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Wahlen·vor 1 Std.

Kolumbien wählt in polarisierender Präsidentschaftswahl: Linker Kandidat Cepeda vorn, Stichwahl erwartet

Die Kolumbianer gehen am Sonntag in einer tief gespaltenen Präsidentschaftswahl an die Urnen. Der linke Kandidat Iván Cepeda liegt in Umfragen klar vorn, verfehlt aber die absolute Mehrheit, was eine Stichwahl am 21. Juni zwischen den beiden Erstplatzierten fast sicher macht.

Drei Hauptkandidaten

Vierzehn Kandidaten bewerben sich um die Nachfolge von Gustavo Petro, dessen vierjährige Amtszeit im August endet. Drei dominieren die Umfragen. Iván Cepeda, der 66-jährige Senator und Menschenrechtsverteidiger der regierenden Koalition Pacto Histórico, steht für die Kontinuität von Petros linkem Projekt. Er verspricht, die Sozialreformen zu vertiefen, den Mindestlohn weiter anzuheben und Friedensgespräche mit bewaffneten Gruppen zu führen. Abelardo de la Espriella, ein 47-jähriger millionenschwerer Anwalt, bekannt als „El Tigre“, vertritt einen rechtsradikalen Populismus, gelobt ein hartes Durchgreifen in der Sicherheitspolitik und preist starke Führungsfiguren wie Donald Trump und Nayib Bukele. Paloma Valencia, eine 50-jährige Senatorin der traditionell konservativen, vom Ex-Präsidenten Álvaro Uribe gegründeten Partei Centro Democrático, schlägt einen harten Kurs gegen Kriminalität vor, hat aber Mühe, das rechte Lager zu einen.

Polarisierung und Gewalt

Der Wahlkampf fand vor dem Hintergrund zunehmender politischer Gewalt statt, darunter die Ermordung des Vorkandidaten Miguel Uribe Turbay im Jahr 2025, die an Kolumbiens dunkelste Wahlperioden erinnerte. Mehr als 248.000 Sicherheitskräfte wurden eingesetzt, um die Abstimmung an 118.346 Wahllokalen zu sichern. Umfragen zeigen eine klare links-rechts-Spaltung, wobei die politische Mitte – die Kandidatinnen Claudia López und Sergio Fajardo – bei unter 4 % liegt. Rund 10 % der Wähler sind noch unentschlossen.

Die Angst, die durch den Aufstieg der neuen Rechten in den Umfragen, angeführt von Abelardo de la Espriella, mit seinem populistischen und radikalen Akzent hervorgerufen wurde, zwang die gesamte Linke zur Neuformierung.

Stichwahl am 21. Juni

Es wird nicht erwartet, dass ein Kandidat am Sonntag die 50-Prozent-Hürde überschreitet, was die beiden Erstplatzierten in eine Stichwahl am 21. Juni schickt. Umfragen deuten darauf hin, dass Cepeda die erste Runde mit rund 40 % anführen wird, gefolgt von De la Espriella (über 30 %) und Valencia (etwa 18 %). In einer zweiten Runde stünde die Linke einer wahrscheinlich geeinten Rechten gegenüber, wobei frühe Umfragen ein Patt und die etwa 10 % der Wähler in der Mitte als entscheidend ansehen.

Wahlfahrplan
  1. Erster Wahlgang der Präsidentschaftswahl; Umfragen deuten darauf hin, dass kein Kandidat 50 % erreicht
  2. Stichwahl zwischen den beiden führenden Kandidaten

Petros Vermächtnis auf dem Prüfstand

Obwohl Gustavo Petro durch die Verfassung daran gehindert wird, sich zur Wiederwahl zu stellen, ist sein Schatten groß. Seine Zustimmungsrate liegt bei knapp 49 %, begünstigt durch Armutsbekämpfung, sinkende Arbeitslosigkeit und höhere Mindestlöhne, aber sein Transformationsprogramm scheiterte im Kongress und die Gewalt flammte wieder auf. Cepeda präsentiert sich als Petros ideologischer Erbe, während die Opposition die Wahl als Ablehnung des linken Vierjahresexperiments darstellt.

Der Wahlkampf dreht sich um Petro.

Regionale Bedeutung

Die Wahl ist ein wichtiger Test für die Linke Lateinamerikas, eingebettet in eine Serie rechter Wahlsiege in der Region. Ein Sieg Cepedas würde die Dynamik des linken Lagers stärken, während ein Sieg von De la Espriella oder Valencia Kolumbien auf die harte Linie Washingtons ausrichten und den linken Trend weiter schwächen würde.

Bogotá

8 Quellen

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