Missbrauchsfälle in Baden-Württemberg steigen im fünften Jahr in Folge, schwere sexuelle Ausbeutung steigt um fast das Sechsfache
Die Polizei registrierte 2025 insgesamt 1.775 Straftaten gegen Kinder, ein Anstieg gegenüber 1.719 im Vorjahr, und erwartet, dass sich der Trend bis 2026 fortsetzt, so das Landeskriminalamt.
Steigender Trend
Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in Baden-Württemberg hat 2025 weiter zugenommen. Das Landeskriminalamt (LKA) registrierte im vergangenen Jahr 1.775 Missbrauchsdelikte, ein Anstieg um 3,3 % gegenüber 1.719 im Jahr 2024. Die Zahl steigt seit 2020 jedes Jahr, und das LKA teilte der Deutschen Presse-Agentur mit, dass sich der Aufwärtstrend bis 2026 fortsetzen werde. Vor einem Jahrzehnt, im Jahr 2016, verzeichneten die Behörden 1.174 Fälle, was bedeutet, dass die Gesamtzahl in zehn Jahren um rund 51 % gestiegen ist.
- 1.174 Missbrauchsfälle registriert, die Basis vor dem aktuellen Aufwärtstrend.
- Jährliche Anstiege beginnen; die Fälle steigen in den Folgejahren.
- 1.719 Fälle registriert; schwere Ausbeutungsfälle bei 8.
- 1.775 Fälle registriert; schwere Ausbeutung steigt auf 47; Missbrauch von Jugendlichen bei 88.
- Kita-Vater zu 9,5 Jahren Haft verurteilt wegen Missbrauchs von Säuglingen und Kleinkindern.
- Heidelberger zu fast 4 Jahren Haft verurteilt wegen Online-Missbrauchs von über 20 Mädchen.
- LKA erwartet, dass die Zahlen bei Kindesmissbrauch und Jugendlichenmissbrauch weiter steigen.
Auch der Missbrauch von Jugendlichen nahm zu. Die Polizei zählte 2025 insgesamt 88 Delikte, etwa 17 % mehr als im Vorjahr. Das LKA erwartet, dass diese Zahlen im laufenden Jahr weiter steigen werden.
Starker Anstieg schwerer Ausbeutung
Während die Gesamtzahl der Kinderpornografie-Delikte zurückging, stieg die schwerste Kategorie der Ausbeutung sprunghaft an. Die Fälle schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern im Zusammenhang mit der Herstellung und Verbreitung pornografischen Materials stiegen von 8 im Jahr 2024 auf 47 im Jahr 2025. Der ehemalige Innenminister von Baden-Württemberg, Thomas Strobl (CDU), verurteilte die Verbreitung solchen Materials bei der Vorstellung des Sicherheitsberichts des Landes Anfang dieses Jahres.
Die Verbreitung von Missbrauchsbildern gehört zu den widerlichsten, abscheulichsten und verachtenswertesten Taten.
Er fügte hinzu, dass hinter fast jedem Bild ein tatsächlicher Fall von sexuellem Missbrauch stecke. Im Gegensatz dazu ging die breitere Kategorie der Herstellung, Verbreitung und des Erwerbs von Kinderpornografie im Jahr 2025 um 15,6 % auf 4.186 Fälle zurück, und die Ermittler erwarten einen weiteren Rückgang im Jahr 2026.
- 2024
- 8 Fälle
- 2025
- 47 Fälle
Aktuelle Verurteilungen
Zwei aktuelle Gerichtsurteile verdeutlichen die Art der Straftaten. Ende Juli 2026 verurteilte das Landgericht Heidelberg einen 33-jährigen Mann zu fast vier Jahren Haft. Er gab zu, über das Internet mehr als 20 Mädchen im Alter von 8 bis 13 Jahren missbraucht und sie dazu überredet zu haben, ihm selbst angefertigte pornografische Inhalte zu schicken. Die Ermittler wurden auf ihn aufmerksam, nachdem die Eltern eines Opfers Anzeige erstattet hatten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Anfang Juli erhielt ein 53-jähriger Kita-Vater aus dem Rems-Murr-Kreis in Stuttgart eine neuneinhalbjährige Haftstrafe. Die Staatsanwaltschaft erklärte, er habe über mehrere Jahre hinweg Säuglinge im Alter von wenigen Monaten und Kinder bis zu 12 Jahren, meist Kleinkinder, schwer missbraucht. Er habe auch Missbrauchsbilder und -videos hergestellt, besessen und verbreitet. Der Mann gestand die Vorwürfe am ersten Prozesstag. Auch dieses Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Digitale Gefahren
Das Bundeskriminalamt (BKA) warnte kürzlich, dass digitale Tatmuster und künstliche Intelligenz den sexuellen Missbrauch von Kindern zunehmend prägen. Immer mehr Straftaten werden online ohne Körperkontakt begangen.
Die zunehmende Nutzung des Internets begünstigt digitale Phänomene wie Cybergrooming, Livestreaming oder Sextortion.
Die Behörde stellte fest, dass die bundesweiten Zahlen zum sexuellen Missbrauch Minderjähriger weiterhin alarmierend hoch seien, wobei die Technologie es Tätern ermögliche, ihre Opfer aus der Ferne zu erreichen.


