
Migros erwägt Zusammenlegung von 10 Regionalgenossenschaften zu einer Einheit
Der Schweizer Detailhändler Migros prüft Pläne, seine zehn Regionalgenossenschaften zu drei Einheiten oder einer einzigen landesweiten Organisation zusammenzulegen, um Verwaltungskosten zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.
Umbau des Genossenschaftsmodells
Die Migros-Führung prüft Pläne, ihre dezentrale Organisationsstruktur aufzulösen und die zehn Regionalgenossenschaften zusammenzulegen. Die internen Beratungen konzentrieren sich auf zwei mögliche Wege: die Reduktion der zehn bestehenden Einheiten auf drei Regionalgenossenschaften für die West-, Zentral- und Ostschweiz oder die Zusammenführung zu einer einzigen landesweiten Genossenschaft. Migros-Chef Mario Irminger bevorzugt das Modell einer einzigen einheitlichen Genossenschaft, um redundante regionale Strukturen zu eliminieren. Die Initiative stellt den umfassendsten organisatorischen Umbau seit der Gründung des Genossenschaftsverbunds dar. Ein interner Konsens unter den Genossenschaftsführern steht kurz bevor.
- Gottlieb Duttweiler wandelt die Migros von einer Aktiengesellschaft in eine föderalistische Genossenschaft um.
- Der Konkurrent Coop führt seine Regionalgenossenschaften zu einer einzigen zentralisierten Genossenschaft zusammen.
- Migros verkauft oder schließt acht Tochtergesellschaften, darunter Hotelplan, Micasa und Sport X.
- Migros prüft, ihre zehn Regionalgenossenschaften zu drei oder einer Einheit zusammenzulegen.
Historische Struktur und Betriebskosten
Die heutige Organisationsstruktur wurde 1941 vom Firmengründer Gottlieb Duttweiler (1888–1962) geschaffen, der die Migros von einer Aktiengesellschaft in eine Genossenschaft umwandelte. Duttweiler entwarf bewusst ein dezentrales Modell mit starken Regionalverbänden und einer schwächeren Zentrale, das dem föderalistischen politischen System der Schweiz entspricht. In diesem Rahmen besitzen zehn rechtlich unabhängige Regionalgenossenschaften den zentralen Migros-Genossenschafts-Bund in Zürich. Im Laufe der Zeit ermöglichte diese Autonomie den Regionalleitern, unabhängige Marketingabteilungen und Verwaltungsstandorte zu unterhalten. Diese Doppelstrukturen haben zu erheblichen Kostennachteilen gegenüber Wettbewerbern wie Aldi, Lidl und dem wichtigsten Inlandskonkurrenten Coop geführt, der seine eigenen Regionalgenossenschaften 2001 zu einer einzigen Einheit zusammengeführt hat.
- Aktuelle Struktur
- 10 Genossenschaften
- Drei-Regionen-Modell
- 3 Genossenschaften
- Einheitsgenossenschaftsmodell
- 1 Genossenschaften
Abstimmungsanforderungen und rechtliche Hürden
Die Umsetzung der geplanten organisatorischen Neuordnung ist mit rechtlichen und verfahrenstechnischen Herausforderungen im Genossenschaftsrecht verbunden. Nach den Standardregeln müssten rund 2,3 Millionen stimmberechtigte Migros-Genossenschafter in regionalen Abstimmungen abstimmen, wobei in jeder Region eine Zweidrittelmehrheit erforderlich wäre. Die Strategen des Unternehmens sind nach früheren Basis-Kontroversen, wie der umstrittenen Abstimmung über den Alkoholverkauf, vorsichtig. Um ein Scheitern an der Urne zu verhindern, prüfen die Unternehmensplaner derzeit rechtliche Wege, um die Konsolidierung ohne eine vollständige Mitgliederabstimmung umzusetzen.
Marktdruck und strategische Neuausrichtung
Die Organisationsreform baut auf einem Restrukturierungsprogramm auf, das Anfang 2024 mit dem Verkauf oder der Schließung von acht unrentablen Tochtergesellschaften begann, darunter das Reisebüro Hotelplan, die Heimwerkette Micasa und die Sportartikelmarke Sport X. Konzernchef Irminger hat zudem die Migros Supermarkt AG gegründet, um Einkauf und Supermarktgeschäft über die Regionalgenossenschaften hinweg zu zentralisieren. Die strategische Neuausrichtung steht im Einklang mit dem von dem Einzelhändler verabschiedeten Programm Vision 2035, das strukturelle Effizienz als Kernanforderung festschreibt.
Wir streben Effizienz und Vereinfachung an, um nachhaltig wettbewerbsfähig und erfolgreich zu sein.
Der Schweizer Einzelhandelswettbewerb hat sich verschärft, da Discounter internationale Einkaufsnetzwerke nutzen, während Coop droht, die Migros beim jährlichen Einzelhandelsumsatz im Jahr 2026 zu überholen. Die Zusammenlegung der zehn Genossenschaften würde parallele Verwaltungsabteilungen überflüssig machen und könnte zu Personalabbau führen. Die Unternehmensführung steht zusätzlich unter Druck, Kapital freizusetzen, da zahlreiche alternde Supermarktstandorte Filialmodernisierungen erfordern.


