
National Rally schließt Polizisten aus Carcassonne wegen aufgezeichneter rassistischer Äußerungen aus
Die französische National Rally hat einen Gemeindepolizisten aus Carcassonne ausgeschlossen, nachdem eine Körperkamera-Aufnahme ihn bei rassistischen Äußerungen während einer Streife aufgezeichnet hatte, was eine gerichtliche Untersuchung auslöste.
Videoaufzeichnung und gerichtliche Untersuchung
Auszüge aus sechs Stunden Körperkamera-Material, das im November 2025 aufgezeichnet wurde, wurden am 8. September 2026 von der Zeitung Midi Libre veröffentlicht. Sie zeigen einen Gemeindepolizisten in Carcassonne, der rassistische, frauenfeindliche und verschwörungstheoretische Äußerungen macht. Der Beamte, der als Teamleiter und ehemaliges Militärmitglied identifiziert wurde, ließ seine Uniformkamera während einer routinemäßigen Streife versehentlich laufen. Die Aufnahme enthielt rassistische Beleidigungen gegen Minderheiten sowie abfällige Kommentare zu Verkehrsunfällen, Kolonialgeschichte und dem Algerienkrieg. Nach der Veröffentlichung bestätigte der Staatsanwalt von Carcassonne eine offizielle Untersuchung des Vorfalls. Der Beamte hatte zuvor nach internem Umlauf des Materials Krankenurlaub genommen, bevor er im März 2026 wieder in den aktiven Dienst zurückkehrte.
- Körperkamera zeichnet sechs Stunden Streifenmaterial in Carcassonne auf
- Beamter meldet sich freiwillig für Sicherheitsdienst während Jordan Bardellas Wahlkampfbesuch
- Beamter kehrt nach Krankenurlaub in den aktiven Polizeidienst zurück
- Midi Libre veröffentlicht Auszüge der aufgezeichneten Kommentare
- Staatsanwalt leitet Untersuchung ein und National Rally schließt den Beamten aus
Reaktion der National Rally und Ausschluss
Die Führung der National Rally gab am 9. September 2026 bekannt, dass der Beamte aus der Partei ausgeschlossen und sofort aus ihrem freiwilligen Sicherheitsdienst entlassen wurde. Parteivertreter erklärten, der Beamte habe gelegentlich freiwillige Sicherheitsarbeit geleistet, unter anderem während eines Besuchs von Parteipräsident Jordan Bardella in Carcassonne im Februar 2026. Der National Rally-Abgeordnete Laurent Jacobelli verteidigte die Partei auf BFM TV und betonte, dass die Aussagen der Parteilinie widersprächen, und wies darauf hin, dass der Bürgermeister von Carcassonne, Christophe Barthès, sein Amt nach der Aufnahme angetreten habe.
Man kann nicht Mitglied einer Partei sein und Worte äußern, die der Linie und dem Geist der politischen Partei, der man angehört, widersprechen.
Louis Aliot, der Vizepräsident der National Rally und Bürgermeister von Perpignan, bezeichnete den Beamten als eine gefährliche und verantwortungslose Person, deren Verhalten einen ungerechtfertigten Verdacht auf die gesamte Gemeindepolizei werfe.
Nationale politische Reaktionen
Politische Persönlichkeiten in ganz Frankreich kritisierten die National Rally nach dem Bekanntwerden der Aufnahmen. Gabriel Attal, der Präsidentschaftskandidat von Emmanuel Macrons Renaissance-Partei, argumentierte, der Vorfall spiegele die zugrunde liegende Kultur der Partei wider.
So würde Frankreich aussehen, wenn es von der National Rally geführt würde.
Der Vorsitzende der Sozialistischen Partei, Olivier Faure, warnte die Wähler davor, die nationale Regierungsführung vor den kommenden Wahlen der National Rally anzuvertrauen. Manuel Bompard, nationaler Koordinator von La France Insoumise, erklärte, die Episode zeige, dass die Partei ihre interne Kultur trotz öffentlicher Neupositionierungsbemühungen nicht geändert habe. Aurore Bergé, beigeordnete Ministerin für Gleichstellung und Antidiskriminierung, erklärte auf RMC, die Äußerungen seien völlig inakzeptabel und stellten eine Straftat dar. Carole Delga, die sozialistische Präsidentin der Region Okzitanien, drückte ihren Ekel aus und forderte formelle Disziplinarmaßnahmen gegen die Beteiligten.
Kommunale und gewerkschaftliche Reaktionen
Die Stadtverwaltung von Carcassonne gab eine Erklärung ab, in der sie die Aussagen des Beamten verurteilte und formelle Verfahren mit verhältnismäßigen Sanktionen ankündigte. Die Gemeinde stellte fest, dass das Material unter der vorherigen rechten Verwaltung aufgezeichnet worden sei, und behauptete, dass frühere Behörden das Video vertuscht hätten. Auch Polizeigewerkschaftsvertreter reagierten auf die Kontroverse. Fabien Golfier, nationaler Sekretär für Gemeindepolizei bei der Autonomen Föderation des öffentlichen Dienstes, erklärte auf franceinfo, der Beamte habe weder in der örtlichen Strafverfolgung noch im öffentlichen Dienst etwas zu suchen. Ludovic Durand, Generalsekretär der FO-Gemeindepolizeigewerkschaft, verurteilte die Kommentare als unvereinbar mit beruflichen Werten, warnte jedoch vor einer pauschalen Verallgemeinerung gegenüber der Polizei.


