
Merz bildet deutsches Kabinett nach Spahn-Rücktritt um und kündigt weitere Änderungen vor Landtagswahlen an
Bundeskanzler Friedrich Merz hat am Freitag seinen Kanzleramtschef und Gesundheitsminister ausgewechselt, auch der Verkehrsminister soll gehen, während er versucht, seine unpopuläre Regierung vor den Landtagswahlen im September wiederzubeleben.
Auslöser: Spahn-Rücktritt
Die Umbildung wurde durch den Rücktritt von Jens Spahn als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ausgelöst. Spahn trat nach öffentlicher Kritik zurück, weil er in den USA ein Kind durch Leihmutterschaft bekommen hatte, eine Praxis, die in Deutschland illegal ist und die er in öffentlichen Stellungnahmen wiederholt abgelehnt hatte. Sein Abgang schuf eine Vakanz an der Spitze der konservativen Fraktionsführung und zwang Merz, sein Team neu zu ordnen, während seine Koalitionsregierung tief unpopulär ist.
Angekündigte Änderungen
Am Freitag schlugen Merz und CSU-Chef Markus Söder Thorsten Frei, bisher Kanzleramtschef, als neuen Fraktionsvorsitzenden vor. Die Wahl ist für den 29. Juli angesetzt. Um Freis Rolle zu besetzen, ernannte Merz Gesundheitsministerin Nina Warken zur neuen Kanzleramtschefin – sie ist die erste Frau in diesem Amt im Nachkriegsdeutschland. Warken wird eine kürzliche Reform des Gesundheitssystems zugeschrieben. Ihr Ministerium wird Carsten Linnemann, der CDU-Generalsekretär, übernehmen. Zudem wechselt Philipp Amthor, Staatsminister für Digitalpolitik, als Staatsminister für Bundesländerbeziehungen ins Kanzleramt.
Es wird in Zukunft weitere Änderungen im Kabinett geben, die mehr Zeit in Anspruch nehmen werden.
Verkehrsminister vor dem Aus
Obwohl am Freitag nicht offiziell angekündigt, wird allgemein erwartet, dass Verkehrsminister Patrick Schnieder entlassen wird. Die Bild berichtete, dass Merz zunehmend frustriert über Schnieders mangelnde Fortschritte bei der Sanierung des maroden Schienennetzes und der Infrastruktur sei, trotz eines Rekordbudgets. Der Kanzler will ihn durch Fritz Güntzler ersetzen, einen CDU-Abgeordneten und Wirtschaftsprüfer aus Göttingen, der seit 2013 im Bundestag sitzt und dem Finanzausschuss angehört. Merz beschränkte sich auf die Aussage, dass „weitere Änderungen“ bevorstünden.
- Jens Spahn tritt als Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU nach der Leihmutterschafts-Kontroverse zurück
- Merz kündigt Kabinettsänderungen an, darunter Warken als Kanzleramtschefin und Linnemann als Gesundheitsminister
- Thorsten Frei soll am 29. Juli zum neuen Fraktionsvorsitzenden gewählt werden
- Merz verspricht weitere Kabinettsänderungen in der Zukunft, Verkehrsminister Schnieder soll ersetzt werden
AfD-Druck und Kretschmers Appell
Die Umbildung erfolgt, während Merz zunehmendem Druck aus den eigenen Reihen ausgesetzt ist, die politische Brandmauer gegen die rechtsextreme Alternative für Deutschland (AfD) zu überdenken. Michael Kretschmer, der CDU-Ministerpräsident von Sachsen, forderte den Kanzler auf, das „Tabu“ der Verweigerung einer Zusammenarbeit mit der AfD vor den Landtagswahlen im September in Sachsen zu brechen, wo die rechtsextreme Partei zum ersten Mal den ersten Platz belegen und möglicherweise ihren ersten Ministerpräsidenten stellen könnte.
Wer immer noch von Schutzwällen spricht, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Wir müssen mit jedem reden, der reden will.
Kretschmer führt eine Minderheitsregierung in Sachsen, und seine Äußerungen stellen eine Herausforderung für Merz‘ Beharren auf einem cordon sanitaire gegenüber der AfD dar, die laut Umfragen derzeit die beliebteste Partei im Land ist.
Wie es weitergeht
Merz hat signalisiert, dass die Umbildung noch nicht abgeschlossen ist. Die Bild berichtete zudem, dass Wirtschaftsministerin Katarina Reiche vom Kanzleramt eine „gelbe Karte“ erhalten habe, was auf Unzufriedenheit mit ihrer Leistung hindeutet. Das Versprechen des Kanzlers auf weitere Änderungen deutet darauf hin, dass weitere Abgänge folgen könnten, während er versucht, seine tief unpopuläre Regierung vor den Landtagswahlen zu stabilisieren. Die Wahl von Frei am 29. Juli wird der nächste unmittelbare Schritt sein.

