
Litauen will EU-Verbot für russischen Getreidetransit und Sanktionen gegen Oligarchen fordern
Premierminister Mindaugas Sinkevicius erklärte am Donnerstag, Litauen werde sich für ein EU-Verbot des Transits von russischem Getreide einsetzen. Litauen verschärft zudem die Kontrollen der Getreideherkunft, und Estland hat einen solchen Transit seit dem 1. Oktober verboten.
Litauens Forderungen
Am Donnerstag, dem 8. Oktober, erklärte Premierminister Mindaugas Sinkevicius auf Facebook, Litauen werde ein EU-Verbot des Transits von russischem Nahrungsgetreide durch EU-Gebiet fordern. Zudem will er ausgewählte russische Oligarchen aus dem Agrarsektor, die den Krieg unterstützen, auf die EU-Sanktionsliste setzen lassen. Bloomberg berichtete, Litauen plane, diese Maßnahmen voranzutreiben, während die baltischen Staaten die Lieferungen über ihre Häfen stoppen. Die Forderung richtet sich auf den Transit, also auf Getreide, das EU-Gebiet durchquert, nicht auf Getreide, das innerhalb des Blocks verkauft wird. In seinem Beitrag argumentierte Sinkevicius, die derzeitige Regelung sei nicht hinnehmbar:
Russland nutzt europäische, darunter baltische, Häfen und Infrastruktur, um sein Getreide zu exportieren. Das ist eine unannehmbare Situation.
Bereits ergriffene Maßnahmen
Litauen wartet nicht auf die EU. Sinkevicius sagte, sein Land führe bereits eigene zusätzliche Kontrollen ein, und er habe staatliche Stellen angewiesen, die Kontrolle der Getreideherkunft zu verschärfen, damit aus der Ukraine gestohlenes oder mit anderem Getreide vermischtes Getreide nicht durch Litauen transportiert wird. Strafverfolgungsbehörden prüfen die Verbindungen von Getreideexporteuren, um festzustellen, ob diese gegen andere geltende Sanktionen verstoßen. Laut BNS prüft Litauen seit Anfang September die Herkunft von Nahrungsgetreide, das aus Russland und Belarus durchgeleitet wird. Estland hat den Transit von russischem und belarussischem Getreide seit dem 1. Oktober verboten, und Litauen und Lettland unterstützen ein gemeinsames baltisches Vorgehen zur Kontrolle und Begrenzung solcher Transite. Sinkevicius begründete die Maßnahmen mit der russischen Militärmaschinerie:
Wir werden nicht zulassen, dass die russische Kriegsmaschinerie davon profitiert, unsere Infrastruktur als Tor zu den Weltmärkten zu nutzen.
Schwarzmeer-Kontext
Digi24 berichtet unter Berufung auf den Kyiv Independent, dass Russlands anhaltende Blockade des Schwarzen Meeres die Einnahmen der Ukraine aus Nahrungsmittelexporten stark verringert und gleichzeitig Importländer im Nahen Osten und in Nordafrika in eine prekäre Lage bringt. Kiew beschuldigte Russland, am 5. und 6. Oktober Frachtschiffe vor der rumänischen und bulgarischen Schwarzmeerküste angegriffen zu haben – Angriffe, bei denen Zivilisten getötet wurden. Sinkevicius sagte, Russland exportiere auch sein eigenes Getreide über europäische Häfen, darunter baltische. Wnp weist darauf hin, dass die EU 2024 Zölle auf russische und belarussische Getreideprodukte verhängt hat, was deren Einfuhr in den Block begrenzte, aber den Getreidetransit durch die EU in Drittländer nicht beseitigte.
- Die EU verhängt Zölle auf russische und belarussische Getreideprodukte, was Importe, aber nicht den Transit in Drittländer begrenzt
- Litauen prüft seit Anfang September die Herkunft von Nahrungsgetreide, das aus Russland und Belarus durchgeleitet wird
- Estland verbietet den Transit von russischem und belarussischem Getreide
- Kiew beschuldigt Russland, Frachtschiffe vor der rumänischen und bulgarischen Schwarzmeerküste angegriffen zu haben – Angriffe, bei denen Zivilisten getötet wurden
- Sinkevicius kündigt an, Litauen werde ein EU-Transitverbot und Oligarchen-Sanktionen vorantreiben
EU-Position
David O'Sullivan, der Sanktionsbeauftragte der EU, sagte in einem Interview mit dem Kyiv Independent, der Block habe keine Sanktionen gegen Agrarprodukte verhängt, „weil diese die Kriegsmaschinerie nicht wirklich beeinträchtigen“. Er fügte hinzu, die Sanktionen hätten den EU-Handel mit Russland bereits um 75 Prozent reduziert, und eine vollständige Entkopplung sei nicht unbedingt das Ziel der EU-Sanktionspolitik. Sinkevicius sagte, er habe diese Situation bislang hingenommen, weil EU-Sanktionen nicht für Lebensmittelprodukte gälten. Er erklärte, Litauens strengere Herkunftskontrollen gälten, solange sich die EU-Politik nicht ändere. Der litauische Vorschlag bittet Brüssel daher, über den derzeitigen Rahmen hinauszugehen, der Importe, aber nicht den Transit begrenzt hat.


