
Anteil der Jugendlichen ohne Arbeit und Ausbildung in Deutschland erreicht 2025 zehn Prozent
Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zeigen, dass 10,0 % der 20- bis 24-Jährigen in Deutschland im Jahr 2025 weder erwerbstätig noch in Ausbildung oder Studium waren – ein anhaltender Aufwärtstrend von 8,8 % im Jahr 2022, trotz eines breiteren Rückgangs in der gesamten Europäischen Union.
Zunehmende Abkopplung junger Erwachsener
Einer von zehn Menschen im Alter von 20 bis 24 Jahren in Deutschland war 2025 weder erwerbstätig noch in Ausbildung oder Studium, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte. Der Anteil der Jugendlichen in dieser Kategorie, international als NEET (Not in Employment, Education or Training) bekannt, ist von 8,8 % im Jahr 2022 über 9,5 % im Jahr 2024 kontinuierlich gestiegen. Die Zahlen zeigen auch demografische und geografische Unterschiede innerhalb des Landes. Junge Frauen waren mit 10,5 % etwas stärker betroffen als junge Männer mit 9,6 %. In Großstädten lag die Quote bei 10,6 %, während sie in ländlichen Gebieten mit 7,9 % niedriger ausfiel.
- 2022
- 8.8 %
- 2024
- 9.5 %
- 2025
- 10 %
Vergleichstrends in der Europäischen Union
Die deutsche Quote von 10,0 % bleibt unter dem EU-Durchschnitt von 12,9 % für die 27 Mitgliedstaaten. Während der EU-weite Durchschnitt im letzten Jahrzehnt von 18 % im Jahr 2014 gesunken ist, hat sich Deutschland in die entgegengesetzte Richtung entwickelt. Mehrere nord- und mitteleuropäische Länder weisen niedrigere Werte auf, darunter die Niederlande mit 5,6 %, Schweden mit 7,3 % und Tschechien mit 7,6 %. Am anderen Ende des Spektrums meldete Rumänien mit 22,8 % den höchsten Anteil abgehängter junger Erwachsener, gefolgt von Bulgarien mit 17,3 % und Frankreich mit 16,2 %. Daten für Luxemburg lagen in der Veröffentlichung nicht vor.
- Niederlande
- 5.6 %
- Schweden
- 7.3 %
- Tschechien
- 7.6 %
- Deutschland
- 10 %
- EU-Durchschnitt
- 12.9 %
- Frankreich
- 16.2 %
- Bulgarien
- 17.3 %
- Rumänien
- 22.8 %
Strukturelle Barrieren und Bildungsabbruch
Daten aus dem nationalen Bildungsbericht 2024 skizzieren die Umstände der abgehängten Jugendlichen. Von den Betroffenen in Deutschland waren 25 % aktiv auf Arbeitssuche, während 66 % dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung standen. In der Gruppe der Nichtverfügbaren entfielen 20 % auf familiäre Betreuungspflichten und 18 % auf gesundheitliche Einschränkungen, während 17 % bildungsbezogene Gründe angaben, wie das Warten auf einen Studien- oder Ausbildungsplatz. Kai Maaz, Direktor des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, warnte davor, diese Gruppe als homogen zu betrachten. Der Bericht zeigte, dass 59 % dieser jungen Erwachsenen weder einen Berufsabschluss noch die Hochschulreife besitzen, 86 % mehr als zwölf Monate außerhalb von Bildungsprogrammen verbracht haben und ein Drittel eine frühere Schul-, Berufs- oder Hochschulbildung abgebrochen hat.
Fachkräftemangel und politische Debatte
Die Ausweitung der NEET-Demografie erfolgt parallel zu einem Mangel an Fachkräften und einem Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland um ein Drittel seit 2019. Die politische Debatte berührte Themen wie Frühverrentungsregeln und Ausbildungsumlagen auf Unternehmen, doch Arbeitsmarktexperten plädieren für strukturelle Integrationswege. Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, forderte eine erweiterte Ausbildungsgarantie, um den Übergang von Schulen in das Berufsleben zu erleichtern.
Für die jungen Menschen und jungen Erwachsenen bedeutet das eine unsichere Zukunftsperspektive und höchstwahrscheinlich eine sehr holprige Erwerbsbiografie. Für den deutschen Arbeitsmarkt bedeutet das, dass wichtige Fachkräfte verloren gehen.
Michaela Engelmeier, Präsidentin des Sozialverbands Deutschland (SoVD), forderte die Arbeitsagenturen auf, sich auf individuelle Qualifizierung, Beratung und Vermittlung zu konzentrieren, statt auf Disziplinarmaßnahmen und Sanktionen.
Wenn einer von zehn jungen Menschen weder in Ausbildung, beruflicher Bildung noch in Arbeit ist, läuft etwas schief.


