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Wahlen·vor 2 Std.

FDP wählt Wolfgang Kubicki zum neuen Vorsitzenden – 74-Jähriger setzt sich in Kampfabstimmung gegen Strack-Zimmermann durch

Wolfgang Kubicki ist auf dem Bundesparteitag der Freien Demokratischen Partei (FDP) in Berlin zum neuen Bundesvorsitzenden gewählt worden. Er setzte sich überraschend in einer Kampfabstimmung gegen Marie-Agnes Strack-Zimmermann durch.

Eine Überraschungskandidatur

Wolfgang Kubicki ist auf dem Bundesparteitag der Freien Demokratischen Partei (FDP) in Berlin zum neuen Bundesvorsitzenden gewählt worden. Der 74-Jährige erhielt 390 der 658 gültigen Delegiertenstimmen, das entspricht 59,3 Prozent, und besiegte damit Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die 259 Stimmen bekam. Strack-Zimmermann, Verteidigungsexpertin und EU-Abgeordnete, hatte ihre Kandidatur in letzter Minute eingereicht, nachdem sie von 33 Delegierten nominiert worden war, womit das nach der FDP-Satzung erforderliche Quorum erreicht wurde.

Und deshalb habe ich mich entschlossen, hier eine Alternative anzubieten.

Strack-Zimmermann begründete ihre Überraschungskandidatur damit, dass die Partei einen Neuanfang brauche, den sie besser als Kubicki verkörpern könne. Außerdem kritisierte sie scharf die Debatte um die sogenannte "Brandmauer" zur AfD, die Kubicki und sein designierter Generalsekretär Martin Hagen angeheizt hatten. Kubicki selbst hatte jedoch zuvor jede Zusammenarbeit mit der AfD kategorisch ausgeschlossen.

Es wird niemals eine Zusammenarbeit mit der AfD mit den Liberalen geben, niemals.

Eine Partei in der Krise

Der Führungswechsel ist der zweite personelle Umbau der FDP innerhalb von zwölf Monaten. Nachdem die Partei bei der Bundestagswahl im Februar 2025 an der Fünfprozenthürde gescheitert war, hatte der damalige Fraktionsvorsitzende Christian Dürr den Parteivorsitz übernommen. Er konnte den Abwärtstrend nicht stoppen; in diesem Jahr erlitt die FDP bei Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz bittere Niederlagen und scheiterte am Einzug in beide Landesparlamente. Daraufhin traten das Präsidium und der Bundesvorstand der Partei zurück.

In seiner Abschiedsrede kritisierte Dürr scharf die schwarz-rote Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz und warf CDU und SPD eine übermäßige Schuldenpolitik und mangelnden Reformwillen vor. Er stellte fest, dass Merz‘ Regierung nach einem Jahr die unbeliebteste in der deutschen Geschichte sei.

Nach nur einem Jahr unbeliebter zu sein als Olaf Scholz am Ende seiner Amtszeit – das muss man erst einmal schaffen.

Kubickis Vision

Kubicki, der 1971 in die FDP eintrat, nutzte seine Kandidaturrede, um die Partei als Kraft für die soziale Marktwirtschaft und bürgerliche Freiheiten zu positionieren. Er beklagte, dass sich in der Öffentlichkeit ein "völlig verzerrtes Bild" der FDP festgesetzt habe und die Partei es selbst versäumt habe, ein anderes Bild zu vermitteln. Er rief die FDP dazu auf, die Stimme derer zu werden, "die jeden Tag anpacken – vom Handwerksmeister bis zur Krankenschwester, vom Imbissbesitzer in der Großstadt bis zum Landwirt, vom Angestellten bis zur Führungskraft."

Kubicki gilt im Parteienspektrum als rechtsliberal, bekannt für seine Kritik an übermäßiger staatlicher Regulierung, sein Eintreten für die Redefreiheit und ein klar wirtschaftsliberales Profil. Die 68-jährige Strack-Zimmermann hingegen steht für einen eher sozialliberalen Flügel und leitet den Verteidigungsausschuss im Europäischen Parlament. Die beiden gelten seit langem als interne Rivalen.

Der Weg nach vorn

Die FDP ist derzeit nur in sechs der 16 deutschen Landesparlamente vertreten und an nur einer Landesregierung beteiligt – in Sachsen-Anhalt, eine Koalition, die nach den Landtagswahlen im September verloren gehen könnte. Kubicki hat sich zum Ziel gesetzt, die Partei zu stabilisieren und innerhalb eines Jahres wieder über die Fünfprozenthürde zu heben.

Nach 55 Jahren FDP-Mitgliedschaft muss man mir einfach verzeihen, dass ich nicht zusehen möchte, wie meine Partei untergeht.

Er räumte ein, dass er keinen Generationswechsel verkörpert, und erklärte: "Ich bin nicht mehr die Zukunft der FDP, aber ich kann der FDP eine Zukunft geben." Der Parteitag selbst war von einer unruhigen Atmosphäre geprägt, Delegierte redeten über Reden hinweg, der Vorsitzende musste wiederholt zur Ordnung rufen. Auffällig abwesend war jede substanzielle Selbstkritik an den Fehlern während der Ampelkoalition oder dem Bruch der Regierung.

FDPs jüngster Niedergang bei Wahlen
  1. FDP scheitert an der Fünfprozenthürde bei der Bundestagswahl, verlässt den Bundestag
  2. Christian Dürr zum neuen FDP-Vorsitzenden gewählt
  3. FDP scheitert am Einzug in die Landtage von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz
  4. Wolfgang Kubicki zum FDP-Vorsitzenden gewählt, besiegt Marie-Agnes Strack-Zimmermann
  5. Landtagswahl in Sachsen-Anhalt – FDPs letzte Regierungsbeteiligung in Gefahr
Berlin

8 Quellen

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