
Deutschland bestimmt München für Olympia-Bewerbung 2036, 2040 oder 2044
Der Deutsche Olympische Sportbund hat München am Samstag auserkoren, eine Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 zu führen – gegen einen konkurrierenden Vorschlag aus Köln und der Region Rhein-Ruhr.
Nationale Auswahl in Baden-Baden
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) kam am Samstag, dem 26. September 2026, zu einer außerordentlichen Sitzung in Baden-Baden zusammen, um die offizielle deutsche Kandidatenstadt für künftige Olympische Sommerspiele zu bestimmen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier öffnete gemeinsam mit dem früheren Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, den Umschlag mit dem Namen des Siegers. München errang eine absolute Mehrheit der Stimmen der stimmberechtigten DOSB-Mitglieder und setzte sich damit gegen einen gemeinsamen Vorschlag von Köln und der Region Rhein-Ruhr durch. In einer vor der Abstimmung veröffentlichten technischen Bewertung hatte der DOSB München 87,03 von 100 Punkten zuerkannt, gegenüber 85,02 Punkten für Köln-Rhein-Ruhr. Die Abstimmung schloss ein internes deutsches Auswahlverfahren ab, das sich nach dem Rückzug Hamburgs im Frühjahr 2026 und dem Ausstieg Berlins im September 2026 verengt hatte.
- München
- 87.03 Punkte
- Köln-Rhein-Ruhr
- 85.02 Punkte
Politische Rückendeckung und kommunale Bereitschaft
Bundeskanzler Friedrich Merz begrüßte die Entscheidung unmittelbar nach der Bekanntgabe in Baden-Baden.
Deutschland hat einen Kandidaten. München wird uns in diesem Rennen vertreten. Wir treten mutig auf: Deutschland ist in der Lage, die Olympischen Spiele auszurichten.
Der Münchner Vorschlag konzentriert sich auf den Olympiapark im Norden der Stadt, der von den Olympischen Sommerspielen 1972 übernommen wurde und derzeit renoviert wird. Die Bewerbung betont ein kompaktes Konzept mit kurzen Anfahrtswegen zwischen den Wettkampfstätten, der Innenstadt und dem weiteren Großraum. Die Initiative erhielt bei einer Bürgerbefragung im Oktober 2025 starke lokale Unterstützung: 66,4 % der Münchner Teilnehmer stimmten zu, bei einer Beteiligung von 42 %, begünstigt auch durch die Ausrichtung der Europameisterschaften 2022 in der Stadt. Im Vergleich dazu erreichten Köln und die 16 Partnerstädte der Rhein-Ruhr-Bewerbung 66 % Zustimmung bei einer durchschnittlichen Wahlbeteiligung von 32 %. Zehn Tage vor der DOSB-Abstimmung sicherte sich München zudem die Ausrichtung des UEFA-Champions-League-Finales 2028 in der Allianz-Arena – nach den Finals 2012 und 2025 – und der Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2031 im Olympiastadion.
Olympische Geschichte und frühere Versuche
Die Entscheidung von Baden-Baden markiert Deutschlands achten Anlauf, sich seit 1972 um Olympische Spiele zu bewerben, nachdem sieben aufeinanderfolgende Bewerbungen an abgelehnten Anträgen, IOC-Abstimmungen oder Bürgerentscheiden gescheitert waren. Deutschland hat zuvor drei Olympische Spiele ausgerichtet: die Winterspiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen, die Sommerspiele 1936 in Berlin und die Sommerspiele 1972 in München. Die Berliner Sommerspiele 1936 wurden vom nationalsozialistischen Deutschland für staatliche Propaganda genutzt. Die Münchner Spiele 1972 wurden durch einen Terroranschlag im Olympischen Dorf überschattet, bei dem elf Mitglieder der israelischen Olympiamannschaft getötet wurden. In den letzten Jahren erwies sich die Ablehnung der Wähler für zwei deutsche Bewerbungen als fatal, da Bürgerentscheide Münchens Streben nach den Winterspielen 2022 und Hamburgs Bewerbung für die Sommerspiele 2024 stoppten.
Nächste Schritte im internationalen Verfahren
München und der DOSB werden nun den mehrjährigen Auswahlzyklus des IOC durchlaufen, beginnend mit einem ersten kontinuierlichen Dialog. Der DOSB hat alle drei angestrebten Austragungsjahre offen gelassen und verzichtet darauf, sich sofort zwischen 2036, 2040 oder 2044 zu entscheiden. Nach den Spielen 2024 in Paris ziehen die Olympischen Sommerspiele 2028 nach Los Angeles und 2032 nach Brisbane. Das IOC wird im März 2027 eine erste Bewertung durchführen, um ausgewählte Kandidatenstädte in eine strategische Dialogphase zu überführen, die detaillierte technische Bewertungen und Vor-Ort-Besuche einer IOC-Bewertungskommission umfasst. Bis Ende 2028 wird das IOC einen oder mehrere bevorzugte Ausrichter benennen, die formelle institutionelle Garantien geben müssen, bevor die endgültige Auswahl des Austragungsortes Mitte 2029 erfolgt.
- DOSB wählt München als deutschen Kandidaten
- IOC führt erste Prüfung für strategischen Dialog durch
- IOC benennt bevorzugte Gastgeberstädte
- IOC wählt Gastgeberstadt in endgültiger Abstimmung

