Auftakt und das Plädoyer für eine neue Mehrheit
Der ehemalige Ministerpräsident Mateusz Morawiecki sprach am Samstag, 17. Oktober, auf dem Kongress von Rozwój Plus im Palladium-Theater in Warschau. Rozwój Plus ist ein von Morawiecki gegründeter Verein, keine politische Partei. Er begann mit einem Vers aus dem patriotischen Fibel „Katechizm polskiego dziecka“ von Wojciech Bejza und fragte dann, ob die Polen noch unter ihresgleichen lebten und ob es zu viel Hass im Land gebe. Er argumentierte, der Verein existiere, weil die Dinge in Polen in die falsche Richtung liefen, und verwies auf Esstische, die zu Frontlinien würden, und darauf, dass die Liebe zu Polen mit dem Hass auf den Nachbarn gleichgesetzt werde. Sein Umfeld könne eine wichtige Rolle bei der Bildung einer künftigen parlamentarischen Mehrheit spielen.
„Ohne Rozwój Plus wird es nicht möglich sein, eine gute Regierung für Polen zu bilden.“
Angriffe auf Tusk und rivalisierende Parteien
Morawiecki warf Ministerpräsident Donald Tusk vor, Ersatzthemen in den Vordergrund zu rücken statt der Fragen, die den Menschen am wichtigsten seien, wie Arbeit, Bezahlung, Wohnen, Kindererziehung und berufliche Perspektiven. Er nannte Tusk einen „Scharlatan“ und sagte, er veranstalte eine Maskerade. Zudem warf er der Regierung vor, die Polen von den steigenden Lebenshaltungskosten abzulenken. In derselben Rede bezeichnete er die Bürgerkoalition und die Linke als antiamerikanisch sowie Recht und Gerechtigkeit und die Konföderation als antieuropäisch. Seine schärfsten Worte reservierte er für Grzegorz Brauns Konföderation Krone Polens, die er als prorussisch und isolationistisch bezeichnete. Seine eigene Gruppierung stellte er als die einzige dar, die Vertrauen in Bündnisse mit Realismus in der internationalen Politik verbinde.
Bündnisse, EU und Wirtschaft
Morawiecki sagte, Polen solle sowohl zu den Vereinigten Staaten als auch zu den europäischen Staaten starke Beziehungen unterhalten. Er schlug vor, die Funktionsweise der Europäischen Union zu ändern, sodass eine Koalition williger Mitglieder einen Wirtschaftsraum schaffe, wie er vor dem Vertrag von Lissabon oder vielleicht vor Maastricht bestanden habe. Dies würde die europäische Integration begrenzen und die Bedeutung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten erhöhen. Ein großer Teil der Rede war der Wirtschaft gewidmet, und Berichte nennen ZUS, Banken und Orlen unter den Themen, wobei die verfügbaren Berichte keine Details zu diesen Vorschlägen liefern. Morawiecki betonte zudem, seine Gruppierung wolle sowohl in der Europäischen Union als auch in der NATO bleiben.
„Wir haben Rozwój Plus, das an die Stärke von Bündnissen glaubt. Ja zu Bündnissen. Wir wollen nicht aus der Europäischen Union oder aus der NATO gedrängt werden.“
Bühne, Gäste und ein eigener Versprecher
Der Kongress begann um zwölf Uhr, doch die Parteaktivisten mussten etwa 1,5 Stunden warten, bis Morawiecki mit einer weiß-roten Fahne die Bühne betrat. Unmittelbar vor ihm sprach Paulina Matysiak, ein ehemaliges Mitglied der Partei Razem, als besonderer Gast. Morawiecki stellte sie als „unsere Paulina Matysiak“ vor und korrigierte sich dann zu „posłanka“, dem polnischen Begriff für eine weibliche Abgeordnete. Matysiak wurde als Gast aus dem Bereich der Politik präsentiert, obwohl ihre frühere Arbeit sich auf große Infrastrukturprojekte wie den Zentralen Kommunikationshafen konzentrierte. Morawiecki nutzte die Veranstaltung, um zu behaupten, seine Gruppierung habe die ausgewogenste internationale Position, und wies die Vorstellung zurück, seine Gruppierung sei naiv.
„Wir sind nicht naiv. Wir wissen ganz genau, dass wir auf der internationalen Bühne entschlossen für unsere Überzeugungen, unsere Rechte und unsere Interessen kämpfen müssen.“