
Spanische Experten rechnen vor, was nachts ein Ventilator oder die Klimaanlage wirklich kostet – während die Hitzewelle anhält
Angesichts mehrerer Hitzewellen und nächtlicher Temperaturen über 20 Grad überlegen spanische Haushalte neu, was ein Ventilator oder eine Klimaanlage tatsächlich zur Stromrechnung beiträgt. Experten aus dem Energie- und Rechtssektor liefern nun konkrete Zahlen und praktische Ratschläge.
Die Angst vor der Rechnung
Sommer für Sommer ringen spanische Haushalte mit dem gleichen Dilemma: kühl bleiben und eine saftige Stromrechnung riskieren oder die Hitze ertragen. Eine Umfrage von Samsung Climate Solutions aus dem Jahr 2026 ergab, dass 62 Prozent der Nutzer ihre Klimaanlage seltener laufen lassen, als sie eigentlich möchten, allein aus Angst vor den Kosten. Gleichzeitig zeigt ein Bericht von Create, dass 77 Prozent der spanischen Haushalte ein Budget für bessere Kühlung einplanen und 39 Prozent bereits in den ersten Monaten des Jahres einen Deckenventilator kaufen, anstatt auf die erste Hitzewelle zu warten. Diese frühen Käufe deuten darauf hin, dass viele Verbraucher die Klimaanlagenrechnung ganz vermeiden wollen.
Ein Standventilator verbraucht etwa 50 Watt. Wenn man ihn jeden Abend im Juli acht Stunden lang laufen lässt, kommt man auf insgesamt 12,4 Kilowattstunden. Das ist viel weniger, als die meisten denken.
Der Inverter-Vorteil
Der Techniker Carlos Llul weist auf den häufigsten Fehler hin: das ständige Ein- und Ausschalten der Klimaanlage. Ein Raum mit 29 Grad Celsius, der auf 24 Grad heruntergekühlt werden soll, lässt das Gerät zunächst stark arbeiten. Sobald die Zieltemperatur erreicht ist, reduziert ein Inverter-Modell automatisch die Leistung. Das Gerät in diesem Moment auszuschalten bedeutet, dass der Raum wieder aufheizt und später ein erneuter Vollstart nötig ist. Llul betont, dass moderne Inverter-Geräte nicht die ganze Nacht mit 100 Prozent Leistung laufen.
Hier liegt der größte Fehler, denn moderne Inverter-Geräte verbrauchen nicht die ganze Nacht über volle Leistung.
Für ein anspruchsvolles Szenario mit einem 1.500-Watt-Gerät schätzt Llul, dass acht Stunden Kühlung etwa einen Euro Strom kosten können. Allein diese Zahl, so hofft er, wird die Angst nehmen, die Menschen dazu bringt, ihre Geräte auszuschalten.
Die Thermostat-Falle
Das Thermostat auf 19 oder 20 Grad zu stellen, um das Zuhause schneller zu kühlen, ist ein weiterer weit verbreiteter Fehler, so Gemma Reinón, Anwältin bei Català Reinón Abogados. Das Gerät wird dadurch nicht schneller, es arbeitet nur länger und verbraucht mehr. Reinón empfiehlt eine Einstellung von etwa 25 oder 26 Grad, insbesondere in Kombination mit leichter Kleidung, heruntergelassenen Jalousien und guter Luftzirkulation. Das IDAE, Spaniens Institut für Energieeinsparung und Diversifizierung, unterstützt diese Empfehlung und weist darauf hin, dass jede Grad Reduzierung die Kühlkosten um etwa 7 Prozent erhöhen kann. Das Ziel, so fügt der Anwalt Jordi Català hinzu, sei es nicht, das Zuhause in einen Kühlschrank zu verwandeln.
Das Ziel ist nicht, das Haus in einen Kühlschrank zu verwandeln, sondern eine erträgliche thermische Empfindung aufrechtzuerhalten, ohne das Gerät stundenlang auf Hochtouren laufen zu lassen.
Praktische Gewohnheiten, die den Verbrauch senken
Die Experten sind sich bei einer kurzen Liste kostenloser oder kostengünstiger Gewohnheiten einig: Jalousien während der heißesten Stunden herunterlassen, nachts lüften und die Filter sauber halten. Der Experte hinter dem TikTok-Account @EnergiaJusta betont, dass ein Split-Klimagerät typischerweise zwischen 1 und 1,3 Kilowatt zieht, was bedeutet, dass selbst ein paar Stunden Nutzung zur Mittagszeit weit weniger kostspielig sind, als die Folklore glauben macht. Alle betonen, dass der tatsächliche Verbrauch von der Außentemperatur, der Isolierung, der Sonneneinstrahlung der Fenster und dem vereinbarten Stromtarif abhängt, sodass die Zahlen nicht ohne Weiteres von einem Haushalt auf den anderen übertragbar sind.
Ein Wandel der Denkweise
Zusammengenommen deuten die Berechnungen auf eine kleine, aber sinnvolle Veränderung hin, wie spanische Familien die Sommernächte gestalten. Der Ventilator bleibt zu vernachlässigbaren Kosten die günstigste Option für diejenigen, die mit bewegter Luft, aber ohne aktive Kühlung schlafen können. Eine Inverter-Klimaanlage, die bei einer stabilen, moderaten Einstellung läuft, kostet mehr, ist mit etwa einem Euro pro Nacht für die meisten Haushalte aber immer noch ein überschaubarer Betrag. Der Ratschlag aller vier Quellen läuft auf dasselbe Kernprinzip hinaus: der Hitze mit vernünftigen Temperaturzielen und Wartung begegnen, nicht indem man das Gerät aus Angst vor der Rechnung zu einem Ein-Aus-Schalter macht.


