschau unterzeichnet; gemeinsame Erklärung in Berlin
  4. Beginn der Stationierung deutscher Soldaten an der polnischen Grenze zu Kaliningrad
  5. Übung Grand Eagle verlegt 1.200 Soldaten durch Polen nach Litauen

Infrastruktur als strategisches Gut

Gleichzeitig sprachen die Außenminister Johann Wadephul und Radosław Sikorski vor rund 700 Zuhörern beim Deutsch-Polnischen Forum in Berlin und betonten die Notwendigkeit, die grenzüberschreitenden Schienenverbindungen auszubauen. Wadephul erklärte, eine „echte Hochgeschwindigkeitsstrecke“ zwischen Warschau und Berlin sei unerlässlich, und wies auf ihre doppelte Nutzung hin.

Dieselben Gleise, auf denen wir uns besuchen fahren, tragen im Ernstfall auch Panzer.

Er argumentierte, dass Investitionen in die deutsch-polnischen Eisenbahnen Investitionen in Freundschaft und Verteidigung seien, da beide Länder als logistische Drehscheiben der NATO dienten.

Historische Verpflichtungen und Grenzunmut

Sikorski schlug in Bezug auf das Erbe des Zweiten Weltkriegs einen ernsteren Ton an und wies auf die moralischen und materiellen Pflichten hin, die den letzten Überlebenden deutscher Verbrechen geschuldet seien.

Die letzten Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs sterben, darunter Menschen, die besonders stark unter den deutschen Verbrechen gelitten haben: KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter. Wir haben ihnen gegenüber besondere Verpflichtungen, sowohl in moralischer als auch in materieller Hinsicht.

Er äußerte auch Enttäuschung über Infrastrukturlücken und stellte fest, dass in dreißig Jahren nur eine einzige Brücke über die 500-Millionen-Euro-pro-Tag-Handelsgrenze gebaut worden sei, und kritisierte die fortgesetzten deutschen Grenzkontrollen, die er als unnötige Hürden bezeichnete.

Politischer Gegenwind in Warschau

Der Pakt bleibt hinter gegenseitigen Sicherheitsgarantien jenseits der NATO- und EU-Rahmenwerke zurück, ein Merkmal, das Warschau wegließ, um ein Veto des rechtsgerichteten Präsidenten Karol Nawrocki zu vermeiden. Verteidigungsminister Kosiniak-Kamysz musste das Abkommen im Parlament gegen deutschland-skeptische Konservative verteidigen und betonte, dass Polens Sicherheitsorientierung zwar auf die USA, Skandinavien und die Türkei ausgerichtet sei, Deutschland aber ebenso wichtig sei.

Jeder, der versucht, die guten deutsch-polnischen Beziehungen zu zerstören, dient Russland; jeder, der heute die Ukraine angreift, hilft Russland.

Was als Nächstes kommt

Das Abkommen setzt mehrere konkrete Schritte in Gang. Ab Juli werden deutsche Soldaten an der polnischen Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad stationiert. Im November wird die Übung Grand Eagle 1.200 deutsche Soldaten durch Polen nach Litauen verlegen. Das Forum ehrte auch Janusz Reiter, den ersten postkommunistischen polnischen Botschafter in Berlin, für seine Arbeit an der Versöhnung.

Berlin · Warschau

8 Quellen

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