
NAZA-Dokumentarfilm über Gaza-Tötungen läuft ab dem 12. Oktober in französischen Kinos
Der Film wirft der israelischen Armee vor, wissentlich zahlreiche Zivilisten in Gaza getötet zu haben, und erhält in Frankreich ein eingeschränktes Kontingent von 500 Vorführungen. Im November folgt laut Le Monde ein kostenloses Online-Streaming.
Der Kinostart in Frankreich
NAZA ist für ein eingeschränktes Kontingent in französischen Kinos am Montag, den 12., und Dienstag, den 13. Oktober angesetzt, mit einer Sondergenehmigung für 500 Vorführungen, wie Le Monde berichtet. Le Figaro nennt dasselbe Zwei-Tage-Fenster und schreibt, der Film werde nach den israelischen Parlamentswahlen kostenlos im Internet zu sehen sein. Le Monde verortet die kostenlose Online-Veröffentlichung im November. Le Figaro zufolge kritisiert der Film zudem die Strategie der israelischen Armee in Gaza. Auch in spanischen Kinos läuft der Film diese Woche an, wie aus den wöchentlichen Programmen von La Vanguardia hervorgeht. Die folgende Zeitleiste gibt den französischen Start nach der Darstellung der Artikel wieder.
- Beginn des eingeschränkten Kinostarts in Frankreich
- Zweiter Tag des eingeschränkten Kinostarts in Frankreich
- Kostenloses Online-Streaming in Frankreich, laut Le Monde
Zeugnisse aus dem Inneren des Systems
Die Ko-Regisseure Yuval Abraham und Rachel Szor interviewen 24 ehemalige israelische Geheimdienstoffiziere und Soldaten, die nachts auf Dächern in Tel Aviv gefilmt wurden, wobei Gesichter und Stimmen unkenntlich gemacht sind. Laut La Vanguardia beschreiben die Interviewten, wie sie mutmaßliche Hamas-Mitglieder in Gaza mithilfe eines Programms der künstlichen Intelligenz identifizierten und wie die Armee sie anschließend tötete. El Pais schreibt, die Zeugnisse seien durch mehr als hundert weitere Befragte bestätigt worden, und The Guardian habe den Film koproduziert. Der Titel des Films stammt von dem Armee-Akronym NAZA, das laut El Confidencial für „nezek agavi“ steht und als Euphemismus für Zivilisten verwendet wird, die als Kollateralschaden getötet wurden. Die Opferzahlen unterscheiden sich je nach Medium: La Vanguardia nennt mehr als 70.000 getötete Palästinenser, El Pais 73.000 und El Confidencial 72.945 – jeweils mit Stand der eigenen Veröffentlichung.
Filmemacher und Druck
Abraham und Szor drehten gemeinsam mit den palästinensischen Filmemachern Basel Adra und Hamdan Ballal den Film No Other Land (2024), der laut El Confidencial 2025 den Oscar gewann. NAZA erhielt bei den Filmfestspielen von Venedig den Spezialpreis der Jury, und El Confidencial merkt an, dass der Silberne Löwe des Vorjahres an Kaouther Ben Hanias La voz de Hind ging. El Confidencial berichtet, Mitglieder der Regierung von Benjamin Netanyahu hätten damit gedroht, den Regisseuren die israelische Staatsangehörigkeit zu entziehen. El Pais zufolge richtet sich der Film an die israelische Öffentlichkeit und an die Staaten, die Israel unterstützen, allen voran die Vereinigten Staaten und Deutschland. Der Film kommt zwei Tage nach dem dritten Jahrestag der Anschläge vom 7. Oktober heraus, bei denen laut El Confidencial 1.195 Israelis getötet wurden. El Pais zitiert Zahlen des Committee to Protect Journalists, wonach mehr als 200 palästinensische Journalisten von der israelischen Armee in Gaza getötet wurden.
Rezeption und wie es weitergeht
In einem am 9. Oktober veröffentlichten Essay im Guardian schreibt Omer Bartov, der ruhige, technische Ton der Interviewten habe ihn an Werner Best erinnert, einen hochrangigen SS-Funktionär und Juristen, der mithalf, die NS-Todeskommandos zu organisieren. Bartov argumentiert, dass moderner Völkermord auf Technokraten und Planer angewiesen sei, die in Distanz zum Töten arbeiten, und nicht auf Rohlinge und Sadisten. Der französische Kinostart findet am 12. und 13. Oktober statt, die kostenlose Online-Version folgt laut Le Monde im November, laut Le Figaro nach den israelischen Parlamentswahlen. Ein Datum für diese Wahlen findet sich in den Artikeln nicht, sodass der Zeitpunkt der Online-Veröffentlichung an diese Wahl gebunden bleibt.


