
Astronomen entdecken lichtschwächsten je direkt abgebildeten Exoplaneten nach elfjährigem Versteckspiel
Der Planet ist 100-mal lichtschwächer als sein Geschwisterplanet Beta Pictoris b und verbarg sich über ein Jahrzehnt lang in archivierten Teleskopaufnahmen, bevor zwei unabhängige Teams ihn entdeckten.
Eine glückliche Entdeckung
Astronomen der University of Edinburgh und der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Deutschland beobachteten mit dem Very Large Telescope (VLT) in Chile den Planeten Beta Pictoris b, einen Riesenplaneten, der vor fast 18 Jahren erstmals direkt abgebildet wurde. Das VLT war mit der Infrarotkamera ERIS ausgestattet, die am britischen Astronomie-Technologie-Zentrum in Edinburgh zusammen mit der ETH Zürich und der Universität Leiden entwickelt wurde. Bei der Analyse der Daten entdeckten sie ein unerwartetes Objekt. Ben Sutlieff, Astronom in Edinburgh und Co-Leiter der Studie, bezeichnete den Fund als völlig ungeplant.
Wir wollten uns eigentlich einen bekannten Planeten im System, Beta Pictoris b, genauer ansehen und sehen, wie er sich im Laufe der Zeit verändert. Als wir jedoch unsere Aufnahmen des Systems analysierten, fiel uns etwas anderes auf, das uns auf einen völlig neuen Weg führte.
Der lichtschwächste je abgebildete Exoplanet
Der neue Planet, Beta Pictoris d, ist ein Gasriese wie Jupiter und Saturn, hat aber nur die 2,4-fache Masse des Jupiter. Seine beiden Geschwister Beta Pictoris b und c wiegen jeweils etwa zehn Jupitermassen. Beta Pictoris d ist 100-mal lichtschwächer als Beta Pictoris b und damit der lichtschwächste Exoplanet, der je direkt vom Boden aus fotografiert wurde. Markus Bonse, ein ESO-Astronom in Deutschland und Co-Leiter der Studie, erklärte, dass der Planet relativ kühl sei, was ihn im Vergleich zu seinem hellen Mutterstern extrem lichtschwach mache.
Der neue Planet ist 100-mal lichtschwächer als Beta Pictoris b, der berühmte Planet desselben Systems, was ihn zum lichtschwächsten je direkt von der Erde aus abgebildeten Exoplaneten macht.
Elf Jahre Versteckspiel
Nach der ersten Entdeckung durchsuchte das Team das ESO-Archiv und fand Beta Pictoris d in mehreren Aufnahmen, die bis zu elf Jahre zurückreichen. Auf einem Bild war er kaum sichtbar im gleißenden Licht von Beta Pictoris b. Jayne Birkby von der University of Oxford beschrieb die lange Zeit der Unsichtbarkeit.
Anscheinend hat Planet d über ein Jahrzehnt lang Verstecken mit uns gespielt, und erst jetzt können wir sagen: „Wir haben dich gefunden!“
Zwei unabhängige Bestätigungen
Ein separates, von Kalifornien aus geleitetes Team, das das NASA-Weltraumteleskop Webb nutzte, entdeckte denselben Planeten unabhängig davon nur wenige Tage später. Beide Gruppen hielten ihre Arbeit vertraulich, um Verzerrungen zu vermeiden, und veröffentlichten ihre Ergebnisse gleichzeitig am 15. Juli 2026 in The Astrophysical Journal Letters. Aidan Gibbs von der UC San Diego, der das zweite Team leitete, wies darauf hin, dass das Beta-Pictoris-System erst 20 Millionen Jahre alt sei und einen seltenen Einblick in ein Planetensystem biete, das sich noch nach seiner Entstehung stabilisiere.
Die Riesenplaneten haben sich bereits gebildet, aber kleinere Gesteinsplaneten könnten noch entstehen. Beta Pictoris ist wahrscheinlich der beste Blick, den wir auf ein Planetensystem haben, das gerade entstanden ist und sich noch in der Stabilisierungsphase befindet.
Ein seltenes direktes Bild
Beta Pictoris d benötigt 91 Jahre für einen Umlauf um seinen Stern – eine weitere Bahn als seine Begleiter. Das System liegt 63 Lichtjahre entfernt im Sternbild Pictor. Weniger als 100 der über 6.000 bestätigten Exoplaneten wurden direkt abgebildet; die meisten werden mit der Transitmethode entdeckt. Beth Biller von der University of Edinburgh fügte hinzu, dass Mehrplanetensysteme mit direkten Aufnahmen besonders wertvoll seien.
Planeten scheinen Freunde zu haben.
- Beta Pictoris b direkt abgebildet, eines der ersten Exoplanetenbilder
- Zwei unabhängige Teams entdecken Beta Pictoris d in VLT- und Webb-Daten
- Entdeckung in The Astrophysical Journal Letters veröffentlicht
- Beta Pictoris b
- 10 Jupitermassen
- Beta Pictoris c
- 10 Jupitermassen
- Beta Pictoris d
- 2.4 Jupitermassen


