Manila protestiert gegen „kaum verhüllte Drohung“ des chinesischen Gesandten – Peking kündigt Gegenmaßnahmen an
Botschafter Jing Quan sagte am Donnerstag, dem 15. Oktober, China könne einen Zusammenstoß mit den Philippinen leicht gewinnen. Am Freitag, dem 16. Oktober, nannte Manila die Äußerung eine Drohung, und das Verteidigungsministerium in Peking versprach nicht näher bezeichnete Gegenmaßnahmen.
Äußerungen des Gesandten auf einem Forum
Der chinesische Botschafter Jing Quan wurde am Donnerstag, dem 15. Oktober, auf einem Forum auf den Philippinen von Reportern gebeten, auf Verteidigungsminister Gilberto Teodoro Jr. zu reagieren, der China als regionalen „Unruhestifter“ bezeichnet hatte. Jing nannte diese Charakterisierung Unsinn und sagte, die Philippinen sollten sich glücklich schätzen, China als Nachbarn zu haben. Anschließend sagte er, China könne einen militärischen Zusammenstoß gewinnen, betonte jedoch, es werde keine Gewalt wählen.
Wenn wir Gewalt anwenden wollen, können wir leicht gewinnen. Aber nein, wir werden keine Gewalt wählen, und wir lieben den Frieden.
Jing beschuldigte Manila zudem, chinesische Lehrer und Arbeiter ins Visier zu nehmen und täglich Angriffe auf Chinas Ruf zu verüben, wobei ein Bericht anmerkte, er habe kein konkretes Beispiel genannt. Danach fragte er, wer der wahre Unruhestifter sei.
Manila protestiert gegen die Äußerungen
Am Freitag, dem 16. Oktober, sagte Präsident Ferdinand Marcos Jr., die Äußerungen klängen wie eine Drohung und seien nicht sehr diplomatisch, und er wolle verstehen, was der Gesandte gemeint habe. Er äußerte sich nach der Teilnahme am 125. Gründungsjubiläum der philippinischen Küstenwache. Bloomberg berichtete, er könne den Botschafter einbestellen, während ein anderer Bericht besagte, er habe sich nicht kategorisch zu einer Einbestellung verpflichtet und die Angelegenheit verdiene eine Diskussion zwischen dem Botschafter und ihm selbst.
Nun, für mich klingt das sehr nach einer Drohung, und es ist keine sehr diplomatische Äußerung.
Das Außenministerium nannte Jings Wortwahl bedauerlich und erklärte, sie scheine eine kaum verhüllte Drohung mit Gewaltanwendung zu vermitteln. Es forderte Diplomaten auf, in öffentlichen Statements mehr Sorgfalt walten zu lassen, um das Vertrauen nicht weiter zu untergraben. Der Sprecher der Küstenwache, Konteradmiral Jay Tarriela, bezeichnete die Äußerungen als direkte Drohung. Teodoro wies die Annahme zurück, es handle sich um einen Versprecher, und sagte, sie kämen einer Einschüchterung gleich. Zudem vermutete er, China bereite den Boden, um die Philippinen für jede künftige Eskalation verantwortlich zu machen, und verteidigte die Aussetzung direkter militärischer Kontakte, die Manila seiner Aussage nach in etwa drei Jahren keinen Nutzen gebracht hätten.
Pekings Reaktion
Die chinesische Botschaft bestätigte Jings Aussagen, erklärte jedoch, das Außenministerium habe sie selektiv zitiert und überinterpretiert. Sie drängte Manila, eine verantwortungsvollere Rolle bei der Verhinderung solcher Handlungen zu spielen.
Die Beziehungen zwischen China und den Philippinen befinden sich derzeit in einer äußerst sensiblen Phase.
Ein Bericht besagte, die Botschaft habe Tarriela zudem beschuldigt, die Äußerungen aus dem Zusammenhang gerissen zu haben und die bilateralen Beziehungen schädigen zu wollen, während sie erklärte, China wolle stabile Beziehungen. Am Freitag kündigte der Sprecher des chinesischen Verteidigungsministeriums, Chen Xi, laut Xinhua entschlossene und wirksame Maßnahmen gegen das an, was er als disruptive Handlungen im Südchinesischen Meer bezeichnete. Er beschuldigte die philippinische Regierung, mit Unterstützung auswärtiger Mächte die regionale Stabilität zu gefährden, sagte jedoch nicht, welche weiteren Schritte Peking plante. Er bezog sich auf jüngste Vorfälle nahe Scarborough Shoal und Second Thomas Shoal, die China Huangyan Dao und Ren'ai Jiao nennt.
- Manila beschuldigt China, die medizinische Evakuierung eines philippinischen Soldaten nahe einer umstrittenen Insel blockiert zu haben
- Botschafter Jing Quan sagt, China könne einen Konflikt mit den Philippinen leicht gewinnen, wähle aber den Frieden
- Marcos nennt die Äußerungen eine Drohung, das Außenministerium protestiert, und Chinas Verteidigungsministerium kündigt Maßnahmen an
Ein vom chinesischen Verteidigungsministerium veröffentlichter Frage-und-Antwort-Beitrag verwies auf mehr als 100 Schiffe der chinesischen Marine und Küstenwache, die philippinische Kräfte im September nahe Thitu Island und Sabina Shoal beobachtet hatten.
Frühere Zusammenstöße auf See
Chinesische und philippinische Schiffe sind in den umstrittenen Gewässern regelmäßig aneinandergeraten, wobei es bei einigen Vorfällen zu Kollisionen und Verletzten kam. Nach einer kurzen Ruhepause wurden die Konfrontationen im Juli wieder aufgenommen. Anfang Oktober beschuldigte Manila China, die medizinische Evakuierung eines philippinischen Soldaten nahe einer umstrittenen Insel blockiert zu haben. Die South China Morning Post berichtete über gegenseitige Vorwürfe wegen einer medizinischen Evakuierung nahe Second Thomas Shoal, wo die Philippinen einen Außenposten auf einem auf Grund gelaufenen Marineschiff unterhalten. China beansprucht praktisch die gesamte Wasserstraße, eine wichtige globale Handelsroute, und weist ein internationales Schiedsurteil von 2016 zurück, das seinen Ansprüchen jede Rechtsgrundlage absprach. Die Philippinen, Vietnam, Malaysia, Brunei und Taiwan erheben jeweils eigene Ansprüche auf die Gewässer.
