
Zweiter landesweiter Stromausfall innerhalb einer Woche stürzt 10 Millionen Kubaner in Dunkelheit
Ein Leitungsfehler zwischen Santa Clara und Sancti Spíritus legte am Freitagnachmittag die Stromversorgung auf der gesamten Insel lahm – der vierte totale Netzausfall seit Jahresbeginn 2026.
Was geschah
Am Freitagnachmittag, dem 10. Juli 2026, brach das nationale Stromnetz Kubas vollständig zusammen und ließ rund 10 Millionen Menschen ohne Strom. Das Energieministerium bestätigte den Blackout und aktivierte Notfallprotokolle, um die Versorgung so schnell wie möglich wiederherzustellen. Die Behörden führten den Ausfall auf eine Schwankung der Betriebsparameter nach einem Leitungsfehler zwischen den Provinzen Santa Clara und Sancti Spíritus zurück. Es war der zweite vollständige Netzausfall innerhalb weniger Tage, der vierte seit Jahresbeginn 2026 und der neunte seit Ende 2024 – ein Zeichen für die zunehmende Fragilität des Stromsystems der Insel.
Ein alterndes Netz, dem der Treibstoff ausgeht
Ein Großteil der kubanischen Erzeugungsinfrastruktur ist über 30 Jahre alt und leidet unter chronischem Wartungsstau. Das Land deckt nur 40 % seines Treibstoffbedarfs selbst und ist stark auf Importe angewiesen. Die letzte große Lieferung aus Russland – ein Tanker mit 730.000 Barrel Rohöl – traf Ende März 2026 ein, war aber bis Ende April vollständig verbraucht. Da globale Öllieferanten Vergeltungsmaßnahmen der USA befürchten, wird die Wiederauffüllung zunehmend schwieriger. Nach der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch die Vereinigten Staaten drohte Präsident Donald Trump Zölle auf jedes Land an, das Öl an die Insel verkauft oder liefert, was den Treibstoffzugang weiter einschränkt.
Auswirkungen auf den Alltag
Der öffentliche Nahverkehr ist auf weiten Teilen der Insel nahezu zum Erliegen gekommen. Die Behörden haben Zehntausende geplanter Operationen verschoben, da Krankenhäuser ohne zuverlässige Stromversorgung kämpfen. In vielen Regionen dauern programmierte Abschaltungen bereits mehr als 24 Stunden am Stück an, sodass der vollständige Netzausfall eine ohnehin katastrophale Lage noch verschärft hat.
Reaktion der Regierung und Schuldzuweisungen
Premierminister Manuel Marrero räumte die Schwere der Krise ein und bezeichnete die Woche als „besonders schwierig“. Er stellte fest, dass mehrere Erzeugungseinheiten weiterhin außer Betrieb seien und der verfügbare Treibstoff nicht ausreiche, um das System normal zu betreiben. Die kubanische Regierung macht US-Sanktionen für die Verschärfung des Notstands verantwortlich und argumentiert, dass Beschränkungen für Ölimporte die Fähigkeit des Landes, Treibstoff zu beschaffen, entscheidend behindert hätten. Inzwischen haben staatliche Stromarbeiter in mehreren Provinzen mit schrittweisen Wiederherstellungsarbeiten begonnen, allerdings wurde kein Zeitplan für die vollständige Netzwiederherstellung genannt.
Es war eine besonders schwierige Woche. Mehrere Erzeugungseinheiten sind noch immer außer Betrieb und der verfügbare Treibstoff reicht nicht aus, damit das System normal arbeiten kann.


