Armin Laschet verteidigt CDU-Brandmauer bei Regierungsämtern, räumt aber parlamentarische Fehler ein
Vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, wo die AfD bei über 40 Prozent liegt, lehnte der frühere CDU-Chef Koalitionsgespräche ab und bezeichnete Verfahrensverbote im Bundestag als wirkungslos.
Parlamentarische Taktik und formelle Ausgrenzung
Der frühere Vorsitzende der Christlich Demokratischen Union (CDU), Armin Laschet, räumte strategische Fehler im Umgang der etablierten Parteien mit der Alternative für Deutschland (AfD) im Parlament ein. In der ARD-Polittalkshow Caren Miosga, die nach der Sommerpause erstmals wieder ausgestrahlt wurde, sagte Laschet, dass die Blockade von AfD-Vertretern bei Verfahrensposten wie Ausschussvorsitzen im Bundestag die Wählerunterstützung der Partei nicht geschwächt habe. Laschet, der von 2017 bis 2021 Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen war und im Mai 2025 den Vorsitz des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages übernahm, betonte, dass er dafür sorge, dass AfD-Politiker in Ausschussdebatten zu Wort kommen dürfen. Er bezeichnete den Begriff "Brandmauer" als journalistische Erfindung und nicht als offizielle Doktrin und forderte stattdessen eine direkte inhaltliche Debatte statt Verfahrensverboten.
Die Methodik, wie wir versucht haben, die AfD durch formelle Ausgrenzung zu verkleinern, ist gescheitert.
Ablehnung von Koalitionen und politische Gräben
Trotz der eingeräumten Fehler bei den parlamentarischen Verfahren verteidigte Laschet die absolute Weigerung, mit der AfD zu regieren oder der Partei Regierungsämter zu übertragen. Die CDU hatte 2018 einen formellen Beschluss gefasst, der Koalitionen und ähnliche Formen der Zusammenarbeit mit der AfD und der Linken ausschließt. In einem hitzigen Wortwechsel in der Sendung wies Laschet Vorschläge zurück, die Union solle Machtteilungsarrangements in Betracht ziehen, und verwies auf grundlegende politische Unterschiede. Er nannte AfD-Vorschläge zur Kündigung von Staatskirchenverträgen, die die Zusammenarbeit in Schulen, Krankenhäusern und Sozialhilfeeinrichtungen regeln, als für die CDU inakzeptabel. Laschet betonte außerdem, dass AfD-Pläne zur Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und zur Abschaffung der Bundeszentrale für politische Bildung rote Linien für seine Partei darstellten.
Wir werden keine Koalition mit ihnen eingehen. Nicht weil jeder ein Nazi ist, nicht weil eine Brandmauer es sagt, sondern weil es einfach nicht passt.
Akademische Debatte über flexible Mehrheiten
Der Politikwissenschaftler Christian Stecker von der Technischen Universität Darmstadt argumentierte während der Runde, dass die Aufrechterhaltung einer strikten Brandmauer große Teile der deutschen Wählerschaft zu isolieren riskiere. Stecker schlug vor, in den Landesparlamenten flexible Mehrheiten zu ermöglichen, anstatt feste Parteiblöcke zu erhalten, und deutete an, dass es politische Überschneidungen zwischen der Union und der AfD gebe. Er verwies auf Studien, die zeigen, dass 90 Prozent der AfD-Wähler die Demokratie als beste Staatsform betrachten, auch wenn sie mit den aktuellen institutionellen Praktiken unzufrieden sind. Der Schlagabtausch intensivierte sich, als Laschet unterbrach, um akademische Ratschläge zu Ministerernennungen zurückzuweisen und erklärte, die CDU werde AfD-Politikern niemals Regierungsgewalt übertragen.
Das ist strategisch fatal für die CDU und für die Demokratie.
Landtagswahl in Sachsen-Anhalt auf dem Spiel
Die Debatte fand zwei Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt statt, wo Umfragen zufolge die AfD mehr als 40 Prozent der Stimmen erreichen könnte. Die regierende CDU liegt in regionalen Umfragen deutlich hinter der AfD und bleibt auch in bundesweiten Umfragen zurück, was die Aussicht auf einen AfD-Ministerpräsidenten zum ersten Mal erhöht. Ein solches Ergebnis würde auch Bundesorgane betreffen, wobei Laschet warnte, dass ein AfD-Vertreter im Bundesrat das politische Klima verschlechtern würde. Das Land soll im Oktober 2026 turnusgemäß den Vorsitz der Ministerpräsidentenkonferenz übernehmen. Die Diskussion folgte auf Wochenend-Interviewauftritte, in denen der AfD-Co-Vorsitzende Tino Chrupalla unbelegte Behauptungen über Manipulation von Briefwahlstimmen in Pflegeheimen aufstellte, während Co-Vorsitzende Alice Weidel die CDU- und SPD-Parteivorsitzenden angriff.
- Die CDU verabschiedet einen formellen Beschluss, der Koalitionen mit der AfD und der Linken ausschließt.
- Armin Laschet wird Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages.
- Sachsen-Anhalt soll turnusgemäß den Vorsitz der Ministerpräsidentenkonferenz übernehmen.

