BKK-Analyse: Langzeiterkrankungen und nicht kurze Erkältungen treiben die Kosten der Krankenkassen – Regierung verschärft Regeln zur Krankschreibung
Eine neue Analyse der Betriebskrankenkassen zeigt, dass Langzeiterkrankungen und nicht kurze Erkältungen der Hauptkostentreiber der gesetzlichen Krankenversicherung sind und stellt damit die Pläne der Bundesregierung in Frage, Krankschreibungen ab dem ersten Tag zu verlangen.
Regierung plant Verschärfung der Regeln zur Krankschreibung
Die schwarz-rote Koalition hat angekündigt, von Arbeitnehmern ab dem ersten Krankheitstag eine Krankschreibung zu verlangen und die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung abzuschaffen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) begründete die Maßnahmen mit dem Ziel, die hohe Krankenquote in Deutschland zu senken, was eine hitzige Debatte ausgelöst hat.
BKK-Analyse: Langzeiterkrankungen treiben Kosten
Eine Analyse des BKK Dachverbandes, der 63 Betriebskrankenkassen und rund 9,6 Millionen Versicherte vertritt, zeigt nun, dass kurze Atemwegsinfektionen nicht die Hauptlast der finanziellen Belastung sind. Stattdessen sind Langzeiterkrankungen, vor allem muskuloskelettale und psychische Leiden, die wahren Kostentreiber.
Es sind die langen, oft muskuloskelettal und psychisch bedingten Ausfälle, die zum eigentlichen Kostentreiber werden.
Kosten für Krankengeld steigen rasant
Das Krankengeld, das erst ab dem 43. Krankheitstag gezahlt wird und somit vor allem Menschen mit länger andauernden Erkrankungen betrifft, ist mit 21,6 Milliarden Euro zu einem der größten Ausgabenposten der gesetzlichen Krankenversicherung geworden. Im Jahr 2025 entfiel mehr als ein Viertel aller Fehltage auf Krankengeldbezüge. In den letzten zehn Jahren sind die Krankengeldtage um 24,4 Prozent gestiegen.
Psychische und muskuloskelettale Erkrankungen dominieren
Psychische Erkrankungen machen nur 5,4 Prozent aller Krankschreibungen aus, ihre durchschnittliche Dauer übersteigt jedoch fünf Wochen und steigt weiter an. Zusammen mit muskuloskelettalen Erkrankungen sind sie der Hauptgrund für Krankengeldzahlungen. Die allgemeine Krankenquote blieb 2025 mit 6,1 Prozent stabil, wobei Atemwegserkrankungen die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit waren, aufgrund ihrer kurzen Dauer aber finanziell unbedeutend sind.
Forderung nach Prävention statt Restriktion
Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbandes, forderte eine ernsthafte Debatte über Präventionsstrategien, insbesondere im Hinblick auf psychische Belastungen am Arbeitsplatz.
Wir beobachten den Trend psychischer Belastungen in der Arbeitswelt schon lange. Sonst werden wir diese Rechnung noch viele Jahre bezahlen – und hinter jeder steckt das lange Leiden eines Betroffenen.


