Schleswig-Holstein prüft 3,9-Millionen-Euro-Solarfähre Missunde III nach wiederholten Pannen
Die Verkehrsbehörden Schleswig-Holsteins prüfen, ob die 3,9 Millionen Euro teure Solarfähre Missunde III repariert, ersetzt oder außer Dienst gestellt werden soll – nach wiederholten technischen Ausfällen auf der Schlei-Überfahrt.
Landtagsausschuss in Kiel
Der Wirtschaftsausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtags in Kiel tritt am 19. August 2026 zusammen, um die anhaltenden Störungen auf der Schlei-Fährverbindung zwischen Brodersby und Missunde zu erörtern. Das Landesverkehrsministerium soll einen Sachstandsbericht zur solarbetriebenen Missunde III vorlegen und damit die Anfragen der Oppositionsparteien SPD und SSW zu Betriebsabläufen und verwaltungsrechtlichen Konsequenzen beantworten. Die Wasserquerung ist eine wichtige Verkehrsverbindung für die Region, die von Fußgängern, Pendlern und saisonalen Besuchern genutzt wird. Nach Angaben des Verkehrsministeriums befördert die Verbindung jährlich rund 120.000 Fahrzeuge und 50.000 Fahrräder.
- Fahrzeuge
- 120000
- Fahrräder
- 50000
Projektgeschichte und anfängliche Verzögerungen
Die Landesbehörden genehmigten den Bau der solarbetriebenen Elektrofähre im Jahr 2020, um die aktualisierten maritimen Sicherheitsstandards zu erfüllen und einen klimafreundlichen Betrieb auf der Schlei einzuführen. Das 3,9 Millionen Euro teure neue Schiff sollte ursprünglich im Januar 2024 den regulären Betrieb aufnehmen. Technische Mängel bei Testfahrten verzögerten jedoch den Start, da das Schiff bei starkem Wind nicht sicher anlegen konnte. Das Land musste die Anlegestellen umbauen und die Fähre nachrüsten. Um den Betrieb während der Verzögerung aufrechtzuerhalten, reaktivierte der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN.SH) die ältere Dieselfähre Missunde II, die das Land zuvor verkauft und später zu höheren Kosten zurückgekauft hatte.
- Landesbehörden genehmigen den Bau der solarbetriebenen Fähre Missunde III
- Geplanter Start verzögert sich, nachdem Testfahrten Anlegeprobleme bei starkem Wind offenbaren
- Missunde III nimmt Betrieb auf und befördert Fußgänger, Radfahrer und leichte Fahrzeuge
- Betrieb wird weniger als vier Wochen nach Start aufgrund eines beschädigten Antriebsriemens eingestellt
- Fähre nimmt nach Reparaturen den Dienst zwischen Brodersby und Missunde wieder auf
- Hydraulikdefekt und niedrige Wasserstände führen zu zeitweiligen Betriebsunterbrechungen
- Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen ordnet umfassende Überprüfung der Zukunftsszenarien an
Inbetriebnahme und anschließende mechanische Ausfälle
Die Missunde III nahm schließlich Ende April 2026 den regulären Betrieb auf und ersetzte die Missunde II. In der ersten Betriebsphase beförderte die Fähre Fußgänger, Radfahrer und leichte Fahrzeuge mit einem Gewicht von bis zu 7,5 Tonnen – als vorläufiger Test, um Betriebsdaten im Dauerbetrieb zu sammeln, bevor Fahrzeuge bis zu 25 Tonnen zugelassen werden. Weniger als vier Wochen nach Betriebsbeginn fiel die Fähre aufgrund eines beschädigten Antriebsriemens aus, der komplett ersetzt werden musste. Die SPD-Landtagsabgeordnete Birte Pauls kritisierte die Situation und erklärte, das Schiff sei zu einem „Symbol für fehlerhafte Planung“ geworden. Nach der Wartung nahm die Fähre Mitte Juni 2026 den Betrieb wieder auf, während sich Ministerpräsident Daniel Günther bei den Bürgermeistern der Region für die anhaltenden technischen Probleme entschuldigte.
Regierungseingriff und Zukunftsszenarien
Anfang Juli 2026 kam der Betrieb erneut aufgrund niedriger Wasserstände zum Stillstand, gefolgt von einem Hydraulikdefekt, der im Juli zu einem unregelmäßigen Betrieb führte. Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen hatte zunächst eine Rückkehr zur Missunde II vor dem Wirtschaftsausschuss des Landtags ausgeschlossen und darauf hingewiesen, dass auch das ältere Schiff häufig ausfiel und repariert werden musste. Die anhaltenden Pannen veranlassten jedoch ein Eingreifen der Exekutive. Anfang August 2026 ordnete Madsen den sofortigen Beginn einer technischen Überprüfung an, die ursprünglich für das Ende der Sommersaison vorgesehen war. Das Verkehrsministerium prüft drei Optionen: eine dauerhafte technische Nachrüstung der Missunde III, die erneute Reaktivierung der Missunde II oder den Bau einer völlig neuen Fähre. Madsen formulierte die Anforderungen des Landes an die Überfahrt.
Wir brauchen keine Fähre, die auf dem Papier alles kann, sondern eine, die jeden Tag zuverlässig fährt.
Der Wirtschaftsausschuss des Landtags in Kiel tritt am 19. August 2026 zusammen, um die Ergebnisse des Ministeriums zu prüfen und über die weiteren Betriebsschritte für die Verbindung zu beraten.


